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(Kapitel 6)
Weitere Gottesdienstmodule: Eröffnung
und Einstieg ins Thema
Ein Jugendgottesdienst ist ein Zusammenspiel von vielen verschiedenen
Modulen. Sie stehen im Mittelpunkt dieses Kapitels. Dabei geht es
weniger um konkrete Rezepte zum Nachmachen (auch wenn beispielsweise
Abschnitte wie »Anspiele und Szenen« recht detaillierte
Hilfen enthalten), sondern vielmehr um Zugänge zu den einzelnen
Gottesdienstmodulen. Sie sollen hier vorgestellt und beschrieben
werden. Zudem finden sich einzelne Punkte zu übergreifenden
Themen, die nicht an der einen oder anderen Stelle im Gottesdienst
zu verorten sind. Das gilt insbesondere für Themen wie »Medien
im Jugendgottesdienst« oder »Symbole«.
Eröffnung und Einstieg ins Thema
Zuerst die Begrüßung mit ein paar Worten zum Thema, dann
das erste Lied - so sieht der Einstieg oft aus. Wie bei so vielen
Dingen ist der erste Eindruck auch im Jugendgottesdienst immens
wichtig: Ein gutes Opening, eine knackige Einführung ist viel
wert, denn der Jugendgottesdienst lebt in gewisser Weise auch von
einer guten »Dramaturgie«. (Trotzdem sollte der Einstieg
nicht allzu viel Zeit kosten, sonst wäre es kein Einstieg.
So fünf bis zehn Minuten sind o.k.)
Zwar spricht nichts dagegen, wenn sich der Vorbereitungskreis
bewusst und aus guten Gründen für die Variante »Begrüßung
- Lied« entscheidet (oder für eine Begrüßung
mit dem Wochenspruch), Alternativen dazu sollten aber in der Vorbereitung
bedacht werden.
Die folgenden Einstiegsmöglichkeiten verstehen
sich als solche Alternativen. Damit ist nicht gemeint, dass ein
»Herzlich Willkommen« entfallen soll, sondern es soll
zunächst in medias res gehen, also mitten ins Geschehen hinein.
Die Begrüßung kommt dann an geeigneter Stelle danach.
Anspiele und Szenen
Es hat sich nämlich als extrem schwierig herausgestellt, ein
Anspiel einfach aus der Luft zu greifen. Zu viele Dinge müssen
geklärt werden, zu viele Ideen unter einen Hut gebracht, wenn
es so gar keine Vorgabe gibt - vor allem, wenn die Zeit auch noch
knapp ist. (Falls es allerdings jemanden im Vorbereitungskreis gibt,
der ein Talent dafür hat, »kleine Theaterstücke«
zu schreiben und vielleicht auch Anregungen der anderen mit aufnehmen
könnte - na dann wunderbar.)
Die vorgegebenen Rahmen sollen es erleichtern,
gemeinsam im Jugo-Team oder einer Kleingruppe ein Anspiel zu kreieren.
Sie erfordern alle ein wenig Mut und schauspielerisches Geschick,
sind aber auch nicht allzu aufwendig und können gut realisiert
werden.
Zudem macht die Vorbereitung und das Entwickeln der Module sicher
einigen Spaß. Es eignet sich allerdings nicht jeder Rahmen
für jedes x-beliebige Thema.
Wir haben den Punkt einmal dem Einstieg zugeordnet.
Das muss aber nicht so sein. Ein Anspiel könnte genauso gut
an einer anderen Stelle des Gottesdienstes vorkommen oder es könnten
sich mehrere kleine Szenen durch die Veranstaltung ziehen.
Talk Show / Podiumsdiskussion
Über die nachmittäglichen Talk-Shows muss nichts mehr
gesagt werden - die kennt jeder. Zu einem beliebigen Thema könnten
Leute aus dem Vorbereitungskreis eine Talk-Runde für den Gottesdienst
nachstellen.
Im Altarraum / auf der Bühne steht eine Stuhlreihe. Dann kommt
jeweils ein Gast hinein und sagt sein Statement auf (»Cola-Dosen
gehören für mich in die Papiertonne!«) und setzt
sich. Der Moderator stellt Fragen, dann kommt der nächste Gast.
Gut wäre es dabei, wenn die Vorbereitenden
nicht versuchen würden, »ihren Text« aufzusagen,
sondern den jeweiligen Charakter zu spielen und ein wenig zu improvisieren.
Das entbindet auf der anderen Seite ja auch davon, sich mühselig
vorzubereiten. Der Moderator oder die Moderatorin hat eh auf Kärtchen
stehen, - die werden ja auch in der Fernsehshow benutzt - was gefragt
und auch geantwortet werden soll.
