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(Kapitel 5)

Meinungsbildung

Eckenantwort

Die Ecken des Gottesdienstraumes stehen jeweils für eine bestimmte Antwort. Indem die Teilnehmer in die eine oder andere Ecke gehen, signalisieren sie ihre Meinung.

Zeit: 2 Minuten
Gruppengröße: ab 10
Aufwand Vorbereitung: gering

Ein Meinungsbild soll rasch herbeigeführt und optisch sichtbar gemacht werden.
Wenn man die Ecken mit den entsprechenden Antworten, Aussagen und Positionen kennzeichnen will, bietet es sich an, dafür Schilder zu basteln. An Materialien wären dann Plakatkarton und kräftige Stifte vonnöten.

Die Schilder für die einzelnen Ecken sollten groß genug sein, um sie auch von weitem lesen zu können. Wenn die Aussagen erst lesbar sein sollen, wenn der entsprechende Teil des Gottesdienstes erreicht ist, sollte man Aufhängungen konstruieren, die es ermöglichen, die Schilder umzudrehen - oder man hängt sie vorher mit einem Tuch ab.
Die denkbaren Antworten zu einer Frage bzw. Statements zu einem Thema sollte die Vorbereitungsgruppe an Freunden und Bekannten testen. Wenn es nicht nur ein »Ja« und ein »Nein« gibt, sollte eine Ecke auch die Möglichkeit einräumen, sich keiner der angebotenen Meinungen anzuschließen.

Eine Frage steht im Raum. Vielleicht schließt sie sich an etwas an, das vorher im Gottesdienst behandelt wurde - vielleicht wird die Frage aber auch als Einstieg in den Jugendgottesdienst gestellt. Nun sollen die Gottesdienstteilnehmer ihre Meinung dazu äußern. Wer für die Antwort X ist, geht in die linke Ecke, wer der Meinung Y ist, nimmt die rechte Ecke etc. Die Besucher sollen sich jetzt einer Meinung zuordnen und sich in die entsprechende Ecke begeben. Während die Gottesdienstteilnehmer noch in ihren Ecken stehen, moderiert jemand die Situation kurz:

»Ich sehe, in der linken Ecke sind so und so viele Leute, in der rechten ebenfalls. Das nimmt sich nicht viel. Die große Mehrheit von euch steht in der Ecke dort vorne. Ihr seid also überwiegend der Meinung, dass...«

Danach könnten Interviews folgen, in denen die Teilnehmer befragt werden, warum sie sich in die eine und nicht die andere Ecke gestellt haben. Gegebenenfalls sollte also an ein Mikrofon gedacht werden.
Gottesdienst zum Stichwort »Gewalt«. Die Frage: »Welche der Aussagen trifft dein Verständnis von Gewalt am ehesten?«

Die Ecken-Antworten:
»Gewalt ist niemals legitim.«
»Die ganze Bibel handelt von Gewalt, so sind die Menschen eben.«
»Der Zweck heiligt die Mittel - z.B. den ‘Tyrannen-Mord’.«
»Wer Gewalt sät, wird Gewalt ernten - sonst könnte ja jeder mit uns alles machen.«
»Gewalt muss kontrolliert sein - z.B. als Staatsgewalt.«

Wird eine eindeutige Abstimmung erzielt, kann das Ergebnis später publik gemacht werden. Plant die Vorbereitungsgruppe ein bestimmtes Ergebnis (Beispielsweise: »Wir sind für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe«), muss sie sich aber auch überlegen, wie sie mit den »Gegenstimmen« umgeht.

Die Abstimmung lässt sich auch konkret auf das Gottesdienstgeschehen beziehen. Nach einer kleinen Spielszene: »Wer von den Beteiligten handelt deiner Ansicht nach am vorbildlichsten?« Oder auch am Ende: »Wie hat dir der Jugendgottesdienst gefallen?«

Jeder und jede muss sich über seinen / ihren Standpunkt - im wahrsten Sinne des Wortes - klar werden. Das ist ein guter erster Schritt, um sich eine Meinung über ein Thema zu bilden. Zudem sieht er oder sie ja auch direkt, welcher Meinung die anderen sind und bekommt dadurch Anstöße zu fragen, was sie bewogen haben könnte, sich so zu entscheiden, wie sie es es getan haben.

