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(Kapitel 2)
Aufbau und Inhalt des Jugendgottesdienstes
Ein fittes Team ist angetreten, das Thema begeistert alle. Und nu?
»Das Vaterunser« gehört dazu, sagt eine, »und
das Glaubensbekenntnis« ergänzt ein anderer. Und dann
werden noch die Fürbitten erwähnt - tja, und eigentlich
eine Predigt, Lieder sind selbstverständlich.
Für die Vorbereitungsgruppe gibt es zunächst
aber mal gar keinen festen Fahrplan. Zumindest, wenn wir den Begriff
»Gottesdienst« nicht so hoch hängen - um uns nicht
in theologischen und kirchenrechtlichen Fragen zu verlieren.
Nichts spricht gegen eine »musikalische Nacht«, bei
der gemeinsam gesungene und von Band und Chor vorgetragene Lieder
im Mittelpunkt stehen, vielleicht von einzelnen Gebeten oder Versen
unterbrochen.
Ein Agapemahl verzichtet eigentlich stets auf eine Predigt oder
eine vergleichbare Ansprache. Und in vielen Gemeinden steht an Weihnachten
das (moderne) Krippenspiel im Vordergrund. Jugendgottesdienste können
dem offiziellen Ablauf (Agende) folgen oder diesen völlig durchbrechen.
Auch all das, was landläufig für einen festen Bestandteil
des Jugendgottesdienstes gehalten wird, muss keineswegs vorkommen:
Beteiligungs- oder Mitmachaktionen sind verbreitet, aber nicht obligatorisch
(zumal es immer auch Jugendliche gibt, die regelrecht Angst vor
solchen Bestandteilen haben).
Ob Musik nur von einer akustischen Gitarre, einer Band, einem E-Piano
oder doch der Orgel kommt, ist nicht die entscheidende Frage für
den Jugendgottesdienst. Entscheidend ist, was die Vorbereitungsgruppe
will, was sie für das Interesse ihrer Zielgruppe hält,
und was räumlich, technisch, personell möglich ist.
Natürlich hilft es gerade einem ungeübten
Team sehr, sich an erprobte Formen zu halten, auf fertige Entwürfe
zurückzugreifen oder das Eigene wenigstens anhand eines »typischen
Ablaufs« zu entwickeln. Es sollte aber immer auch noch die
gedankliche Freiheit bestehen, sich von dem zu lösen, was »Tradition«
des Jugendgot-tesdienstes ist.
Dieses Problem haben oft Mitarbeiterkreise mit (sehr) alten Hasen.
Da wird der Jugendgottesdienst (wie sonst auch der Kindergottesdienst,
die Jugendwoche oder das Gemeindefest) ratz-fatz so durchgeplant,
dass nur noch Aufgaben zu verteilen sind: Wer schreibt das Eingangsgebet,
wer sucht einen Segensspruch aus, wer ist dieses Mal mit dem Anspiel
dran...
Daher können Arbeitsbücher wie dieses
vor allem eine Starthilfe sein, indem sie aufgreifen, was landauf-landab
an Entwicklungen zu beobachten ist und was sich bewährt hat.
Die eigentliche Innovation muss immer aus der Vorbereitungsgruppe
selbst kommen - mit dem Recht des »Scheiterns«. Denn
auch das ist bekanntlich ein Grund für Traditionsbildung: sie
vermindert das Ungewöhnliche und damit die Gefahr, als Verantwortliche
auf die Nase zu fallen.
Das Ende kommt denn auch meist schleichend: die Teilnehmerzahlen
gehen irgendwann zurück, die Lust im Vorbereitungskreis lässt
nach, Mitarbeiter steigen aus.
Die Jugendgottesdienste werden fast immer »on the fly«
entwickelt; Schritt für Schritt schaut man, was zusammenpasst,
was fehlt. Und dabei haben Mitarbeiter immer wieder das Recht, neu
anzufangen, vielleicht auch das berühmte Rad neu zu erfinden
- damit es ihr Ding wird.
Wir wollen nicht dem ewigen Experiment das Wort
reden. Gut ist nicht alles, was »abgefahren« daherkommt.
Und oft sind Vorbereitungsteams enttäuscht, dass trotz ihrer
so genialen Idee nur wenige Jugendliche gekom-men sind.
Aber wir wollen ermutigen, sich vom Thema leiten zu lassen, von
den Assoziationen, die einem zu biblischen Texten kommen; ermutigen,
den Gottesdienst so vorzubereiten, dass man sich selbst wohl dabei
fühlt oder dass er anrührt, bewegt, etwas verändern
könnte.
Zunächst gerade daher aber mal zur »Grundform«:
Eröffnung:
Ein Gottesdienst nach der Agende beginnt nach dem Glockengeläut
mit Eingangsmusik, Lied und dem Votum (»Im Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes - Amen«). Eine Begrüßung
im eigentlichen Sin-ne gibt es häufig erst danach.
Im Jugendgottesdienst wird gerne direkt mit der Begrüßung
begonnen: Wir freuen uns, dass so viele gekom-men sind, es geht
heute um folgendes Thema, wir wol-len dies und das miteinander machen,
mitwirken werden X und Y und Z.
Das ist sicherlich eine faire Form: Erst mal sagen, um was es geht,
auf was man sich hier einlässt - wenn man bleibt.