Er oder sie kann, wenn jemand nicht weiter weiß, denjenigen
in die richtige Richtung lenken, ohne dass es einer merkt (»Sagen
sie, sind sie nicht auch der Meinung, dass...«).
Die Podiumsdiskussion ist so etwas wie eine
gemäßigte Talk-Show. Politiker oder Forscher machen das
oft. Dabei sitzen auch wieder alle aufgereiht nebeneinander, nur
hinter Tischen, auf denen vielleicht ein Glas Wasser steht. Gestritten
oder geprügelt wird sich nicht.
Auch bei der Podiumsdiskussion gibt es eine
Moderatorin; die sitzt meistens in der Mitte. Vor sich haben die
Leute Namensschilder. Jeder Teilnehmer der Podiumsdiskussion sagt
seinen Beitrag und darauf wird jemand anderes von Moderatorin /
Moderator ins Spiel gebracht.
Tagesschau / Nachrichtensendung
Das Thema des Jugendgottesdienste oder ein Aspekt daraus wird in
einer Nachrichtensendung verpackt. Dabei sitzt jemand an einem Tisch
und liest einen Text vor. Er oder sie sollte dabei versuchen, den
Tonfall, Gesichtsausdruck und diese vorbildliche Körperhaltung
der Nachrichtensprecher zu imitieren.
Als weitere Requisite wäre ein Papprahmen
gut, der einen Fernseher andeutet - was leicht gebastelt ist. Das
Schwierigste ist sicher, die Texte so zu schreiben, dass sie sich
auch in etwa nachrichtlich anhören.
Jericho: Der Mann aus Nazareth gibt weiter Rätsel
auf. Wie die Nachrichtenagenturen Matthäus, Markus und Lukas
übereinstimmend berichten, habe der Rabbi Jesus am gestrigen
Montag einen Blinden wieder sehend gemacht.
Durch lautes Schreien soll der Mann am Wegesrand
auf sich aufmerksam gemacht haben, als Jesus von Nazareth in einer
großen Menschentraube an ihm vorbeizog. Ohrenzeugen wollen
vernommen haben, wie der Blinde »Jesus, du Sohn Davids, erbarme
dich meiner!« gerufen habe.
Dem Vernehmen nach habe der Rabbi daraufhin
den Mann zu sich rufen lassen, um sein Anliegen zu erfahren. Als
dieser beteuerte, er wolle wieder sehen, habe Jesus ihm - so berichten
es Markus und Lukas - die Worte »Geh hin, dein Glaube hat
dir geholfen« zugeredet. Der Blinde sei daraufhin sofort wieder
sehend geworden.
Die Agentur Matthäus will erfahren haben,
dass noch ein zweiter Blinder von Jesus geheilt worden sei. Zudem
sei die Heilung in beiden Fällen nicht durch Worte sondern
durch das Berühren der Augen vonstatten gegangen.1)
An die eigentliche Nachricht oder Meldung können
sich weitere Berichte anschließen. Zum Beispiel die Live-Schaltung
zum Vor-Ort-Reporter. Anschließend wäre ein Kommentar
aus dem Sendestudio denkbar.
Besuch bei...
Im Prinzip handelt es sich hierbei um ein Interview. Jemand schlüpft
in die Rolle eines Reporters und besucht eine berühmte Persönlichkeit.
Die Person hat natürlich maßgeblich etwas mit dem Jugendgottesdienst
zu tun. Sie ist eine biblische Gestalt, jemand aus der Kirchengeschichte,
eine berühmte politische oder gesellschaftliche Persönlichkeit
oder der Autor einer biblischen Geschichte.
Der Reporter macht das Interview mit der Person
in einer vertrauten und charakteristischen Umgebung. Den Reformator
Martin Luther könnte man in seiner Turmstube interviewen. Sicher
wäre das Zimmer voll von Büchern (zumindest könnte
man das andeuten), irgendwo stünde ein Schreibpult mit einem
Tintenfass.
In dem Interview müsste dann natürlich alles zur Sprache
kommen, was zur Einleitung gesagt werden sollte.
Reporter: Herr Luther, wie war denn das, als
Sie damals ihre berühmten Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg
genagelt haben?
Luther: Nun ja, da muss ich einmal genau überlegen.
Das ist schon ziemlich lange her, wissen Sie. Es war der 31. Oktober
im Jahr des Herrn 1517. Es war ein herrlicher Morgen, die Sonne
strahlte, die Vögel zwitscherten, als ich ...
Reporter: Herr Luther, wenn Sie sich mit Hinblick auf un-sere Zuschauer
ein wenig kürzer..?
Luther: Nun gut. Alles war ursprünglich
als eine gepflegte Diskussion unter Fachleuten gedacht. Was mir
stank, war das kirchliche Ablasswesen, also dass man sich für
Geld von seinen Sünden freikaufen könne...
