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(Kapitel 6)
Schwerpunktthema / Verkündigung
Predigt und Sakrament1) bilden zusammen das so genannte »Verkündigungsgeschehen«.
»Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker:
Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen
Geistes und lehrt sie zu halten alles, was ich euch befohlen habe.«
(Matthäus, 28,19f.)
Mit der Taufe hat Jesus Christus uns in seine Nachfolge gerufen
und das meint, von der frohen Botschaft, dem Evangelium, zu zeugen.
»Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium
zu predigen«, schreibt Paulus in seinem ersten Brief an die
Korinther (1,17).
Das Evangelium zu verkündigen heißt
heute mehr denn je, Bezüge zu unserer Lebenswelt herzustellen.
Das ist, was in den meisten Predigten geschieht: Von einer Bibelstelle
ausgehend oder auf sie hinführend erklärt der Prediger
die Relevanz für unser Leben. Und weil das in Wahrheit natürlich
alles viel komplizierter ist, gibt es bei den Theologen hierfür
ein eigenes Fach: die Homiletik (Predigtlehre).
Ganz intuitiv wird jeder Vorbereitungskreis genau das versuchen:
Ein Thema zu vertiefen in Texten, Szenen, Aktionen und Gebeten.
Eine bekannte Hilfsfrage dabei ist: Was würde Jesus dazu sagen?
Und das bedeutet: Was hat er denn dazu - oder zu etwas Vergleichbarem
- gesagt?
Die Verkündigung setzt also immer die Beschäftigung mit
dem biblischen Zeugnis voraus (ausführlich am Anfang von Kapitel
4 dargelegt).
Die Darstellung dieser Ergebnisse ist die Verkündigung. Jesus
hat nicht gesagt: »Die Pfarrer sollen sonntags auf die Kanzel
steigen und eine lange Predigt vorlesen, denn das ist ihr Job.«
Diesen Auftrag haben sie vielmehr von ihren weltlichen Dienstherren
erhalten.
Ausschließlich die Predigt als Verkündigung
zu sehen, wird dem vielgestaltigen Wirken des Heiligen Geistes nicht
gerecht. Die Kanzelpredigt ist eine von vielen Formen, mit der nur
eine kleine Gruppe von Menschen erreicht werden kann. Der Jugendgottesdienst
will ja gerade auf anderen Wegen verkündigen - eben jugendgemäß.
Wenn ein Vorbereitungskreis also eine Predigt der Pastorin im Jugendgottesdienst
wünscht, dann sollte diese dem Ereignis angepasst sein: in
der Länge, in der Sprache, in der Darstellung.
Wenn der Jugendgottesdienst also geplant wird und bis dahin eine
runde Sache darstellt, muss nicht noch zwangsläufig eine Predigt
»reingedrückt« werden. Das Ganze kann auch so schon
sehr gut und vollkommen sein.
Wird aber ein entsprechendes Modul gewünscht, gibt es zur monologischen
Sonntagspredigt viele Alternativen:
Zum Beispiel das Gespräch - schließlich
die Kommunikationsform zwischen Menschen. Und warum nicht als Jugendlicher
den Pfarrer zum Thema befragen - schlaue Rabbis imponieren uns schließlich
auch.
Im Gespräch ist der theologische Fachmann gefordert, Antworten
zu geben, die unmittelbar verständlich sind, auf neue Fragen
einzugehen - und sich selbst Argumente, Ansichten und Zweifel anzuhören.
Es spricht aber auch nichts gegen einen Kurzvortrag
der Pastorin oder einer anderen Mitarbeiterin. Damit dies jedoch
nicht zu sehr nur der eigenen Weltsicht gerecht wird, sind gemeinsame
Vorbereitungen, ein gemeinsames Erarbeiten des Vortrags (der Predigt)
unbedingt nötig.
Zumindest darf die Predigt für die Mitarbeiter
keine Überraschung darstellen. Denn schließlich soll
sich ja alles irgendwie zusammenfügen, und je mehr Gewicht
man einer solchen Predigt-Verkündigung beimessen will, um so
genauer muss sie mit ihren Aussagen, ihren Beispielen und Bezügen
in den gesamten Jugendgottesdienst eingebunden sein.
1) Sakramente in der Kath. Kirche: Taufe, Firmung,
Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Ordination, Ehe; in den
evang. Kirchen: Taufe, Abendmahl (und Buße bzw. Beichte).
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