Es kann aber auch auf den Überraschungseffekt ankommen: Da
stürmen zwei Leute vom Eingang her Richtung Altar und diskutieren
miteinander. Oder es wird als Erstes ein Kurzfilm gezeigt. Oder
die Band macht ein »Warming up« - Mitsingen, Klatschen
und Tanzen in oder auf den Bänken ist angesagt. Oder die Gottesdienstbesucher
betreten einen leergeräumten, nur mit Kerzen beleuchteten Kirchraum.
Der Eingangsteil - wie immer er gedanklich abgegrenzt wird - sollte
jedenfalls eine Begrüßung enthalten, eine Hinführung
zum Thema (»Auf die Idee für diesen Jugendgottesdienst
sind wir durch .... gekommen«), vielleicht ein erstes Gebet
(oder Psalm oder Bibellesung) und sicherlich ein Lied zum Mitsingen.
Hauptteil:
Der Begriff »Hauptteil« soll ohne Wertung verstanden
werden - in der Agende entspricht er den Teilen »Verkündigung
und Bekenntnis« (also Lesung, Predigt, Glaubensbekenntnis,
sowie ggf. Schuldbekenntnis und Abendmahl).
Der Jugendgottesdienst muss sich darin nicht grundlegend unterscheiden:
auch hier sind sind Predigten (oder Ansprachen oder Pfarrer-Talk...)
weit verbreitet. Eher selten ist die Integration eines Abendmahls,
z.B. in Form des Agapemahls oder Feierabendmahls, die meist als
eigenständige (Jugend-) Gottesdienstformen gefeiert werden.
Zum Hauptteil gehört auch die häufig
sehr raumfüllende »Mitmachaktion« - denn sie ist
ja nicht Beschäftigungstherapie oder Lückenfüller
(z.B. für die doch fehlende Predigt), sondern eine interaktive
Methode der Verkündigung: Die Gottesdienstbesucher werden zu
Teilnehmern, können sich einbringen oder erhalten zumindest
Anregungen, sich ganz persönlich mit dem Thema, mit den Fragen
dazu und der christlichen Botschaft auseinander zu setzen.
Für die Planung bedeutet der »Hauptteil« also:
hier geht es um den Kern der Sache.
Schlussteil:
Der Ausklang des Gottesdienstes heißt förmlich »Fürbitte
und Sendung«: Das Fürbittengebet benennt aktuelle Probleme
und Sorgen, sowohl eng zum Thema passend als auch weit darüber
hinaus (siehe Kapitel 6).
Es folgen das Vaterunser und der Segen (genauer: Segenswunsch),
vielleicht noch ein Lied und die Mitteilungen. Es schließt
sich häufig an den Gottesdienst ein lockeres Treffen an (Kirchencafé,
beim Jugendgottesdienst eher Party).
Dieser agendarische Aufbau ist, wenn wir mal
von den Detailregelungen absehen, sehr logisch - denn er zieht einen
Spannungsbogen über die Veranstaltung. Der Jugendgottesdienst
kann dennoch ganz anders aufgebaut werden.
Im Team wird man zunächst, nachdem das Thema erarbeitet ist,
all die einzelnen Bestandteile des Gottesdienstes sammeln, bevor
man sie (vorläufig) ordnet.
Dabei sollte die Struktur für die Teilnehmenden
immer nachvollziehbar sein: Überraschungen sind gut, wenn in
der Überraschung der Sinn liegt. Ansonsten haben wir es ja
in der Regel nicht mit einer Aufführung zu tun, sondern mit
einer gemeinschaftlichen Feier, bei der die Jugendgottesdienstgemeinde
vom Team geführt wird.
Die einzelnen Teile können auch zunächst
rein förmlich zusammengetragen und erst später über
den gesamten Ablauf verteilt werden: da steht dann eine Liste mit
Liedern, die man gerne singen möchte, hinzu kommen viel-leicht
Solostücke bzw. Einlagen der Band, Songs von CD oder Videoclips.
Dann gibt es Texte und Gebete, die während der Vorbereitungen
entstanden sind oder die aus Vorlagen zum Thema ausgesucht wurden.
Jemand schlägt ein Spiel vor, das unbedingt eingeplant werden
soll, ein anderer hat auf dem Kirchentag eine besondere Segensform
kennen gelernt.
Ein Projekt aus der gemeindlichen Jugendarbeit soll in diesem Rahmen
ausführlich vorgestellt werden (von den Mitwirkenden selbst).
Der Jugendvorstand möchte noch »seine« Kasse aufbessern.
Und eine Konfirmandengrup-pe stellt Ergebnisse eines Workshops vor.
Als ein besonderes organisatorisches Problem
wird oft die Band gesehen. Musik ist unbenommen sehr wichtig, schließlich
ist doch »Musikhören die Hauptfreizeitbeschäftigung«
(Milkereit, 2000). Aber man sollte die Live-Musik nicht vorrangig
als organisatorische Komponente sehen.
Wenn es eine Band in der Gemeinde gibt - oder einzelne Mitarbeiter
mit Verstärkung aus ihren außerkirchlichen Kapellen spontan
eine Combo bilden -, dann stellt sich die Frage nicht. Und wenn
keine Band greifbar ist, wird man auch einen sehr guten Jugendgottesdienst
ohne sie feiern können (vgl. beispielhaft »Mucke und
Meditation« in Kapitel 3).
Natürlich bläst die Band mehr als der einsame Anfänger
mit seiner Wandergitarre. Aber einstweilen bleibt es ein Traum,
überall Service-Bands zu haben, die mal eben auf Wunsch des
Vorbereitungskreises kommen und den Jugendgottesdienst soundmäßig
aufmischen.
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