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(Kapitel 2)
Das Jugendgottesdienstteam
Am Anfang war das Wort. Und das Wort war: »öde«.
Und gemeint war der Sonntagsgottesdienst.
Es sind die stöhnenden Konfirmanden, die bei der Frage »Wer
von euch war am Sonntag im Gottesdienst?« ihre Einschätzung
kund tun; die jugendlichen Mitarbeiter, die »endlich mal wieder
einen Jugendgottesdienst« haben wollen; die Gemeindepädagogin,
die zielgruppengerechte Formen für das Gespräch mit Gott
sucht; es ist der Pfarrer, der selbst am besten weiß, dass
er bei der Vorbereitung der letzten Predigt eher die Mitglieder
der Frauenhilfe und des Kirchenchores vor Augen hatte, als die jugendlichen
Kindergottesdienst-Mitarbeiter.
Es sind meist viele verschiedene Gruppen und Menschen, die den Jugendgottesdienst
fordern.
Wenn es an dieser Stelle dennoch nicht weiter
geht, ist der Grund schnell rhetorisch-fragend benannt: »Wer
soll das denn (auch noch) machen?« Dass es Gottesdienste geben
soll, die sich speziell an Jugendliche richten, ist unbestritten.
In der Regel sehen die Kirchen das auch explizit vor. Aber es ist
natürlich (zusätzliche) Arbeit.
Am besten wird der Jugendgottesdienst im Team
vorbereitet. Das klingt zunächst banal - aber ganz logisch
ist es keinesfalls. Denn der Predigtgottesdienst wird in aller Regel
ja auch von der Pfarrerin oder dem Pfarrer allein gestaltet - von
Lesungen oder einem Chor-Auftritt mal abgesehen - und natürlich
von guten Gegenbeispielen (vgl. z.B. Kraft, 1996: 124).
Den Jugendgottesdienst in einem Team vorzubereiten,
hat viele Vorteile: Gemeinsam ist man kreativer, Menschen mit unterschiedlichen
Erfahrungen und Kompetenzen können sich einbringen und Gestaltungselemente
anbieten: die eine kann Gitarre spielen, der andere Einladungsplakate
gestalten und wieder andere sind lyrisch begabt. Die schönsten
Ideen zur Gestaltung von Jugendgottesdiensten, die man beispielsweise
in Büchern findet, helfen ja nichts, wenn man sie selbst nicht
umsetzen kann.
Auch den permanenten Generationenwechsel in
der Jugendarbeit kann ein bunt besetztes Vorbereitungsteam gut auffangen:
neue Mitarbeiter können in die Aufgaben hineinwachsen und nach
und nach mehr Verantwortung übernehmen, die »alten Hasen«
können und sollen sich schrittweise immer mehr aus der Leitung
herausnehmen.
Und schließlich sollten wir die Spaßkomponente
nicht vergessen! Gerade junge Mitarbeiter können nicht immer
nur um der Sache willen motiviert werden. Seine Freizeit auf alten,
muffigen Kirchensofas zu verbringen und einen Jugendgottesdienst
zu planen, muss schon irgendwie Spaß machen. Rein aus Gefälligkeit,
weil man dem Pfarrer nicht »nein« sagen konnte oder
weil die kirchlich engagierten Eltern es wollen - das trägt
nicht lange.
Und schon an diesem Punkt zeigt sich, wie viel von der Zusammensetzung
des Vorbereitungskreises abhängt. Kommen da nur Jugendliche
zusammen, 14-, 15-, 16-Jährige, mit einem etwas älteren
Mitarbeiter vielleicht, ist das Vorbereitungsteam ein Stück
weit wie eine andere Jugendgruppe.
Gehören zur Gruppe auch Erwachsene, vielleicht die Religionslehrerin,
der Organist oder die eigenen Eltern, wird sich eine andere Stimmung
und ein anderes Gruppengefüge entwickeln. Altersgemischte Gruppen
verlangen vor allem von den Älteren Rücksichtnahme - und
ein Stück weit auch Zurücknahme.
Die Erwachsenen müssen darauf achten, die
Jugendlichen nicht zu den kleinen Helferlein zu machen - auch wenn
es meist unbewusst geschieht. Die Jugendlichen müssen mit ihrer
Kompetenz wahrgenommen werden und zur Geltung kommen. Sie sind die
Experten, wenn es um die gleichaltrigen oder nur unwesentlich jüngeren
Teilnehmer des Jugendgottesdienstes geht. Sie müssen sich nicht
verstellen, um die »Jugendsprache« zu treffen, müssen
sich nicht eigens anlesen, welche Musikgrup-pen und Fernsehsendungen
gerade angesagt sind. Und sie müssen sich nicht verbiegen,
um zu wissen, was Jugendliche wohl (theologisch) verstehen können:
sie verstehen es oder sie verstehen es eben nicht.
