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(Kapitel 4)
Gebete und Fürbitten schreiben
Beten ist Reden mit Gott. Das sicherlich bekannteste Gebet ist das
Vaterunser, das auf Jesus zurück geht (Matthäus 6,9-13).
Gebetet wird übrigens in allen Religionen der Welt, man könnte
das Gebet als eine Urform der Gott-Mensch-Beziehung bezeichnen.
Vom Wort her wird schon deutlich, dass »beten« etwas
mit »bitten« zu tun hat. So ist auch ein Hauptaspekt
des Gebets die Bitte. Aber nicht nur die Bitte wird im Gebet zum
Ausdruck gebracht, sondern auch Dank, Lob und Erfurcht vor Gott.
In allen bekannten Gebetsformen tauchen diese Anliegen wieder auf:
im Tischgebet, im Gute-Nacht-Gebet, im Fürbittengebet.
Selbstformulierte Gebete machen nicht zuletzt
den Charme eines Jugendgottesdienstes aus. Unbestritten gibt es
auch eine Menge an guter Literatur zu diesem Thema, ganze Gebetsbücher.1)
Man muss also nicht immer alles selbst machen und kann sich in vielen
Fällen eine gute Inspiration geben lassen. Dennoch: eine persönliche
Note darf es schon sein. Das eigene Gebet hat den klaren Vorteil,
dass es hundertprozentig zum Thema des Jugendgottesdienstes passt.
Zu Allerweltsthemen wie »Bewahrung der Schöpfung«
wird sich sicher eine Menge finden lassen, bei außergewöhnlichen
Themen sieht es mit dem brauchbaren Material schon dürf-tiger
aus. Dazu kommen Sprache und Formulierungen - die werden nämlich
oft als antiquiert, fremd oder nicht jugendgemäß empfunden.
Das Problem ergibt sich gar nicht erst, wenn man es gleich selber
macht.
Im Vorbereitungskreis gibt es sicherlich jemanden, der oder die
gut schreiben kann und den Part »Gebete schreiben« übernehmen
könnte. Natürlich können auch alle zusammen ein Gebet
formulieren. Das ist eine spannende Sache, denn es fordert dazu
heraus, sich über die eigenen Ansichten und Glaubensüberzeugungen
klar zu werden, und kann Grundlage einer spannenden Diskussion werden.
Manchmal resultieren Gebete für den Gottesdienst auch aus den
freien Gebeten des Teams, wenn es denn seine Vorbereitungstreffen
selbst mit Gebeten und / oder einer kurzen Andacht beginnt.
Bei alledem ist vorausgesetzt, dass das nötige
Vertrauen, das es braucht, um über diese Dinge offen zu reden,
im Vorbereitungskreis vorhanden ist. Gebete zu schreiben ist etwas
sehr intimes, bei dem der Schreiber oder die Schreiberin immer auch
ein Stück der eigenen Persönlichkeit preisgibt, was unter
anderen Umständen viel-leicht niemand zu Gesicht bekommen würde.
Was darf in einem Gebet vorkommen und was muss
rein? Dazu gibt es kein Patentrezept und keine Vorschriften. Ihr
solltet einfach alles zum Inhalt eines Gebetes machen, wovon ihr
überzeugt seid, dass es vor Gott gehört. Darüber
kann der Vorbereitungskreis ja diskutieren. Oft stellt sich auch
die Frage, inwieweit ein Gebet für die Gottesdienstteilnehmer
formuliert werden kann. Konkret: Spricht man ein Gebet in der Ich-
oder in der Wir-Form? Auch das sollte der Vorbereitungskreis diskutieren.
Hinter dem »Wir« steht natürlich die Idee, dass
sich die Gemeinde / die Betenden gemeinsam vor Gott versammeln und
ihn anrufen. Unter diesem Gesichtspunkt ist das auch für den
Jugendgottesdienst völlig in Ordnung und wünschenswert,
wenn es passt. Weil sich aber Meinungen, Vorstellungen und Überzeugungen
nicht über einen Kamm scheren lassen, hat das »Wir«
natürlich auch seine Nachteile. Das »Ich« des Beters
oder der Beterin drückt Persönlichkeit aus. Da gibt jemand
etwas von sich preis, was erst mal nur für ihn oder sie gelten
muss. Zudem ist es ein Ausdruck von Individualität und Freiheit.
Ich kann entscheiden, ob das Gesagte auch für mich gilt (und
das wird mir nicht einfach unterstellt) und kann bei Bedarf in das
Gebet mit einstimmen.
