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(Kapitel 4)
Mini-Bibelkunde
Die Bibel ist mehr als nur ein Buch - sie ist eine ganze Bibliothek!
Ganze 66 Bücher (73 mit den so genannten Apokryphen) und Schriften
enthält sie, 39 im Alten und 27 im Neuen Testament, den beiden
Teilen der Bibel. Das Alte Testament (oder die Hebräische Bibel),
das Christen und Juden gemeinsam als Heilige Schrift haben, ist
in einem Zeitraum von über 1000 Jahren entstanden. Zum größten
Teil ist es auf hebräisch abgefasst, einige Stücke sind
aramäisch. Die ältesten davon haben satte 3000 Jahre auf
dem Buckel.
Das Alte Testament beginnt mit der so genannten Urgeschichte, darunter
die Geschichte von Adam und Eva, die Sintflut und der Turmbau zu
Babel. Im Wesentlichen erzählt die Hebräische Bibel die
Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel. Angefangen mit den Erzvätern
Abraham, Isaak und Jakob, über den Auszug aus Ägypten,
bei dem Mose von Gott die Zehn Gebote in Empfang nimmt, bis hin
zu vielen Geschichten aus der Zeit der Könige Israels, allen
voran David und Salomo.
Aber nicht nur aus dieser glücklichen Zeit
berichtet das AT, sondern auch aus einer der schwärzesten Stunden
des Volkes. Als nämlich der babylonische König Nebukadnezar
587 v. Chr. das Südreich Juda (der letzte Rest vom ehemaligen
Königtum Davids, der das Nordreich Israel und das Südreich
Juda gut 400 Jahre zuvor zu einem »Großreich«
geeint hatte) erobert und den Tempel in Jerusalem zerstört,
wird das Volk gefangen genommen und ins Exil nach Babel gebracht.
Für die Geschichtsschreibung ist das dennoch eine der eifrigsten
Zeiten. Später kehrt das Volk heim und baut einen neuen Tempel.
Jetzt wird man vielleicht irritiert sein, wenn man die Bibel aufschlägt
und einen lückenlosen Text vom Beginn der Welt bis zur Rückkehr
aus dem Exil erwartet- wie in der Kinderbibel. Dem ist nicht so:
Ein großer Teil der Bibel sind beispielsweise Gesetzestexte,
oft detailgenaue Ausführungsbestimmungen für alle Bereiche
des menschlichen Lebens. Das nimmt deshalb einen so breiten Raum
ein, weil das Volk Israel sein Gesetz (im Gegensatz zu unserem Grundgesetz)
direkt von Gott am Sinai bekommen hat.
Weiter finden sich darin viele Reden und Weissagungen von Propheten.
Das sind achtsame Zeitgenossen, die an entscheidenden Wendepunkten
der Geschichte des Volkes Israel immer wieder aufgetaucht sind und
von Gott beauftragt wurden, seinen Willen zu verkünden. So
zum Beispiel Jesaja, der zu einem Zeitpunkt auftritt, als das Nordreich
von der Weltmacht Assyrien zerstört wird (722/721 v. Chr.)
und das Südreich Juda, in dem er wohl gelebt hat, massiv bedroht
ist. Seine Botschaft: Legt Euch nicht mit denen an, sondern vertraut
auf Gott. Einen weiteren großen Teil machen Psalmen (Lob-
und Klagelieder) und weisheitliche Schriften aus, wie die so genannten
Sprüche Salomos.
Das ist die Bibel, die Heilige Schrift auch
von Jesus von Nazareth, von dem das Neue Testament berichtet. Jesus
hat als Jude (und vielleicht sogar Rabbi) die Schrift gut gekannt,
hat sie nach seinem Verständnis gelebt und ausgelegt. (Dass
er mit seiner Schriftauslegung bei einigen Gruppen des zeitgenössischen
Judentums stark angeeckt ist - wie übrigens viele andere auch-,
das wird berichtet. Dennoch müssen sich die Christen, die ja
oft genug dazu neigen, die Bedeutung des ersten Teils der Bibel
allzu sehr nachzuordnen, das Bewusstsein wach halten, dass das so
genannte Alte Testament die Grundkategorie für das Denken auch
ihres Heilands ist und der Schlüssel zu seinem Verständnis.)
Das Neue Testament wurde auf Griechisch verfasst, der Sprache, die
zur Zeit Jesu die gebildeteren Juden sprachen. Das Volk redete,
wie wohl auch Jesus selbst, aramäisch. Bestandteile des NT
sind die vier Evangelien mit Erzählungen über Jesu Wirken,
Tod und Auferstehung, die Apostelgeschichte, ein Bericht über
die ersten christlichen Gemeinden, die Paulusbriefe - Paulus war
der erste Heidenmissionar - und die Apokalypse des Johannes. In
der Mitte des ersten Jahrhunderts müssen die ältesten
Zeugnisse, die uns überliefert sind, verfasst worden sein.
Der erste Thessalonicherbrief des Paulus wird gemeinhin um das Jahr
50 datiert. Nimmt man den Tod Jesu für das Jahr 30 an, so liegen
immerhin zwanzig Jahre dazwischen. Die wichtigste und älteste
Botschaft der ersten Christen ist die Osterbotschaft: »Der
Herr ist auferstanden!« Bald schon bekennen sie den Auferstandenen
als den Christus (Messias) und Sohn Gottes. Das Leben und Wirken
Jesu wird wohl erst ein paar Jahre später verschriftlicht,
allerdings - das ist anzunehmen - aus einer breiten mündlichen
Tradition. Den Anfang macht der Evangelist Markus wahrscheinlich
kurz nach dem Jahr 70. Matthäus und Lukas folgen mit einem
zeitlichen Abstand von zehn, vielleicht 20 Jahren. Das Johannesevangelium
wird von den meisten Forschern in die Zeit um die Jahrhundertwende
eingeordnet. Zwischen den ersten drei Evangelien Markus, Matthäus
und Lukas (auch die synoptischen Evangelien) gibt es eine verzwickte
Wechselbeziehung, die zu erklären den Rahmen sprengen würde.
Als Stichwort zum Nachschlagen oder Nachfragen sei die so genannte
Zwei-Quellen-Theorie erwähnt. Johannes steht ein wenig abseits.
Natürlich hatten die Verfasser der Evangelien
ihre jeweiligen Kontexte. Das heißt, sie waren von bestimmten
Gegebenheiten in ihrer Gemeinde (denn dafür wurden die Evangelien
geschrieben und nicht aus wissenschaftlichem Interesse) geprägt
und ihnen waren bestimmte Punkte besonders wichtig. Um das am Beispiel
von Matthäus und Lukas einmal anzudeuten: Matthäus ist
derjenige, der sich am leidenschaftlichsten damit auseinandersetzt,
dass ein großer Teil der Juden Jesus als den Messias ablehnte.
Man nimmt deshalb an, dass seine Gemeinde aus Juden bestand, die
sich zu Jesus als dem Christus bekannten (Judenchristen), und dass
die Gemeinde auf »jüdischem Gebiet« lag. Bei Lukas
treten diese Tendenzen am wenigsten hervor. Man nimmt deshalb an,
dass er in einer Gemeinde zu Hause war, die aus bekehrten Heiden
bestand. Er mus-ste also die Abgrenzung gar nicht so scharf formulieren
wie Matthäus.
Um das Jahr 200 hatte sich der Kanon, das heißt die Zusammenstellung
der Schriften des Neuen Testaments, weitgehend gefestigt, aber es
sollte noch bis ins 4. Jahrhundert dauern, bis er von der Kirche
so festgeschrieben wurde.
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