Die meisten Dinge sind viel schwieriger und komplizierter, als dass man sie zur Zufriedenheit aller in drei oder vier Kategorien fassen könnte. Ein vielschichtiges bzw. ausgewogenes und differenziertes Ergebnis lässt sich mit der Methode jedenfalls nicht erzeugen. Außerdem fördern solche Aktionen »Opinion-Leader« und verleiten, sich einem Gruppenzwang zu unterwerfen - man geht dahin, wo die meisten oder wenigstens die »wichtigen« Leute hingehen.

Standpunkte
In der Mitte des Raumes liegt ein runder Plakatkarton mit einer bestimmten Aussage versehen: der Standpunkt. Durch räumliche Nähe oder Distanz dazu machen die Gottesdienstteilnehmer ihre Meinung ken-ntlich.

Zeit: 2 Minuten
Gruppengröße: ab 10
Aufwand Vorbereitung: gering

Jeder einzelne Besucher, jede Besucherin soll die eigene Meinung darstellen können - unkommentiert und ohne dass jemand die Ansicht gleich wegputzen könnte. Durch die Standpunkte der anderen Gottesdienstbesucher entsteht so im wahrsten Sinne des Wortes ein »Meinungsbild«.

Karton für den »Standpunkt«, eventuell weiteres Material zur Veranschaulichung.

Der zur Beurteilung stehende »Standpunkt« wird auf ein Boden-Plakat geschrieben, am besten so, dass er von allen Seiten gelesen werden kann. Dabei hilft es auch, das Wort »Standpunkt« zu visualisieren, z.B. durch einen großen Kreis. Sonst kann etwas anderes gefunden werden, das für den Standpunkt steht. Ein rundes Sitzkissen oder Tablett würde sich auch eignen.

An einer Stelle des Gottesdienstraumes, um die herum noch möglichst viel Platz zu allen Seiten hin ist, liegt der Standpunkt. Er steht freilich nur symbolisch für eine Aussage. Jemand vom Gottesdienstteam sagt die entsprechende Aussage an und fordert die Besucher auf, dazu Stellung zu beziehen. Je nachdem, ob die Teilnehmer dem Standpunkt zustimmen können oder ihn ablehnen, stellen sie sich nah an ihn heran oder distanzieren sich. Wer der Aussage nur bedingt zustimmen kann, würde folglich in einem mittleren Abstand zum Punkt stehen.
Die Teilnehmer erhalten dann kurz Gelegenheit, sich das Meinungsbild einmal anzuschauen. Jemand aus dem Vorbereitungsteam könnte das moderieren, das heißt darauf aufmerksam machen, wie viele Leute dem Standpunkt augenscheinlich voll zustimmen können und wie viele sich eher distanzieren.

Nach Bedarf können dann noch Interviews durchgeführt werden, um zu erfahren, was der Hintergrund ist, warum sich jemand hier- oder dorthin gestellt hat: »Ich sehe, du hast dich nicht klar von der Aussage distanziert, wolltest dich aber auch nicht so nahe ran trauen. Konntest Du dich nicht entscheiden?«

Der Standpunkt lautet: »Ich bin stolz auf mein Land.«

Bei Gelingen der Methode wird schön deutlich, dass Meinungen vielschichtig und facettenreich sind und dass auch die eigene Meinung Teil eines Meinungsspektrums ist.

Die Methode fordert schon ein wenig dazu heraus, sich entweder in die letzte Ecke zu verkriechen oder geradezu den Punkt zu okkupieren. Man kann so herrlich die Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe auf sich ziehen.

Gesprächskreise
Die Gottesdienstteilnehmer setzen sich in Kleingruppen zusammen und haben Gelegenheit, sich über das Thema zu unterhalten.

Zeit: 5 bis 10 Minuten
Gruppengröße: beliebig
Aufwand Vorbereitung: keiner

Ein Gottesdienst ruft Eindrücke und Reaktionen hervor. Nur sind die zumeist nicht Teil des eigentlichen Gottesdienstes, sondern werden mit nach Hause genommen oder dem Freund / der Freundin erzählt. Die Gesprächskreise sollen Gelegenheit geben, diese Eindrücke im Gottesdienst loszuwerden und sich mit anderen - vielleicht ja noch unbekannten - Leuten über das Thema zu unterhalten und es so zu vertiefen.

Es sollte gewährleistet werden, dass die Kleingruppen die Möglichkeit haben, sich über den Raum zu verteilen. Das heißt, es kann nicht nur der Platz für die Gruppen vorgesehen sein, an dem ohnehin alle sitzen. In dem Zusammenhang ist auch an Sitzkissen, Decken, Kirchentagshocker usw. zu denken.

