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(Kapitel 5)

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Klagemauer
Die Klagemauer ist das letzte Überbleibsel des im Jahr 70 nach Christus von den Römern zerstörten Jerusalemer Tempels. Ursprünglich war sie seine Westmauer. Bis heute ist die Klagemauer für Juden, aber auch für Gläubige anderer Religionen, ein Ort geblieben, an dem sie Gott ganz nahe sein können und zu ihm beten. Kleine, handgeschriebene Zettel werden in die Ritzen des 2000 Jahre alten Gemäuers gesteckt mit Klagen, Fürbitten und Hoffnungen. Darum nennt man die Klagemauer auch den »Briefkasten Gottes«.

Die Gottesdienstbesucher schreiben ihre Bitten an Gott auf einen Zettel und stecken ihn gefaltet in die Ritzen einer Mauer, die im Gottesdienstraum aufgebaut wurde.

Zeit: 10 Minuten
Gruppengröße: beliebig
Aufwand Vorbereitung: groß

Ziel der Klagemauer ist es, die Wünsche, Klagen und Hoffnungen symbolisch an Gott weiterzuleiten. Die Gottesdienstbesucher sollen spüren, dass ihr Geschriebenes deshalb wertvoll und wichtig ist, weil sie sich an Gott richten.

Mindestens zehn Steine wird man schon brauchen, um wenigstens auf einem Tischchen oder einem Sockel eine Mauer anzudeuten. Aus Sicherheitsgründen sollte die Mauer nicht höher als etwa 1,50 m sein. Die Art der Steine ist dabei egal, nur gleiche sollten es sein. Die großen Mauersteine wären freilich prädestiniert, wenn es aber »nur« Klinker sind: sei es drum. Vielleicht gibt es aber auch irgendwo in der Nähe eine echte, fugenreiche Mauer, die sich für die Aktion eignet.

Ansonsten muss die Mauer im Gottesdienstraum aufgestellt werden. Dabei ist natürlich darauf zu achten, dass sie fest steht und dass sie an einer Stelle steht, wo sich niemand eingeladen fühlt, ihre Standfestigkeit zu prüfen. Für das Prinzip, wie man eine Mauer richtig baut, sei nur noch einmal an die guten alten Lego-Zeiten erinnert: immer die Steine so setzen, dass jeweils ein Stein mittig über zwei Steinen liegt.

Den Gottesdienstteilnehmern wird jeweils ein Zettel und ein Stift ausgeteilt und sie sollen im Folgenden ihre Bitte darauf notieren. Dann falten sie den Zettel zusammen und gehen zu der errichteten Mauer. Dort stecken sie den Zettel in eine Mauerritze. Im Anschluss daran könnte noch ein gemeinsames Gebet folgen oder ein Moment der Stille.

Wenn gar nirgendwo Mauersteine aufzutreiben sind, kann man zur Not Schuhkartons nehmen. Die werden dann wie eine Mauer angepinselt. Allerdings muss man so ein wenig vorsichtiger mit der Mauer umgehen, weil die “Steine” natürlich nicht so schwer sind.

Die Anonymität bleibt gewahrt. Es kann nicht jeder gleich lesen, worum ein anderer oder eine andere Gott bittet. Dennoch werden die Ergebnisse gesichert und damit der Gottesdienst oder eine Aktion vorher »rund« gemacht, obwohl die Klagemauer nicht wirklich zur Präsentation dient.

Dass man sich im Schulunterricht oft etwas aus den Fingern saugen muss, ist bekannt - aber dass man das jetzt vor Gott auch noch soll... Im Ernst: Es fällt einem natürlich nicht immer etwas ein, was man auf dem Herzen hat.


Wäscheleine
Durch den Raum wird eine Wäscheleine gespannt. Da-ran können Exponate aller Art befestigt werden.

Zeit: 5 Minuten
Gruppengröße: beliebig
Aufwand Vorbereitung: gering

Wenn etwas im Gottesdienst hergestellt wird - etwa Bilder gemalt werden - ist es oft schade, wenn diese Dinge nachher nicht mehr zur Geltung kommen. Mit der denkbar einfachen Methode der Wäscheleine soll dem Abhilfe geschaffen werden.

Eine stabile Leine (Paketband bis Gartenleine) von einer Länge, die es zu überbrücken gilt - klar. Dazu so viele Wäscheklammern, wie es braucht, die gefertigten Bilder etc. aufzuhängen.

In manchen Fällen erfordern es die Räumlichkeiten, dass die Leine zuvor gespannt wird. Dabei ist freilich darauf zu achten, dass sie nicht im Weg hängt und auch niemanden zu dummem Zeug animiert. Wo das unerheblich ist, sollte die Leine ruhig erst im Gottesdienst gespannt werden.

Durch den Gottesdienstraum wird an geeigneter Stelle eine Leine gespannt. Die gefertigten Gegenstände der Gottesdienstbesucher, seien es Bilder, beschriebene Kärtchen oder Ähnliches, werden nun mit Wäscheklammern an der Leine befestigt.

Es könnte eine Phase folgen, in der die Teilnehmer einmal an der Leine entlanggehen könnten und sich die Stücke anschauen. Das kann aber auch nach dem Got-tesdienst geschehen, eben so wie es passt.
Nichtsdestotrotz können die gefertigten Sachen natürlich mit nach Hause genommen werden.

Das, was im Gottesdienst produziert wurde, wird allen noch einmal gesammelt vor Augen geführt.

Vielleicht passt es jemandem gar nicht, dass sein Stück allen gezeigt werden soll. Auch hier gilt: vorher fragen.