Wenn sich die jungen MitarbeiterInnen authentisch
einbringen sollen, brauchen sie dafür gewisse Freiräume.
Treffen sich also Erwachsene und Jugendliche gemeinsam, um einen
Jugendgottesdienst vorzubereiten, dann sollte es neben der gemeinsamen
Planung auch Arbeitsphasen in Kleingruppen geben, bei denen die
Jugendlichen alleine ihre Ideen spinnen können, wo auch Zeit
ist für Plauderei und all das, was eigentlich »off topic«
ist.
Aber: Es ist für einen Jugendgottesdienst
auch kein Muss, zunächst ein (junges) Vorbereitungsteam zu
haben. Soll zum Beispiel ein eigener Gottesdienst für Konfirmanden
angeboten werden, sind Pfarrer oder Pfarrerin, die auch den Konfirmandenunterricht
halten, recht dicht an ihrer Zielgruppe dran.
Das eigentliche Kunststück ist häufig auch gar nicht,
für die Jugendlichen den richtigen Ton zu treffen, lebensnahe
Geschichten zu erzählen und geeignete Lieder auszuwählen.
Das Wesentliche bei einem solchen Jugendgottesdienst ist, dass sich
die Vorbereitungen ganz auf diese jugendliche Zielgruppe beschränken
können.
Es sind weniger »Kompromisse« nötig, um Konfirmanden,
deren Eltern und Großeltern gleichermaßen zu erreichen,
wie dies beim regulären Sonntagsgottesdienst immer die Herausforderung
ist.
Gerne entstehen Jugendgottesdienste zunächst
für vorhandene, greifbare Gruppen - beispielsweise Jugendkreise.
Und bei manchen Gruppen wie den Konfirmanden ist es gar nicht erstrebenswert,
sie selbst in die Vorbereitungen großartig einzubinden. Denn
zunächst einmal haben diese Jugendlichen ja ein Anrecht darauf,
an einem Gottesdienst teilzunehmen, ohne dass dies gleich wieder
mit Vorbereitungsarbeit verbunden ist - und sie erwarten zu Recht,
dass jemand für sie diesen Gottesdienst vorbereitet (vgl. Barella,
2000). Umgekehrt betrachtet: Es sollte gerade von hauptamtlichen
Mitarbeitern nicht zur Bedingung gemacht werden, dass sich Jugendliche
an der Vorbereitung beteiligen, zumal, wenn es bisher keine oder
kaum Jugendgottesdienste gab, auf deren Erfahrungen aufgebaut werden
könnte.
Soll aber offen die Gemeindejugend angesprochen
werden, ist aus unserer Sicht sicherlich ein Jugendgottesdienstteam
ideal, das nur aus Jugendlichen (und jungen Erwachsenen) besteht.
Ideal allein auch schon deshalb, weil dies nur möglich ist,
wo Jugend bereits in der Kirche aktiv ist, wo es Gruppen und Mitarbeiter
gibt, Interesse an der Gemeinde und Gestaltungsfreiräume, die
solche Ideen reifen lassen.
Wenn es in diesem Team einen Jugendlichen mit der nötigen Erfahrung
gibt, der die Koordination übernehmen möchte, wird ihm
kein Pfarrer oder Pädagoge im Wege stehen, im Gegenteil: Die
Hauptamtlichen wissen um ihre vor allem initiierende, fördernde
und beratende Aufgabe sehr wohl und sollten kein Interesse daran
haben, sich in den Vordergrund zu drängen.
Wichtig ist vor allem eine persönliche
Beziehung unter den Mitarbeitern. Klassischerweise sind diese Beziehungen
in der Konfirmandenzeit gewachsen.
Wer dort als Mitarbeiter gut mit den Konfis zurecht kam - ohne sich
anzubiedern - der wird gute Chancen haben, diese Jugendlichen später
auch auf die Mitarbeit in einem Jugendgottesdienstteam anzusprechen.
Oder noch besser: das Interesse an der Vorbereitung
sollte aus den Erfahrungen mit Jugendgottesdiensten heraus in den
jüngeren Mitarbeitern selbst wachsen. Dann haben wir die beste
Grundlage für Gottesdienste, die wirklich anrühren, bewegen,
unter die Haut gehen.
Nehmen wir das Thema »Gewalt«. Eine
Gruppe ohne Atmosphäre des Vertrauens wird hier nicht über
die »Religionsbuchthemen« hinauskommen. Aber wie ist
das mit den eigenen Erfahrungen? Gewalt in der Familie, Gewalt,
die man selbst anderen - z.B. Geschwistern - angetan hat? Psychische
Gewalt, der Druck, den man spürt, die eigene Angst?
Hierüber im Vorbereitungsteam offen zu reden, muss noch nicht
bedeuten, mit der gleichen Offenheit später im Jugendgottesdienst
nach vorne zu treten. Aber eine solche Offenheit ermöglicht
ganz andere Sichtweisen, zeigt, ob ein Thema wirklich lebensnah
behandelt wird.