Die Gesprächskreise sind ein klassisches Element gegen Ende des Gottesdienstes. Wir schlagen sogar vor, sie als offene Phase direkt nach dem eigentlichen Gottesdienst einzusetzen bzw. den Gottesdienst so ausklingen zu lassen. Wer dann nämlich genug hat oder erst gar nicht reden will, kann einfach gehen.

Die Gottesdienstbesucher bilden selbstständig kleine Gruppen zu vielleicht fünf Menschen und setzen sich zusammen. Dann können sie sich über den Gottesdienst unterhalten, sagen was gut war und was schlecht. Den Gottesdienst mit einer solchen Aktion ausklingen zu lassen, bedeutet etwas anderes, als etwa die Teilnehmer im Anschluss noch in den Jugendraum einzuladen. Denn im Gottesdienstraum bleiben die Teilnehmer auch gedanklich noch beim Gottesdienst.

Wenn es etwas umsonst gibt, bleiben die Leute länger bei der Stange. Andersrum: Man muss den Gottesdienstteilnehmern einen positiven Reiz geben, noch weiter zu bleiben und nicht gleich zu gehen. Das könnte beispielsweise ein Teller mit Keksen für jede Gruppe sein. Zudem kann für die gute Atmosphäre Musik im Hintergrund laufen.

Mit bekannten oder unbekannten Leuten über ein interessantes Thema zu reden, ist ja schon ein Wert an sich. Zudem ist natürlich positiv hervorzuheben, was oben bei den Zielen angedeutet wurde: Die Eindrücke und Anstöße, die jeder und jede aus dem Gottesdienst mitgenommen hat, kommen direkt dort noch einmal vor.

Natürlich wird nicht jeder scharf darauf sein, sich auch noch in Kleingruppen unterhalten zu müssen, zumal das ganze Procedere (wie locker auch immer) durchaus an Kleingruppenarbeit aus der Schule erinnern mag - das ist ein Knackpunkt.


Stellungnahme
Auf einem großen Plakat oder einer Wandzeitung stehen Thesen zu einem bestimmten Thema. Die Gottesdienstbesucher sollen mit Klebepunkten markieren, ob die These zutrifft oder nicht.

Zeit: 5 Minuten
Gruppengröße: beliebig
Aufwand Vorbereitung: groß

Die Aktion soll helfen, schnell ein Meinungsbild oder eine Stimmung aufzuzeichnen, so dass es jeder gleich vor Augen hat.

Es wird entweder ein Plakatkarton oder ein Flipchart benötigt. Dazu Klebepunkte, die man im Schreibwarenhandel kaufen kann.

Der Vorbereitungskreis muss sich die Thesen zum Thema ausdenken (siehe Beispiel). Das ist je nach Thema nicht immer so leicht. Folgendes wäre zu beachten: Es sollten nicht zu wenige sein, damit der Besucher eine möglichst große Wahl hat und das Ergebnis am Ende auch aussagekräftig ist. So um die zehn wären gut.

Zudem sollte in den Thesen keine Wertung enthalten sein und es sollten auch nicht zwei unabhängige Aussagen miteinander verknüpft werden. Wenn sie dann erstellt sind, müssen die Aussagen oder Thesen noch auf das Plakat übertragen werden. Dazu eignet sich am besten eine zweispaltige Tabelle. In der linken Spalte könnten dann die Thesen stehen, die rechte wäre frei für die Klebepunkte.

Klebepunkte machen schon etwas her - gar keine Frage. Wenn ihr aber dennoch mangels Zeit oder Geld keine besorgen konntet, ist das nicht schlimm. Dann malen Gottedienstteilnehmerinnen und - teilnehmer mit dem Stift Punkte oder Kreuze.

Der Plakatkarton oder das Flipchart wird den Besuchern vorgestellt, die Ausgangsfragestellung wird vorgelesen und danach die einzelnen Thesen. Die Besucher bekommen alsdann die jeweils drei (natürlich kann man da variieren) Klebepunkte ausgeteilt und erhalten Gelegenheit, die Punkte zu den Aussagen zu pappen, die sie auch so treffen könnten. Ob sie dabei alle drei Punkte bei einer These verwenden oder ob sie diese aufteilen, um Zustimmung zu verschiedenen Thesen zu bekunden, bleibt den Besuchern überlassen. Wenn die Punkte recht ordentlich nebeneinander geklebt werden, lässt sich schon so etwas wie ein Balkendiagramm erahnen.
Im Anschluss daran wäre es gut, wenn jemand aus dem Vorbereitungsteam das Plakat auswerten könnte und erklärte, wofür sich die meisten entschieden haben, was gar nicht gefragt war und was sonst noch so auffällt.

