|
(Kapitel 6)
Gebete, Bekenntnisse und weitere Texte
Einen großen Bestandteil des Jugendgottesdienstes bilden Gebete
und Texte. Passend zum Inhalt des Gottesdienstes werden sie von
den Vorbereitenden geschrieben oder ausgewählt.
Auch wenn hier im Einzelnen keine Texte und Gebete aufgeführt
werden sollen (die gibt es unter www.jugendgottesdienst.com), sollen
doch einige »Arten« benannt werden:
Psalmgebet
Psalmen sind liebevoll in Liedern und Gedichten gestaltete Gebete.
Manche bezeichnen sie als Spiegelbild der menschlichen Seele. Psalmen
sind voll von Lob und Klage gegenüber Gott. Für den agendarischen
Gottesdienst sind sie als erstes Gebet gleich nach dem ersten Lied
vorgesehen. Für den Jugendgottesdienst bieten sich auch Psalmübertragungen
in zeitgemäßer Sprache an, zu denen es eine breite Literatur
gibt.
Bitt- und Dankgebet
Die häufigsten und üblichsten Formen eines Gebets sind
Bitt- und Dankgebete. Von der Wortwurzel her wird ja schon deutlich,
dass das »Gebet« eindeutig etwas mit »Bitten«
zu tun hat (mehr dazu aber in Kapitel 4). Häufig steht ein
Bitt-Gebet (Tagesgebet) am Anfang des Gottesdienstes: mit der Bitte
um Gottes Geist für diesen Gottesdienst.
Freies Gebet
Das freie Gebet wird nicht von den Mitarbeitern gesprochen - von
ihnen macht jemand vielleicht den Anfang und andere sind vorbereitet,
»ganz spontan« ebenfalls öffentlich zu beten, wenn
aus der versammelten Gemeinde wenig kommt.
Das freie Gebet soll den Gottesdienst-Teilnehmern die Möglichkeit
geben, ihr eigenes Gebet laut vorzutragen. Dazu können die
Betenden nach vorne treten oder auch von ihrem Platz aus - ggf.
mit Mikrophon - sprechen.
Das freie Gebet erfordert einigen Mut bzw. eine
bestimmte etablierte Frömmigkeit. Die in den meisten Gottesdiensten
ansonsten übliche Alternative sind stille Gebete, für
die im Gottesdienstablauf Raum geschaffen wird. Dann kann ein jeder
still vor Gott bringen, was ihn bewegt.
Wenn freie Gebete nicht von den einzelnen Bittenden und Dankenden
selbst vorgetragen werden sollen, bieten sich verschiedene Aktionen
wie eine Klagemauer an (siehe Kapitel 5).
Fürbittengebet
Wie der Name schon sagt, bittet man im Fürbittengebet für
etwas, klassischerweise für Kirche, Welt und Mitmenschen (siehe
Kapitel 4). Im Gottesdienst findet die Fürbitte am Ende ihren
Platz, noch vor dem Vaterunser und dem Segen.
Segensgebet
Der Segen beschließt den Gottesdienst. Meistens geschieht
das mit der aaronitischen Segensformel (»Der Herr segne Dich
und behüte Dich...«). Ebenso kann aber gemeinsam um Gottes
Segen gebeten werden (siehe unten).
Schuldbekenntnis
Jugendliche sehen sich gemeinhin nicht als so erlösungsbedürftig
an, dass sie das Sündenbekenntnis als konstitutives Element
für den Jugendgottesdienst einfordern würden. Das muss
zunächst einmal so zur Kenntnis genommen werden, das Für
und Wider wird der Vorbereitungskreis vor Ort diskutieren.
Nur eines: wie so oft macht auch hier der Ton die Musik. Ein »Wir
wollen unsere Sünden vor Gott bekennen« wird vielleicht
Befremden und sogar Abneigung hervorrufen.
Eine etwas offenere Formulierung wie die folgende
(die im Übrigen auch noch Raum dafür lässt, dass
Schuld nicht selten ein sehr vielschichtiges und nicht immer individuelles
Phänomen ist), mag es dem / der Einzelnen eher ermöglichen,
das Bekenntnis anzunehmen: »Wir bringen vor Gott, was uns
bedrückt und belastet und wofür wir Verantwortung tragen.«
Seinen Ort hat das Sündenbekenntnis im Eingangsteil des Gottesdienstes.
Glaubensbekenntnis
Ein fester Teil des Sonntagsgottesdienstes ist das Glaubensbekenntnis.
Die Gemeinde »antwortet« damit auf die Lesung; es folgt
die Predigt. In den meisten Fällen wird dort das so genannte
apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen (»Ich glaube an
Gott, den Vater...«).
Es gibt aber genügend alternative Glaubensbekenntnisse in den
Gesangbüchern und der Literatur.1) Und natürlich kann
auch ein eigenes Glaubensbekenntnis gesprochen werden, das etwa
im Vorbereitungskreis oder in einer Konfirmandengruppe entstanden
ist.
Das folgende Glaubensbekenntnis stammt aus einem
Jugendgottesdienst-Mitarbeiterkreis:
Ich glaube an Gott, den alten Gangster,
der den Krieg nicht will, noch Hunger, noch Leid, noch Unterdrückung,
der mich geschaffen hat und bei meinem Namen gerufen, nicht geklont.
Und ich glaube an Jesus Christus, messianischer
Menschensohn-Weltenrichter;
Mensch geworden bis in die tiefste Gottverlassenheit am Kreuz;
Von Menschen gemordet, von Gott auferweckt von den Toten;
Du wirst wieder kommen und mit Dir die Herrlichkeit des Herrn;
Zuletzt besiegst Du den Tod.
Ich glaube an den Heiligen Geist, Kraft die
mich lebendig macht, unaufhörlich tätig und nur eines
im Sinn: Dein Reich komme!
Weitere Texte
Es ist grundsätzlich wünschenswert, wenn der Jugendgottesdienst
durch »außerbiblische« Geschichten, Erzählungen
und Gedichte bereichert wird. Das kann ein besonders aussagekräftiger
Auszug aus einem Roman (Die Passage über Beppo den Straßenkehrer
aus Momo2)) oder jedem anderen literarischen Werk sein (z.B. das
Anti-Sterntaler-Märchen aus Büchners Woyzeck 3))
Viel, viel zu selten wird Lyrik eingesetzt. Dabei sind Gedichte
natürlich ideal zum Vortragen. So zum Beispiel Joseph von Eichendorffs
»Mondnacht« (Auszug):
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Besinnliche oder meditative Texte gibt es allemal
viele. Nicht nur der »Kleine Prinz« (»Man sieht
nur mit dem Herzen gut...«)1) ist eine gern genommene Quelle.
Treffende Kurzgeschichten oder Beispielerzählungen
lassen sich leicht aufspüren: Entweder es fällt jemandem
aus dem Vorbereitungsteam spontan eine Geschichte (die er / sie
vielleicht einmal im Religionsbuch gelesen hat) ein oder man bedient
sich der Literatur. Sammelbände mit verschlagworteten Erzählungen
dürfte es in jeder Gemeinde geben. Mit der Zeit könnte
sich der Vorbereitungskreis einen eigenen Fundus in einem Ordner
anlegen.
|