Ans Kreuz geschlagen
Das Kreuz ist ein sehr facettenreiches Symbol mit unterschiedlichen und breiten Bedeutungs- und Deutungsebenen. So steht es nicht zuletzt für zu Unrecht erfahrenes Leid - so wie ein Mahnmal. Freilich wird es - theologisch gesprochen - im Licht der Auferweckung erträglicher. Also dadurch, dass Gott die Sache richtig gestellt und den gekreuzigten Christus von den Toten auferweckt hat. Das ändert erstmal nicht viel, denn das Leid bleibt, und das Kreuz bleibt Symbol für das Schändlichste, was Menschen einander antun können. Aber es nährt die Hoffnung, dass der Tod eben nicht alles, nicht das Letzte sein soll.

Beschriebene Kärtchen werden auf ein Holzkreuz genagelt.

Zeit: 10 Minuten
Gruppengröße: beliebig
Aufwand Vorbereitung: mittel

Die beschriebenen Zettel oder Kartei- bzw. Moderationskärtchen sollen symbolisch mit dem Leiden Christi in Verbindung gebracht werden.

Holz, seien es Balken oder Bretter, und einige lange Nägel werden benötigt, um ein Kreuz zu zimmern. Im Gottesdienst werden Hammer, viele kleine Nägel und ein Verbandkasten gebraucht. Dazu die Moderationskärtchen und je einen Stift pro Gottesdienstbesucher.

Das Kreuz muss zunächst einmal hergestellt werden. Dabei sollte auch daran gedacht werden, wie es letztlich präsentiert werden soll. Liegt es auf dem Boden, oder soll es aufgerichtet werden? Braucht man dazu eine zusätzliche Haltevorrichtung?

Die Inhalte der Kärtchen sollten sich aus dem Jugendgottesdienst ergeben. Sie könnten schon vorbereitet oder zusammen mit den Gottesdienstteilnehmern entwickelt werden. Auch wenn hier nicht inhaltlich vorgegriffen werden soll: das Ganze sollte im weitesten Sinne schon etwas mit dem Thema Leiden zu tun haben (siehe Beispiel). Die Zettel werden dann zum Kreuz gebracht. Ein oder zwei Leute nageln die Karten an. Danach kann Gelegenheit gegeben werden, sich alles zusammen einmal anzuschauen.

Ein unerfreuliches Thema steht im Mittelpunkt des Jugendgottesdienstes: der Krieg. Ans Kreuz werden Personen und Dinge gebracht, die unter den Kriegen auf der Welt leiden müssen: Kindersoldaten, die an der Waffe »verheizt« werden, Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen und Misshandlungen werden, die ächzende Schöpfung - verstrahlt und verseucht.

Die Light-Version für Arbeitsscheue: Ein Kreuz wird aus Tonpapier gebastelt und könnte auf einer Stellwand angebracht werden. Die Kärtchen werden dann mit Pins oder Reißzwecken befestigt.

Man hat symbolisch etwas ausgedrückt, was mit Worten nur schwierig zu sagen ist. Das Leiden Jesu hat etwas mit dem Unrecht zu tun, was in der Welt passiert.
Man kann sich leicht in den Verdacht bringen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Nicht jedes Unrecht dieser Welt lässt sich mit dem Kreuz Jesu in einen Zusammenhang bringen. Manche meinen sogar, man dürfe an dieser Stelle gar keine Vergleiche ziehen. Also aufgepasst! Zudem mag die ganze Aktion manchen ziemlich makaber vorkommen.

Und sonst?
Um besonders kniffelige Präsentationen kann es nicht gehen - zumindest nicht im Jugendgottesdienst selbst. Da ist jede Form gut, wie man etwas schön anbringen oder aufstellen kann. Ganz klassisch ist es, die Sachen auf Stellwände zu pinnen. Es muss übrigens auch nicht immer auf Dauer sein.

Die Fortsetzung einer »Ausstellung« ist immer denkbar, auch, wenn die Teilnehmer von Jugo zu Jugo wechseln. Gerade bei regelmäßigen Jugendgottesdiensten können Präsentationen aus dem vorangegangenen ihren festen Platz haben. Im Idealfalle haben sich Jugendliche, die zwar nicht zum Vorbereitungsteam gehören, die aber in der Gemeinde mehr oder weniger präsent sind, spontan Lust, Ergebnisse des einen für den nächsten Jugendgottesdienst aufzubereiten und dort vorzustellen.

Als Raum für die Präsentation muss nicht nur der Gottesdienstraum in Betracht gezogen werden. So könnte ein schönes Plakat in den Schaukasten der Gemeinde. Üppigere Kunstwerke könnten im Jugendraum oder dem Gemeindezentrum aufgehängt oder ausgestellt werden. Für viele Sachen eignet sich auch das Internet. Dort können zum Bespiel Fotos von einem Kunstwerk veröffentlicht werden, das nun über die Dauer des Jugendgottesdienstes Bestand hat (siehe »Freie Auswahl«). Im Gegensatz zu realen Fotos an der Stellwand wäre das die kostengünstigere und weniger aufwendige Lösung. Geschriebene Texte (wenn sie zur Veröffentlichung bestimmt waren) können ebenfalls ins Web eingestellt werden.




Dies ist ein Ausschnitt aus folgendem Buch:

Christoph Urban / Timo Rieg (Hrsg.)
Jugendgottesdienst 2.0
- Ein interaktives Handbuch. Methoden, Module, Komplettentwürfe zur Planung und Durchführung

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