Das Beispiel ist einem Konfirmandengottesdienst entnommen. Im Mittelpunkt dabei stand die Frage »Warum soll man sich eigentlich konfirmieren lassen«. Unter anderem waren auf dem Plakat als mögliche Antworten zu sehen: »Weil ich später einmal kirchlich heiraten möchte«, »Weil meine Eltern es so wollten«, »Des Geldes wegen«, »Weil alle aus meiner Klasse zum Konfi gehen«, »Weil ich mehr über den Glauben und die Kirche lernen möchte«.

Besonders sinnvoll wird eine solche Aktion, wenn aus dem Ergebnis etwas folgt. Wenn sich zum Beispiel die Jugendvertretung der Gemeinde für eindeutig gewordene Positionen stark zu machen verspricht oder wenn die (politischen) Thesen dem Kirchenvorstand oder Politikern übergeben werden. Möglicherweise bietet sich auch eine Verknüpfung zum Religionsunterricht an.

Die Stellungnahmen gehen recht fix. Das Ergebnis ist gut fassbar und dürfte die Gottsdienstteilnehmerinnnen und -teilnehmer interessieren. Denn es ist die aktuelle Umfrage zum Thema und sie haben mitgestimmt.

Einer These nicht zuzustimmen muss nicht bedeuten, völlig anderer Ansicht zu sein. Vielleicht ist es nur eine Formulierung, die geändert werden müsste, um mehr Zustimmung zu erfahren. Die Beschränkung auf eine bestimmte Zahl von abzugebenden Stimmen (Klebepunkten) benachteiligt »Minderheitspositionen«, denen vielleicht niemand widersprechen wollte, die aber nur von wenigen für so bedeutsam gehalten werden, dass sie einen Punkt erhalten.

Durch das Nacheinander der Stimmabgabe wird der Gruppendruck gestärkt: man schließt sich dann schnell der augenscheinlichen Mehrheitsmeinung an. So bekommen manchmal selbst kuriose Thesen viele Punkte.

Kreisschreiber
In der Kleingruppe wird ein Blatt im Kreis herumgegeben. Die Gottesdienstbesucher sollen nun ihre Meinung darauf schreiben. Dabei gehen sie immer auf das ein, was der Vordermann geschrieben hat.
Zeit: 5 Minuten
Gruppengröße: Kleingruppen bis 10
Aufwand Vorbereitung: gering

Zunächst sollen die Besucher sich über ein bestimmtes Thema austauschen und sich eine Meinung dazu bilden. Weiter ist es Ziel der Methode, dass die Teilnehmer dabei auf das hören, was jemand anderes zum Besten gegeben hat und ggf. etwas dazu ergänzen können oder begründet widersprechen und die »Diskussion« durch ihren Beitrag so auch in eine andere Richtung lenken können.

Ein Karton oder (mindestens) A-2-Blatt Papier pro Kleingruppe und Stifte.

Das Vorbereitungsteam muss sich eine Ausgangsfragestellung ausdenken, die der Kleingruppe als Impuls dienen könnte.

Die Gottesdienstbesucher teilen sich in Gruppen bis zu etwa zehn Leuten ein und bekommen ein Blatt pro Gruppe und ausreichend Stifte. Entweder hat sich aus dem, was vorher im Gottesdienst war, schon eine Fragestellung ergeben oder jemand aus dem Vorbereitungskreis gibt jetzt einen Impuls (Beispiel) an die Kleingrup-pen. Alle fangen nun zusammen an und notieren ihre Statements auf dem Blatt. Nach einer Zeit (vielleicht eine Minute) wird das Blatt um eine Position weiter gedreht und die Teilnehmer müssen nun jeweils auf das eingehen, was der- oder diejenige vor ihnen geschrieben hat - und immer so weiter, bis die Aktion abgebrochen wird.

Es kommt sehr viel darauf an, die Meinung des Vorgängers oder der Vorgängerin zu hören. In der Konfrontation damit kann sich die eigene Ansicht ausbilden.

Es ist sehr schwierig, irgendwelche Ergebnisse im Got-tesdienst wieder aufzunehmen. Die Exponate werden sich in den meisten Fällen auch nur bedingt dazu eignen, sie aufzuhängen. Will man die Diskussionen nämlich noch einmal nachvollziehen, kann das schwierig werden, denn die Reihenfolge der Statements ist nur schwer zu rekonstruieren.

