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(Kapitel 6)

Meditation, Stille, Entspannungsübungen

Was aus Fernost kommt, liegt im Trend. Das gilt insbesondere für die Meditation, die in den letzten Jahren einen wahren Boom erfahren hat. Mittlerweile dürfte wohl keine Volkshochschule mehr ohne Meditationsgruppe auskommen.

Der Begriff lässt sich schwer fassen. Zum einen kann die Meditation ein weites Spektrum von Übungen zur Selbstbesinnung und Selbstversenkung bezeichnen mit fließenden Grenzen zu allerlei verwandten Formen, die in diesem Abschnitt beschrieben werden. Zum anderen gibt es nicht die eine Definition, was sich hinter diesem Begriff verbirgt und das eine Patentrezept, wie man meditieren kann.
Im Gegenteil: Der Weg ist oft steinig und schwer. Meditation ist etwas, was man sich über einen längeren Zeit-raum erarbeiten muss. (Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zur erhofften Entspannung.)

Das, was wir im strengsten Sinne und in Abgrenzung zu anderen Übungen wie etwa dem Autogenen Training als Meditation bezeichnen würden, wäre für den Jugendgottesdienst also wenig brauchbar.

Einige grundlegende Dinge seien hier dennoch benannt: Zuerst gehört natürlich Ruhe zur Meditation - innerliche wie äußerliche Ruhe. Keine störenden Nebengeräusche in dem Raum, in dem man meditieren möchte und auch kein Termindruck - auf dem Sprung lässt es sich schlecht meditieren.
Ein anderes wichtiges Element ist der Atem. Sich einmal nur auf seinen eigenen Atem zu konzentrieren und sich von ihm leiten zu lassen, ist gar nicht so einfach. Schließlich ist noch auf die Haltung zu achten. Die muss vor allem auch eines sein, ruhig nämlich.

Zu Beginn einer Meditation sollte man sich eine bequeme Position verschaffen, die dann auch nicht mehr verändert wird. Es bietet sich der Schneidersitz an oder für Fortgeschrittene der so genannte Lotus-Sitz, bei dem die Füße nach oben verschränkt werden. Was dann passiert, ist nicht mehr zu beschreiben: Die innere Einkehr mag von jedem anders erlebt werden, je nachdem als beruhigend, heilsam, bedrohlich.

Gleichwohl gibt es - und gab es immer - eine christliche Meditation. Deren Wurzeln sind freilich arg verschüttet und müssen erst frei gelegt werden. So ist eine übliche Form die so genannte Wortmeditation. Dabei versucht der oder die Meditierende sich voll und ganz auf ein Wort einzustellen. Das geschieht durch fortwährendes Wiederholen des Wortes, durch lautes Vorlesen, sich Einprägen und Vergegenwärtigen, Auswendiglernen. Wort meint in diesem Zusammenhang ein oder mehrere Bibelverse, einen Spruch oder Ähnliches.

Dieses Wiederkäuen (der Fachmann sagt: ruminatio, denn im Hintergrund steht die Vorstellung, dass die Schrift so etwas wie geistige Nahrung ist) von Schriftworten wurde ursprünglich vornehmlich mit Psalmworten betrieben.

Eine feste Form dieser Art ist das so genannte Herzensgebet, das aus der christlichen Ostkirche stammt und oft mit dem Yoga verglichen wird. Dabei sprechen die Betenden immer wieder die Formel »Herr Jesus Christus, (Sohn Gottes,) erbarme Dich meiner!«, wobei der erste Teil (Herr Jesus Christus, Sohn Gottes) beim Einatmen gesprochen wird und der zweite Teil beim Ausatmen.

Will man eine Unterscheidung zwischen christlicher und fernöstlicher / buddhistischer Meditation treffen, kann man vereinfacht sagen, dass der Unterschied im Gegenstand festzumachen ist.
Die buddhistische Meditation richtet sich auf das Nichts (Nirwana). Die Einheit mit dem Nichts und die völlige Erlöschung des eigenen Ichs, für »den Buddhisten« ein Zustand der Glückseligkeit, ist ihr Ziel.
Die christliche Meditation hat einen mehr dialogischen Charakter. Das heißt, sie richtet sich auf Gott und Jesus Christus und mündet im Gebet beziehungsweise der Anrufung.
Wie oben schon erwähnt, ist meditieren zwar etwas, das man mal im Jugendgottesdienst machen kann, aber richtig interessant wird es erst, wenn man sich gut eingeübt hat und es vor allem öfter macht. Literatur und Möglichkeiten, Kurse zu besuchen, gibt es ja zur Genüge.