Szenarien / Grundsituation
Es gibt Situationen, die kennt jeder und von denen weiß man,
dass sie so oder so ähnlich immer wieder und überall vorkommen.
Der berühmte Feierabend-Konflikt beispielsweise: »Den
ganzen Tag stehe ich in der Küche...« - tausend mal in
Film und Fernsehen verfolgt, mal komisch, mal tragisch und vielleicht
auch schon selbst erlebt.
Solche Grundsituationen eignen sich hervorragend für ein kleines
Anspiel, weil sie entweder wirklich jeder andauernd so erlebt oder
weil sie sich eingeprägt haben und stellvertretend für
etwas anderes stehen (in diesem Fall für männliches und
weibliches Rollenverhalten beziehungsweise Rollenkonflikte). Die
Szene dürfte schnell gefunden sein. Einfach mal richtig klischeehaft
nachdenken.
Dabei ist es nicht wichtig, wie nahe man mit
der Szene der Wahrheit kommt. Hier geht es darum, Merkmale ruhig
deutlich überspitzt rüberzubringen und in gewis-ser Weise
auch eine Vorlage für den Gottesdienst zu geben, in dem dann
nämlich gefragt werden kann: Ist das wirklich so, wie am Anfang
beschrieben? Muss man nicht auch dies oder jenes sehen? Wie könnte
die Situation denn aussehen, wenn..?
Allgemein eignen sich meistens Konflikte, um
sie so darzustellen. Zum Beispiel der Stress mit den Eltern oder
den Geschwistern, ungerecht behandelt zu werden vom Lehrer oder
Interessenskonflikte bei Freundschaften.
Marktschreier
Für Themen, bei denen es um Standpunkte und deutliche Alternativen
geht, eignen sich die Marktschreier. Anstatt Wurst oder Bananen
preisen die jeweiligen Leute aus dem Vorbereitungskreis ihre Meinung
oder ihren Standpunkt als Ware an.
Dabei geht es eben nicht darum, ins Gespräch zu kommen, sondern
zuerst einzelne Ansichten so stark wie möglich zu machen und
sie gegeneinander zuzuspitzen. Prinzipiell soll schon die Idee der
Marktschreier »Wer am lautesten brüllt, bekommt Gehör«,
beibehalten werden.
Es bietet sich allerdings an - in den meisten
Kirchenräumen schon wegen der Akustik - wenigstens am Anfang
recht diszipliniert nacheinander zu schreien.
Liturgischer Einstieg
Auch für den Vorbereitungskreis sicher reizvoll wäre,
ein eigenes Eingangsritual zu entwickeln und es zu etablieren. Dabei
sind der gestalterischen Phantasie keine Grenzen gesetzt - außer
vielleicht der Rahmen, der durch die Bezeichnung als »Ritual«
vorgegeben sein könnte: ein solcher Einstieg würde von
seinem deutlichen Wiedererkennungswert leben.
Denkbar wäre beispielsweise eine Entfaltung der bekannten Eingangsworte
»Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters,
und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Amen.« Hier ist
wieder das Stichwort Dramaturgie zu nennen:
Es ist stockdunkel im Altarraum. Der letzte
Ton des Eingangsgeläuts verhallt. Stille. Vorne entzündet
jemand ein Streichholz, steckt damit eine große Kerze an und
stellt sie auf den Altar. Dann spricht er oder sie die Worte: »Wir
feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der wie ein guter Vater
und eine gute Mutter zu uns ist. Der uns beschirmt und beschützt
und immer bei uns ist.«
Dann wird eine nächste Kerze entzündet. »Im Namen
von Jesus Christus, der...« Wenn alle drei Kerzen den Raum
mit ihrem Licht füllen, könnte ein erstes Gebet oder vielleicht
ein Taizé-Gesang folgen.
Das Beschriebene ist natürlich eher etwas
für den nicht so rasanten, mehr meditativen Jugendgottesdienst
am Abend. Aber ist war ja auch die Herausforderung: einen Einstieg
zu entwickeln, der ganz genau auf den eigenen Gottesdienst passt.
Musikalischer Einstieg
Einen Anfang zu machen, bedeutet ja auch immer, gewisse Hemmungen
zu überwinden. Nicht nur bei den Akteuren, sondern auch bei
den Teilnehmenden. Mit Musik gelingt das erfahrungsgemäß
leichter. Wenn also eine Band den Gottesdienst musikalisch unterstützt
und so eh die Musik einen Schwerpunkt bildet, liegt es nahe, ihr
auch das erste Wort (den ersten Ton) zu überlassen. Dabei sollte
nur darauf geachtet werden, dass nicht der letzte Soundcheck sozusagen
ins Opening mündet. Ein wenig Zeit sollte schon dazwischen
liegen, damit von der Musik das Signal kommt: jetzt geht's los!
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