Stille Diskussion
Auf einem großen Plakat steht in der Mitte eine Frage. Eine Gruppe von bis zu fünf Leuten sitzt drumherum und soll über die Frage debattieren. Dabei ist es ihnen nur gestattet, sich durch Malen und Schreiben zu äußern.

Zeit: 10 Minuten
Gruppengröße: Kleingruppen bis 5
Aufwand Vorbereitung: gering

Ziel ist Austausch und Meinungsbildung über ein bestimmtes Thema. Dabei soll jeder Gehör finden und ausreden (ausschreiben) können, zudem soll trainiert werden, auf die Argumente des anderen einzugehen und sich mit dem eigenen Statement daran anzuschließen.

Pro Gruppe ein Plakatkarton und mindestens so viele Stifte wie Gottesdienstteilnehmer. Wachsmalstifte oder Kreiden eignen sich besonders zum Schreiben. Der Schreibgrund sollte ziemlich groß sein - man soll schließlich problemlos drum herum sitzen können.

Es macht Sinn, wenn jeweils in der Mitte der Plakate das Thema oder die Ausgangs-Fragestellung steht. Die Kartons müssten also entsprechend bemalt werden. Eventuell bietet es sich an, die Malflächen vor dem Gottesdienst mit Krepp-Klebeband auf dem Boden zu befestigen. In diesem Falle kann man gut und billig die Rück-seiten von Tapetenrollen benutzen und daraus ein Quadrat oder jede andere beliebige Form herstellen.

Die Besucher finden sich in Kleingruppen zu je drei bis fünf Personen zusammen und bekommen pro Gruppe einen großen Plakatkarton und einen Stift pro Person. Anhand der Ausgangs-Frage, die schon in der Mitte des Kartons steht, können sie nun daran gehen, eine »Diskussion« zu entwickeln.

Dazu gehört auch, dass sich erst einspielen muss, ob eine Gruppe eher spontane Ideen als Schlagwörter zum Thema sammelt (Stichwort Brainstorming). Oder ob sich eine schriftliche Debatte entwickelt, in der die Gruppenteilnehmer aufeinander antworten und neue Fragen aufwerfen.
Gleiches gilt für die Form. Werden die Teilnehmer ihre Statements jeweils in vollständigen Sätzen oder thesenartig präsentieren? Oder werden sie mit Skizzen, Pfeilen und Symbolen arbeiten? - Das alles sollte offen gelassen werden, die Ergebnisse werden dementsprechend unterschiedlich sein.

Als zentrale Frage steht »Was macht für dich einen echten Freund / eine echte Freundin aus?« auf dem Blatt. Das sollen die Besucher nun mit ihren Skizzen und Bildern ausgestalten und diskutieren. So oder so ähnlich könnte das aussehen: A malt an den Rand des Kartons zwei Strichmännchen (Strichweiblein).
Beide stehen dicht beieinander. Um es deutlich zu machen, schreibt A noch »Ist immer für mich da« auf das Plakat. B malt einer der beiden Figuren noch zwei große Ohren und will augenscheinlich damit ausdrücken, dass eine Freundin oder ein Freund gut zuhören können muss.

Bei gutem Wetter kann die Aktion auch auf der Straße oder dem Kirchplatz mit bunter Kreide durchgeführt werden.

Ungleich einer herkömmlichen Debatte kann bei der Stillen Diskussion niemand überhört werden. Jeder kommt zu Wort (obwohl er gar nicht spricht) und kann seine Gedanken frei äußern, ohne schnell »abgewürgt« zu werden. Die anderen können Bezug darauf nehmen oder sie ergänzen. Jeder Teilnehmer der Runde kann sich zudem entscheiden, wie oft oder intensiv er sich äußern will. Außerdem ist durch die Form jeder Einzelne gezwungen, seine Meinung kurz und strukturiert abzuliefern.

Es ist nicht so leicht, sich an die Regeln zu halten. Zumal es nicht jedem gelingt, etwas in Bildern, Formen oder Schlagwörtern darzustellen, so dass es auch für die anderen verständlich wird.
Macht das der Gruppe sehr starke Schwierigkeiten, scheitert die Methode leicht.
Wer sich nicht so präzise ausdrücken und / oder auch nicht so gut und verständlich schreiben kann, fällt zudem individuell auf. Es ist schwer möglich, jemandem unter die Arme zu greifen.
In einem Gespräch kann das, was jemand gesagt hat, noch einmal auf den Punkt gebracht werden, wenn er es nicht so präzise gesagt, dennoch aber das Richtige gemeint hat. Dagegen ist das bei der Stillen Diskussion schwerlich möglich und die Diskussionsteilnehmer und -teilnehmerinnen sind zwangsläufig auf sich allein gestellt.

