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(Kapitel 4)
Erzählen
Im Kindergottesdienst wird wie selbstverständlich erzählt
- und das nicht zu knapp. Beim Jugendgottesdienst hingegen ereilt
einen leicht der Eindruck, das Erzählen werde allzu stiefmütterlich
behandelt. Wie kommt's? Mag es daran liegen, dass im Mittelpunkt
des Jugendgottesdienstes eher die so genannten Themen aus der Lebenswelt
Jugendlicher stehen, wohingegen der Kindergottesdienst (so wie der
Hauptgottesdienst) eine biblische Geschichte als Ausgangspunkt hat?
Oder eher daran, dass das Erzählen gerne in die Kategorie »Für
die Kleinen« gepackt wird?
In dem Zusammenhang ist es vielleicht ganz hilfreich
sich noch einmal vor Augen zu halten, dass die biblische Überlieferung
selbst eine erzählende Grundstruktur aufweist. Die meisten
Geschichten und Erzählungen - und damit der Stoff, der für
die Behandlung im Gottesdienst am ehesten in Betracht kommt - haben
mündliche Vorstufen, das heißt man hat sie sich zunächst
immer wieder erzählt und weiterentwickelt, manchmal über
Generationen hinweg, bis sie schließlich aufgeschrieben wurden.
Wir haben es also mit Texten zu tun, denen das Erzählen entspricht,
ja die ursprünglich zum Erzählen gedacht waren und auch
munter erzählt wurden.
Soll das für den Jugendgottesdienst fruchtbar gemacht werden,
dann sind die Rezepte sicher keine neuen und hinreichend aus dem
Kindergottesdienst und dem Kirchlichen Unterricht bekannt. Es gehört
nur etwas Mut dazu, das »Wagnis Erzählung« auf
sich zu nehmen. Dass Jugendliche oder Erwachsene weniger empfänglich
für fesselnde Erzählungen und spannende Geschichten sein
sollten, halten wir für ein Gerücht. Jeder spannende Kino-Schinken
bestätigt das.
Beim Erzählen geht es nicht darum, die
Geschichte möglichst bunt auszuschmücken. Auch nicht in
erster Linie darum, sie in eine bestimmte Sprache (z.B. einen vermeintlichen
»Jugendslang«) zu übertragen. Es geht darum, sie
möglichst »echt« rüber zu bringen. Ein guter
Erzähler nimmt seine Zuhörer mit in die Welt seiner Geschichte.
Dabei wird die Sprache ganz automatisch verständlich.
Erzählen muss unbedingt geübt werden.
Wenn die Mitarbeiter noch keine Erfahrung darin haben, sollten sie
auch »Trockenübungen« machen, innerhalb des Teams
Geschichten nacherzählen. Auch für die inhaltliche Auf-
bereitung eines Themas ist das Erzählen eine gute methodische
Hilfe: Durch die eigenen Schwerpunktsetzungen, die Wiedergabe in
eigenen Worten, die unvermeidlichen Ausschmückungen wird besonders
deutlich, wie jemand eine (biblische) Geschichte verstanden hat
und wie er sie interpretiert.
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