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(Kapitel 4)
Szenische Darstellungen erarbeiten
Ein Klassiker in den Darstellungsformen des Jugendgottesdienstes
ist das »Anspiel«, eine kurze Schauspielszene, die auf
das Thema oder einen einzelnen Aspekt hinweisen soll. Diese Anspiele
wirken oft wenig authentisch. Wohl überwiegend deshalb, weil
die Szenen nicht wirklich aus dem Leben, sondern oft eher aus der
Klischee-Kiste stammen.
Jede szenische Darstellung lebt von Idee, »Textbuch«
und »Dramaturgie«. Die Idee muss in irgendeiner Form
originell sein. Wenn ich schon zu Beginn der Szene (»Vater
kommt nach Hause, legt die Füße auf den Tisch und glotzt
Fern«) weiß, wie sie enden wird (“Zoff mit Mut-ti”),
ist sie überflüssig.
Die Form darf, wie in Kapitel 6 beschrieben, ruhig klischeehaft
sein - der Inhalt sollte das nicht sein. Die Dialoge müssen
echt wirken. Warum klingen »Jugendcliquen« im Anspiel
immer so furchtbar holprig - ob nun mit coolen oder altklugen Sprüchen?
Gerne werden »Alltagsszenen« konstruiert:
die Rempelei auf dem Schulhof, die arme alte Frau, die nicht über
die Straße kommt... Das mag man sich nur gewinnbringend ansehen,
wenn eine neue Variante erzählt wird, ein unerwarteter Bruch
oder Perspektivwechsel, ein Clou. Problematisch ist es auch, wenn
Rollen dargestellt werden sollen, die man selbst nicht oder nur
aus einem sehr eingeschränkten Blickwinkel kennt.
Zunächst muss es einen Grund für die szenische Darstellung
geben. Vielleicht soll sie zunächst nur der Vorbereitungsgruppe
helfen, sich besser in eine Geschichte einzufinden. Oder sie soll
eine Lesung ersetzen. Oder einen Sachverhalt aus dem biblischen
Geschichtskontext ins Heute übertragen.
Gut eignen sich gespielte Geschichten für
kuriose Begebenheiten, die in einem vorgelesenen Text nur merkwürdig
klingen: Noah baut seine Arche und ein Jugendlicher auf Inlinern
fragt ihn, was das werden soll. Überhaupt ist es möglich,
aus einer bestehenden Geschichte ein Anspiel zu entfalten. Da können
dann neue erfundene Figuren hinzutreten, ein Erzähler kann
eingebaut werden, der in die jeweilige Situation einführt und
das, was meistens nur erzählend dargeboten wird, kann in Dialogen
anschaulich ausgeschmückt werden.
In jedem Fall sollten die Szenen (der »Plot«)
möglichst spontan im Vorbereitungskreis entwickelt werden und
erst dann - z.B. anhand von Videoaufnahmen - als Manuskript festgehalten
werden. Ohne Übung werden Dialoge und Handlungen, die direkt
am Rechner entstanden sind, kaum überzeugen können. Wer
es sich zutraut, kann auch auf einen formulierten Text verzichten
und nur anhand von Stichwörtern eine dadurch besonders echte
Unterhaltung in den Gottesdienst einbringen.
Für szenische Darstellungen ist auch wichtig
zu überlegen, wie die Besucher optisch möglichst schnell
erfas-sen können, um was es geht. Lange einleitende Erklärungen
(»Wir befinden uns hier auf einem Fußballfeld in ...«)
sind nicht der Knaller: Ob durch Requisiten, Kostüme, ggf.
auch »Beschriftungen« der Schauspieler wie in vielen
Karikaturen - Akteure und Handlungsort sollten, soweit sie wichtig
sind, erkennbar sein.
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