Und sonst?
Wenn Themen besonders vertieft werden sollen, bieten sich zwar viele Gestaltungsmöglichkeiten an, die meisten sprengen jedoch den Rahmen eines Gottesdienstes. Sie sind daher eher gesondert zu planen - was auf Freizeiten, in festen Gruppen oder auch im Rahmen von Projekttagen, wo der Jugendgottesdienst jeweils nur ein Element neben anderen darstellt, gut möglich ist. So ist an das »Planspiel« zu denken, bei dem Kleinstgruppen bestimmte Rollen übernehmen und miteinander brieflich kommunizieren mit dem Ziel, ein gestelltes Ausgangsproblem zu lösen.

Die Meinungsbildung muss auch nicht im Gottesdienst abgeschlossen sein. Es könnte Elemente geben, die darüber hinaus gehen. Beispiel Fremdenfeindlichkeit. Dazu lässt sich schnell viel christlich-soziales im Jugendgottesdienst sagen und machen.

Aber wie sieht es tatsächlich aus mit der Verständigung, mit der Wahrnehmung von Problemen, mit Konsequenzen? Die Gottesdienstbesucher könnten aufgefordert werden, anhand eines vorbereiteten Rasters eine Woche lang ein Mini-Tagebuch zu führen, in dem sie als Ausländer ihre Begegnungen mit Deutschen und als Deutsche ihre Begegnungen mit Ausländern notieren: Gibt es da überhaupt Kontakte? Gibt es Ängste? Unangenehme Situationen? Anmachen, dumme Sprüche, Vorurteile und Urteile?
Gerade für die Meinungsbildung ist an die gesamte Bandbreite verfügbarer Medien zu denken. Warum nicht aus dem Gottesdienst heraus »wichtige Leute« anrufen und sie befragen - weshalb sie als Politiker z.B. so oder so gerade handeln?
Eine Gemeinschaftsaktion wird es, wenn alle gemeinsam während des Gottesdienstes das Thema bearbeiten und Fragen bzw. eigene Statements sammeln - auch wenn dann nur eine(r) - für alle hörbar - telefoniert.

Auch Radiosender mit offenen Talk-Sendungen oder Spaß-Programmen, die Anrufer zulassen, können vom Jugendgottesdienst aus angesprochen werden. Oder wir packen die alte Sofortbildkamera aus und knipsen die Gottesdienstbesucher zusammen mit ihrem Plakat-Slogan: »Politik - finde ich...«. Abgeordnete, Ministeriumsmitarbeiter oder Bürgermeister bekommen zwar viel Post - aber nur wenig originelle.

Keine große Aktion, aber immer mal wieder wirkungsvoll: die geheime Abstimmung - wie bei Wahlen: »Wie seht ihr das mit der wartenden wahren Liebe?« Kommentar auf einen Zettel und ab in den Stimmkasten. Oder noch einfacher mit »Ja« und »Nein« antworten, also auf die Frage »Sex vor der Ehe findet Gott doof.« Unter dem Gesichtspunkt der Meinungsbildung sollten solche Abstimmungen wie in den Pro und Contra-Sendungen am Anfang und am Ende der Veranstaltung abgefragt werden - hat sich etwas verändert, eine neue Meinung gebildet? Das ist sicherlich nicht nur für das Team spannend.

Gut lassen sich auch Aktionen aus den Arbeitsmethoden der Vorbereitungsgruppe ableiten. Hatte man da nicht am Anfang heftig gestritten, was die Bibel zum Thema »Strafe muss sein« sagt? Eine Konkordanz - ein Index zu allen wichtigen Stichworten der biblischen Bücher - half, die Stellen zu finden. Die relevanten Texte werden für Diskussions-Kleingruppen kopiert mit der Aufgabe, eine Rezension zur gesamten Bibel in diesem Punkt zu verfassen. Wie bewertet man nun die unterschiedlichen Aussagen, was erwähnt man, was lässt man weg?
Meinungsbildung in eigener Sache ist die Umfrage zum Gottesdienst selbst: meist anhand eines Fragebogens mit Bewertungsskalen zu den einzelnen Thesen (»Die Musik war super!« Skala von »Trifft voll zu« bis »Sehe ich ganz anders«.)




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