termine












Arbeitshilfen >> Jugendgottesdienst 2.0 >> Buch online

(Kapitel 2)

Öffentlichkeitsarbeit für den Jugendgottesdienst

Öffentlichkeitsarbeit ist in der Kirche insgesamt sicherlich ein stark vernachlässigtes Thema. Veranstaltungs-Werbung im Zusammenhang mit einem Jugendgottesdienst sollte auch nicht überbewertet werden.
Natürlich braucht es öffentliche Ankündigungen: die Mitteilung an die örtliche Presse, den Aushang im Gemeindeschaukasten und in Geschäften, vor allem aber die Mundpropaganda oder anderes »One to One«-Marketing.
Ohne vorhandene Kontakte in die Gemeinde werden sich nur wenige Jugendliche unmittelbar durch Werbung zur Gottesdienst-Teilnahme bewegen lassen. So wie die langen Gottesdienstlisten in der Zeitung am Samstag auch nur noch dazu dienen, dem willigen Kirchgänger Zeit, Prediger und vielleicht Predigttext zu verraten.

In puncto Werbung ist das Team vor Ort am kreativsten. Da weiß man, was gelesen wird, wo Jugendliche angesprochen werden können, mit welchem Interesse grundsätzlich zu rechnen ist.
Und wie immer sind die persönlichen Kontakte beson-ders wichtig. Wird der Lokalredaktion in guter Absicht zwei Wochen vor Termin ein kleiner Ankündigungstext zugeschickt - möglichst in abdruckfähiger Sprachfas-sung, also nicht »wir laden ein«, sondern »Die evangelische Jugend .... lädt ein« - landet sie mit etwas Glück in der Terminmappe und kommt dann ein oder zwei Tage vorher wieder ans Tageslicht.

Denn es ist klar: Jeder Verein, jede Gruppe möchte ihre super-wichtigen Veranstaltungen breit und frühzeitig veröffentlicht wissen. Wenn man meint, die Leser interessiere das tatsächlich, ist ein Gespräch mit einem Zeitungsmitarbeiter sinnvoll. Dabei kann man auch gleich erfahren, wie die Redaktion solche Ankündigungen (künftig) am liebsten bekommt.

Am ehesten durch Werbung zu erreichen sind natürlich die (locker) Kirchenverbundenen. Wer Leute aus dem Team kennt, im Kigo mitmacht, bei Konfirmandenfreizeiten als Betreuer mitfährt, einen Jugendkreis besucht (hat), ist ein potenzieller Gottesdienstteilnehmer.

Viel interessanter als eine Terminankündigung ist aber die »Geschichte dahinter« oder »drum herum«. Und da sind wir beim viel wichtigeren und generelleren Thema Öffentlichkeitsarbeit oder Public Relations (PR).
Wie ist die Gruppe auf die Idee gekommen, einen Jugendgottesdienst ins Leben zu rufen, gerade zu diesem Thema oder an jenem Ort?
Ein kurzer Plausch im Lokalradio dazu, ein Interview im Gemeindebrief, vielleicht eine kleine Reportage in der Schülerzeitung. Dann geht es gar nicht mehr vorrangig um den einen Termin, den man da zu bewerben hoffte. Der ist nur noch der Aufhänger. Es geht um Beweg-gründe, um die Leute, die es machen, um Zukunftspläne, Erfahrungen aus der Vergangenheit, Hoffnungen etc. Auch wenn dadurch nicht ein einziger Jugendlicher zusätzlich kommen sollte:
Wesentlich ist, dass gerade auch Leute, die nicht zum Jugo kommen, etwas von ihm erfahren. Und wenn es nur das ist: Da gibt es ein paar Schulkameraden, die sich in der Kirche engagieren - und die sind doch eigentlich alle gut drauf.

Der Jugendgottesdienst steht ja nicht für sich allein in der Welt. Er ist eingebunden in die Gemeinde, er resultiert aus viel Arbeit, aus Diskussionen, Überlegungen - vielleicht trotz oder gerade wegen bestimmter Widerstände, Zweifel, Bedenken anderer.
Es geht nicht darum, sich zu produzieren, die frommen und guten Werke zur Schau zu stellen. Aber es geht darum, mit seinem eigenen gemeindlichen Angebot in den Dialog zu treten.

Dieser »Dialog« muss nicht so aussehen, dass direkt nach Erscheinen des Zeitungsberichts über den Vorbereitungskreis und seine unkonventionellen Arbeitsmethoden die Religionslehrerin anruft und das Team für ihren Schulgottesdienst einspannen möchte.

Aber vielleicht spricht sie mit Kollegen über den Artikel, der ein klitzekleines Stück ganz unbemerkt ihr Bild von der Gemeinde, von den Jugendlichen, vielleicht vom »Gottesdienst heute« beeinflusst hat. Nur wenn das Vorbereitungsteam entsprechend breit Öffentlichkeitsarbeit betreibt, ist ein Dialog möglich.

Unter diesem Gesichtspunkt ist dann vielleicht akzeptabel, dass eine ganze Großstadt mit vierfarbigen Plakaten für einen Jugendgottesdienst gepflastert wird (wo es Geldtöpfe für solche Aktionen gibt, passiert das tatsächlich).
Ansonsten entspricht es wohl kaum der »Verhältnismäßigkeit der Mittel«.



Dies ist ein Ausschnitt aus folgendem Buch:

Christoph Urban / Timo Rieg (Hrsg.)
Jugendgottesdienst 2.0
- Ein interaktives Handbuch. Methoden, Module, Komplettentwürfe zur Planung und Durchführung

Das Handbuch für Ehrenamtliche und ihre hauptamtlichen Begleiter, durchweg so erarbeitet, dass ältere Jugendliche selbstständig damit Jugendgottesdienste vorbereiten können.

Tipps und Vorbereitungsmethoden, Organisationshilfen, eigenes Kapitel Beteiligungsaktionen, über 50 komplette Gottesdienstmodule.

"Neue Vorbereitungskreise werden hier genauso brauchbare Ideen finden wie langjährige Mitarbeiter" (Radio Vatikan)

Kaufen bei 288 S., Paperback A5, 2. Aufl., 14.90 EUR
(ISBN 3-928781-02-2)


Jugendgottesdienst.com ist ein Projekt des Bochumer biblioviel Verlags
© biblioviel Verlag + Agentur für Presse, Buch und Neue Medien