Die folgenden »artverwandten« Vertreter können ohne großes Vorwissen - vor allem der Teilnehmenden - im Jugendgottesdienst so durchgeführt werden. Unserer Beobachtung nach werden Entspannungs- und Meditationsübungen verstärkt von Jugendlichen für den Jugendgottesdienst angefragt. Dem soll hier in gewisser Weise Rechnung getragen werden.

MTT
Christoph Brechtel beschreibt das »Muskuläre Tiefentraining« kurz so: »Das muskuläre Tiefentraining (MTT) ist leicht zu erlernen, praktisch anwendbar, wirkt sofort, ist frei von philosophischen und meditativen Verbrämungen und fordert vom Übenden weder Ehrfurcht noch Geduld.« (1994: 2) Ohne jeden Schnickschnack geht es beim MTT nämlich um Muskelentspannung.

Verspannungen sollen dadurch gelöst werden, dass bestimmte Muskelpartien so kräftig angespannt werden, dass es schon schmerzt und sie in dem Moment, in dem die Anstrengung am größten ist, wieder locker gelassen werden. Darauf folgt eine Phase mit entspannenden Gegenbewegungen. Auch bei dieser Methode spielt die Atmung eine wichtige Rolle. Sie muss nämlich - auch während der stärksten Anspannung - locker weiter geführt werden: Die Luft darf auf keinen Fall angehalten werden.

Fünf Grundlagenübungen des MTT gibt es, eine sei hier zumindest angedeutet:
King Kong (außerdem gibt es noch Quasimodo, Panzer, Siegfried und Flitzebogen) entspannt Arme und Nackenbereich. Vor der Brust werden die Hände zu Fäusten geballt, fest gegeneinander gepresst - wie beim Affen eben. Wenn die Arme zittern und es weh tut, noch ein wenig drücken. Danach einfach die Arme fallen lassen und versuchen, sie richtig ausbaumeln zu lassen.

Im Jugendgottesdienst lassen sich diese und die weiteren Übungen, die in der angegebenen Literatur beschrieben sind, prima als Vorspiel für eine nachfolgende Methode, wie etwa die Phantasiereise einsetzen. Wie beim Sport muss man sich nämlich auch für die Meditation aufwärmen - so von jetzt auf gleich eine Meditationsphase zu starten, das gelingt nicht jedem gleichermaßen gut.

Phantasiereisen / Autogenes Training
Das Autogene Training ist eine Entspannungsmethode, die aus der Selbst-Hypnose entwickelt wurde. Bei Forschungen in diesem Bereich fand man nämlich heraus, dass bestimmte Gefühle wie Wärme und Schwere sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken.
Beim Autogenen Training versucht man nun, diese Gefühle gezielt bei sich selbst auszulösen, indem man sich fest darauf konzentriert (Autosuggestion). Dadurch stellen sich schließlich Entspannung und Erholung ein.

Freilich müsste man lange üben, um alle Übungen des Autogenen Trainings zu beherrschen. Eine wirksame Form, um es auch mit ungeübten Leuten durchführen zu können, sind die so genannten Phantasiereisen. Das sind kleine Geschichten zum Vorlesen, in die die Übungen, vornehmlich Ruhe, Schwere und Wärme, eingebaut sind. Die Zuhörer müssen es sich nur bequem machen und im Geist den Stationen der Geschichte folgen.

»Du stehst an der Reeling und schaust aufs Meer -
die Wellen tanzen auf und ab - auf und ab -
du spürst deinen Atem - ruhig und gleichmäßig -
er hat den gleichen Rhythmus wie das Meer -
auf und ab - gleich ein und aus -
Schwere - Wärme - Ruhe durchströmt deinen Körper - dich« (Müller 1997: 153)

Mandalas malen
Der Begriff Mandala kommt aus einer alten, indischen Sprache, dem Sanskrit, und meint so etwas wie Kreis oder Ring. Der Kreis ist ein uraltes Symbol für Einheit, Vollkommenheit und Ordnung. Die Tibeter und Inder haben eine besondere Vorliebe für Mandalas und benutzen sie für ihren Kult und ihre Meditation.
Das Mandala ist nach einem bestimmten Ordnungs-schema aufgebaut. So sind alle Formen und Linien strahlenförmig um den Kreismittelpunkt angeordnet. Es entsteht dabei der optische Eindruck, als würde alles auf die Mitte hin streben.