Offen reden zu können über eigene Erfahrungen, oder die
Erfahrungen des - anonymen - besten Freundes, gibt der Gruppe eine
ganz besondere Qualität. Und beweist - siehe oben - die Kompetenz
der jugendlichen Mitarbeiter.
Ein rein jugendliches Vorbereitungsteam bedeutet
nicht, dass die Mitarbeiter ihren Horizont nicht auch erweitern
wollen. Einzelne Fragen der thematischen Umsetzung, der theologischen
Aussagen, vielleicht auch der Gestaltung des Jugendgottesdienstes
sollten mit den jeweiligen Fachleuten der Gemeinde besprochen werden.
Diese müssen dafür aber nicht dauerhaft im Jugendgottesdienstteam
mitarbeiten - und darum werden sie in aller Regel auch dankbar sein.
Zumal je nach Situation ganz unterschiedliche Fachkompetenzen, Ideen
und Beratungen gefordert werden: Der Experte für Eine- bzw.
Dritte-Welt-Arbeit ist vermutlich nicht zugleich Experte für
Gruppenaktionen, für Hip-Hop und für Video-Schnitt.
Werden Mitarbeiter nur für einen einzigen
Jugendgot-tesdienst gesucht, mag die übliche offene Einladung
in der Gemeinde genügen: Der ein oder andere wird sich schon
finden, und zur Not erklären sich die bereit, die auch sonst
so vieles übernehmen.
Aber meist möchte man ja doch eher häufiger Jugendgottesdienste
anbieten, wenn vielleicht auch nicht gleich in einem ganz festgelegten
Rhythmus.
Dann wird es fast unumgänglich sein, zunächst
über persönliche Kontakte eine kleine Startmannschaft
zusammenzusuchen. In dieser Gruppe müssen nicht alle die besten
Freunde sein - manchmal ist das sogar hinderlich; aber man muss
sich verstehen, Lust haben, miteinander Zeit zu verbringen.
Naheliegend ist es daher auch, mit einer bestehenden Gruppe zu beginnen
und erst später zu einem eigenständigen Vorbereitungskreis
einzuladen.
Vielleicht wollen die Mitarbeiter vom Kindergottesdienst
mal einen Jugendgottesdienst für sich haben - und bereiten
ihn dann für alle vor. Oder eine bestehende Jugendgruppe kann
nach Erfahrungen mit eigenen Andachten oder Gottesdiensten in der
Gruppe motiviert werden. Oder der Jugend-Bläserkreis...
Dabei ist klar: Haben die potenziellen Mitarbeiter
selbst noch nie einen Jugendgottesdienst erlebt, dürfte es
schwierig sein, sie für die Vorbereitung eines solchen zu begeistern.
Umgekehrt aber werden manchmal erstaunliche Prägungen deutlich:
Da lassen sich Leute, die seit mehreren Jahren nicht mehr in der
Kirche waren, zur Vorbereitung eines Jugendgottesdienstes einladen,
weil sie damit noch aus ihrer Konfirmandenzeit ein gutes Gefühl
verbinden.
So unterschiedlich, wie die Zusammensetzung
der Vorbereitungsgruppe sein kann, so unterschiedlich wird auch
ihre Arbeitsweise sein. Wer stringent arbeiten kann und will, kommt
vielleicht mit vier Treffen aus:
a) Erstes Brainstorming, b) konkrete inhaltliche Planung, c) erarbeitete
Texte, Szenen etc. durchsprechen und d) ein Probedurchlauf.
Vielleicht bereitet aber auch ein Mitarbeiter das Ganze vor und
braucht eigentlich nur noch ein paar Liedvorschläge und fünf
Leute, die das Anspiel machen?
Bei einer unserer Vorbereitungsgruppen mit ausschließlich
14- bis 15-Jährigen hat sich gezeigt, dass ein wöchentliches
Treffen bei vier Jugendgottesdiensten im Jahr nicht zu viel ist.
Für das Output ebenfalls nicht unwesentlich
ist der Ort für die Vorbereitungen: ob man sich um die Tische
im Gemeindesaal versammelt, im Jugendraum lümmelt oder bei
einem Team-Mitglied zu Hause im Garten sitzt. Natürlich hängt
dies auch von der weiteren Infrastruktur ab: Gibt es im Gemeindehaus
einen Online-Rechner für Internet-Recherchen, inspirierende
Textbücher oder all die benötigten Bastelmaterialien?
Vieles gehört zu den Rahmenbedingungen
für ein erfolgreiches Vorbereitungsteam. Aber man sollte auch
- gerade am Anfang - nichts zu wichtig nehmen. Selbst wenn es am
Anfang noch kein eigenes Finanzbudget geben sollte, muss der Jugendgottesdienst
nicht ins Wasser fallen, soweit das Team kreativ genug ist.
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