Fürbitten
In einem Fürbittengebet / einer Fürbitte wenden sich die
Beter mit ihren Sorgen und Anliegen an Gott und bitten - so die
klassische Form - für Kirche, Welt und Mitmenschen. Die Fürbitte
ist also, wie der Name schon sagt, nicht in erster Linie ein Gebet
für einen selbst, sondern für andere. Christen machen
sich in der Fürbitte ihre gesellschaftliche Verantwortung immer
wieder bewusst. Paulus sagte: »So ermahne ich nun, dass man
vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung
für alle Menschen, für die Könige und für alle
Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können
in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit« (1. Timotheus 2,1f.).
Im Folgenden sollen kurz einige Merkmale einer Fürbit-te beschrieben
werden. Ein übliches Muster stellt sich so dar: Die Fürbitte
beginnt mit der Anrede Gottes (»Guter Gott«, »Lieber
Vater im Himmel«, »Herr« etc.). Darauf folgt eine
Problemanzeige. In ein oder zwei Sätzen wird gesagt, worum
es geht oder was im Argen liegt (»Täglich hören
wir in den Nachrichten von Kriegen, Verbrechen und anderen schlimmen
Dingen«). Dann schließt sich die eigentliche Bitte an
(»Mache du uns, Gott, zu Werkzeugen deines Friedens, damit...«).
Oft schließt eine Fürbitte mit einem gemeinsamen Gebetsruf,
den alle sprechen oder singen (»Herr, erbarme dich«).
Ein weiteres Grundmuster: Das Fürbittengebet
fängt mit einem einleitenden Satz an (»Höchster,
du bist unsere Zuversicht. Wir rufen zu dir und bitten: Herr, erbarme
dich«). Es folgen wiederum einzelne Bitten (»Wir bitten
dich für... die Menschen in unserer Stadt / für die Wis-senschaftler,
dass sie...«). Darauf könnte wiederum mit »Herr,
erbarme dich« oder einem anderen Gebetsruf geantwortet werden.
Nun ist das Fürbittengebet im klassischen Sinne auch durch
die Anordnung und den Inhalt der einzelnen Bit-ten geprägt.
Eine herkömmliche Form ist, dass zuerst für die Kirche
und um das Kommen des Reiches Gottes gebetet wird. Danach für
das Reich der Welt, nämlich den Staat und die Menschen, die
in einer besonderen Verantwortung stehen. Es schließen sich
Bitten für notleidende Menschen und gegen das Elend an. Zuletzt
kann für die eigene Ortsgemeinde gebetet werden.
Dieses Raster muss nicht zwangsläufig beibehalten
werden. Vielmehr noch empfiehlt es sich gerade für den Jugendgottesdienst,
davon abzuweichen und mit den Elementen zu spielen. Das macht auch
insbesondere Sinn, weil die Fürbitte geradezu zum Selbermachen
einlädt. Der Vorbereitungskreis könnte vereinbaren, dass
jeder für den Gottesdienst eine Fürbitte beisteuert mit
einem Aspekt aus der Vorbereitung, der ihr oder ihm besonders wichtig
war. Spätestens hier ist eine komplizierte inhaltliche Vorgabe
auch nicht mehr praktikabel. Die Struktur der einzelnen Bitten sollte
sich schon gleichen, denn das vermittelt den Eindruck, dass sie
Bausteine eines Ganzen sind. Zudem bietet ein Abweichen von den
klassischen Inhalten einer Fürbitte noch einen weiteren großen
Vorteil. Nämlich, dass man sie maßgeschneidert auf den
Jugendgottesdienst abstimmen kann.
Weitere Variationen sind denkbar. Beispielsweise könn-te ein
Teil der einzelnen Bittstrophen (klassischerweise die Problemanzeige)
aus Zeitungsmeldungen bestehen. Die würden dann im Gottesdienst
vorgelesen, ein Antwortruf würde folgen. Der muss freilich
auch kein »Herr, erbarme dich« sein. So könnte
zum Beispiel ein Liedrefrain oder ein Taizé-Gesang stattdessen
gesungen werden.
Die Fürbitte ist auch ein guter Ort, die
anwesende Gemeinde zu beteiligen. Das kann in Form des »freien
Gebets« geschehen, bei dem jeder, der möchte, spontan
selbst eine Bitte formuliert, oder die Fürbitten werden zuvor
aufgeschrieben und anschließend von Mitarbeitern verlesen;
dann resultieren die Fürbitten häufig aus einer vorangegangenen
»Aktions-Phase« (Kapitel 5). Zunehmend werden auch außerhalb
der Gottesdienste Bitten gesammelt - bevorzugt via Internet - und
dann in einem Gottesdienst vor Gott gebracht.
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