Genau genommen begegnen einem solche Mandalas auch in unseren Breitengraden andauernd. Das bunte, runde Fenster (Rosette) einer Kathedrale, ein Fahrradreifen, ein Gänseblümchen - das alles könnte man als Mandala bezeichnen. Wenn man einen Blick durch ein Kaleidoskop wirft, sieht man auch ein Mandala.

Der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung (1875-1961) wollte im Mandala einen Archetyp, das heißt ein Urbild des Menschen entdeckt haben. Will meinen: Egal, wo auf der Welt Menschen leben, bringen sie, während sie so gedankenverloren auf dem Telefonblock kritzeln oder mit einem Stock im Wüstensand malen, immer wieder spontan dieses Symbol hervor.
Denn es steckt unbewusst in jedem Menschen, auch wenn er noch nie davon gehört oder es sich bewusst gemacht hätte.

Mandalas auszumalen ist eine Form der Selbstbesin-nung und der Meditation. Dabei ist es eine kreative und recht simple Form. Man braucht nämlich nicht allzu viel Übung im Gegensatz zu anderen Techniken (Yoga beispielsweise), die man zunächst gut beherrschen muss, um sich entspannen zu können. So soll das Ausmalen eines Mandalas helfen, neue Kraft zu schöpfen und vom Alltag loszulassen, die eigene Mitte zu finden oder sich und seine Gedanken neu zu ordnen. Inzwischen wird das Mandala-Malen auch vielfach schon in Grundschulen und vielen Gruppen eingesetzt, es ist erstaunlich, wie gut sich gerade auch Kinder darauf einlassen.
Bevor man beginnt, ein Mandala auszumalen, sollte man sich zunächst ein wenig Zeit nehmen, es auf sich wirken zu lassen und es sich genau anzuschauen. Dann beginnt man vom äußeren Rand zur Mitte hin, das Mandala auszumalen oder von innen nach außen - nur wechseln sollte man die Richtung nicht.
Dabei sollte man sich ruhig Zeit lassen und sorgfältig, immer in den vorhandenen Grenzen bleibend, die Flächen ausmalen.

Welches Material man dazu verwendet, ist egal. Ob Bunt- oder Filzstifte, Wasserfarbe oder Kreide, es sollte nur möglichst dazu geeignet sein, flächig zu malen, ohne dass allzu viele Striche entstehen.

Bildmeditation
Auch über ein Bild kann man meditieren. Es gilt dafür ebenfalls das, was oben schon unter dem Stichwort Meditation und Wortmeditation gesagt wurde.

Bei der Auswahl eines Bildes muss freilich einiges beachtet werden. Zunächst: Ist das Bild gehaltvoll genug, um es für eine längere Weile zu betrachten? Passt es genau zum Inhalt des Jugendgottesdienstes? Vermittelt das Bild den Inhalt, den ich ausdrücken will oder muss ich erst eine große Brücke bauen, um mein Anliegen verständlich zu machen? Vermittelt das Bild Ruhe (was ich ja durch die Meditation erreichen möchte) oder wühlt es den Betrachter eher auf? Denn gerade das Letzte ist besonders wichtig.

Die Meditation soll entspannen und besinnlich machen. Letztendlich soll sich der Betrachter in das Bild hineinfühlen, die übliche Distanz von Bild und Betrachter soll abgelegt werde. Ergo: Über einem Schocker kann man nicht meditieren! (Will man aber gerade ein solches Bild einsetzen, ist die Bildmeditation nicht die richtige Methode.) Einen Diasatz, also eine Bildfolge zum Meditieren, mit einem dazugehörigen Text-Heft lässt sich in vielen Mediotheken ausleihen. Dort werden mannigfaltige Sachen dieser Art angeboten.

Folgendes Muster hat sich für eine Bildmeditation bewährt: Das Bild wird den Betrachtern vor Augen geführt. Das kann auf unterschiedliche Weise gehen. Mit dem Dia-Projektor, dem Beamer, einem Overhead-Projektor kann das Bild an eine Wand geworfen werden. Ebenso ist es möglich, Kopien des Bildes zu verteilen oder sogar Postkarten. Als großes Poster könnte das Bild irgendwo im Raum aufgehängt werden.

Den Betrachtern sollte dann ein wenig Zeit gegeben werden, sich in das Bild hineinzusehen, es auf sich wirken zu lassen, sich jede Einzelheit einmal zu vergegenwärtigen. Daraufhin wird jemand einen Text mit Erklärungen und Einfällen zu diesem Bild vorlesen oder vortragen.
Darin müssten Informationen rund um das Bild enthalten sein. Wer hat es gemalt, wann und unter welchen Umständen? Weiter eine Bildbeschreibung und -erklärung, damit allen klar ist, was auf dem Bild zu sehen ist.
Dann können weitere Gedanken folgen, darüber, was das Bild bedeuten könnte und wofür es steht, was das Bild für Gefühle beim Betrachter wecken könnte und warum sich das Bild wunderbar ins Thema des Jugendgottesdienstes einfügt.

Es soll sich eine nächste Phase anschließen, in der die Betrachter mit dem Bild allein gelassen werden. Wenn es ihnen entspricht, können sie sich jetzt voll und ganz mit dem Dargestellten identifizieren: Einswerden mit dem Bild, beziehungsweise in Gedanken auf die Reise gehen.

Meditationsspaziergang
Wie bei der oben beschrieben Wortmeditation wird ein Wort, das heißt ein Spruch, ein Bibelvers oder Ähnliches, immer wieder gesprochen. Dabei gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Raum herum und sprechen das Wort leise für sich. Der Vers oder Spruch soll sich dabei - das geschieht aber ganz automatisch - dem Rhythmus des Gehens anpassen.

Atemübung
Wir machen es gut 26.000-mal am Tag, aber meistens unbewusst. Dabei kann bewusstes Atmen so herrlich entspannend sein und ist zudem so einfach. Hört sich an, wie ein schlechter Werbespot, ist aber nicht ganz falsch.

Atemübungen dienen der eigenen Beruhigung. Im Alltag atmen wir oft recht flach und durch die Brust. Das soll bei dieser Art von Übungen bewusst durchbrochen werden. Grundmuster ist immer: Es wird tief und aus dem Bauch heraus geatmet, nur so kann sich die Entspannung einstellen.

Es gibt viele Atemübungen und wer sich näher damit beschäftigen möchte, der wende sich an den Buchhändler seines Vertrauens. Es gibt mannigfaltige Literatur zu diesem Thema. Drei Übungen, allesamt Grundübungen, seien hier beschrieben. Sie werden jeweils mindestens fünf bis zehn Minuten durchgeführt.

1) Man nimmt eine entspannende Sitzhaltung ein und schließt mit dem Daumen das rechte Nasenloch. Dann atmet man vollständig ein, schließt es mit dem Daumen und atmet durch das linke Nasenloch aus. (Daumen wegnehmen vorher natürlich nicht vergessen!) Bei Zeiten kann man dann die Richtung wechseln.

2) Eine denkbar einfache Übung ist das verlängerte Ausatmen. Dabei versucht man, am besten auf dem
Boden liegend, tief in den Bauch einzuatmen, und dann nur so langsam wie möglich auszuatmen.

3) Das Gleiche nur andersherum: Man atmet tief ein und versucht so viel Luft wie möglich in die Lungen zu
pumpen. Wenn nichts mehr geht, versucht man, einzuhalten für 20 bis 30 Sekunden und atmet dann aus.

 


Dies ist ein Ausschnitt aus folgendem Buch:

Christoph Urban / Timo Rieg (Hrsg.)
Jugendgottesdienst 2.0
- Ein interaktives Handbuch. Methoden, Module, Komplettentwürfe zur Planung und Durchführung

Das Handbuch für Ehrenamtliche und ihre hauptamtlichen Begleiter, durchweg so erarbeitet, dass ältere Jugendliche selbstständig damit Jugendgottesdienste vorbereiten können.

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"Neue Vorbereitungskreise werden hier genauso brauchbare Ideen finden wie langjährige Mitarbeiter" (Radio Vatikan)

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(ISBN 3-928781-02-2)


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