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(Kapitel 6)
Symbole, Metaphern und Zeichenhandlungen
Symbole stehen sinnbildlich für eine Wirklichkeit, die weit
über sie hinaus geht. So kann eine Flamme oder ein Licht für
Wärme und Geborgenheit stehen, aber auch für die Weisheit
oder den Geist Gottes.
Auch Sprache kann in diesem Zusammenhang sinnbildlich sein: Jemandem
geht ein Licht auf, sagen wir und meinen, dass er oder sie gerade
zu einer bahnbrechenden Erkenntnis gelangt ist.
Symbole sind anregend. Sie signalisieren etwas, aber sagen nicht:
So oder so ist es. Sie sind mystisch und geheimnisvoll. Ihnen wohnt
ein ganz besonderer Zauber inne, eine übernatürliche Kraft,
die mit Worten nicht zu beschreiben ist.
Symbole reden von einer ungesehenen Welt und
spiegeln einen Abglanz der Dinge wieder, die sie bezeichnen. Ihren
Betrachtern geben sie Freiraum und Individualität. Sie sind
(in den meisten Fällen) verständlich, ohne dass sie groß
erläutert werden müssten.
Symbole wirken im Unterbewussten. Das macht
sie - gekonnt eingesetzt - ungemein bereichernd für den Jugendgottesdienst.
Christliche Symbole
Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des griechischen
Alphabets, stehen für die Ewigkeit Gottes (Offenbarung 22,13).
Blumen: Die Rose steht für die Liebe, die
Lilie für Einfalt und Armut (Matthäus 6,28).
Brot und Wein vergleicht Jesus mit seinem Leib
und Blut. Die beiden Elemente kommen im Abendmahl vor und stehen
somit unter anderem für die (Tisch-) Gemeinschaft mit Jesus
Christus (1 Korinther 11,23-25). Das tägliche Brot im Speziellen
steht auch für die Vaterunser-Bitte »Unser tägliches
Brot gib uns heute«. Dann bezeichnet es alles, was wir zum
Leben brauchen.
Das Feuer ist Zeichen der Präsenz Gottes.
Israel führt er in der Feuersäule (Exodus 13,21) aus Ägypten,
im Feuer begegnet er Mose im Dornbusch (Exodus 3,2).
Der Fisch war einst ein geheimes Symbol der
verfolgten Christen. Die Anfangsbuchstaben der griechischen Wörter
für »Jesus Christus, Sohn Gottes, Heiland« ergeben
nämlich das Wort ICHTYS, das im Griechischen »Fisch«
heißt. Auch heute noch wird der Fisch von vielen Christinnen
und Christen als »Erkennungszeichen« gewählt -
als Autoaufkleber, Anstecker für den Rucksack und vieles mehr.
Die Flamme versinnbildlicht ebenfalls den Heiligen
Geist und die Präsenz Gottes. Zu Pfingsten empfingen die Apostel
den Geist und Flammen waren über ihren Köpfen (Apostelgeschichte
2,1-13).
Kerzen stehen wieder für Christus. Jesus
hat sich selbst als das Licht der Welt bezeichnet (Johannes 8,12).
Das Kreuz ist das wichtigste und eines der ältesten
Symbole der Christen. Die Bedeutungsebenen des Kreuzes sind mannigfaltig.
Es steht für die Leiden Jesu Christi und übertragen für
alle Leiden dieser Welt, darunter der Tod. Aber auf der anderen
Seite steht es - und das ist der Grund, warum viele Christen ein
Folterinstrument als Halskette tragen - für die Großtat
Gottes, nämlich, dass er diesem Leiden widersprochen hat, indem
er Jesus von den Toten auferweckt hat. Im Licht des Ostermorgens
wurde das Kreuz zwar nicht abgeschafft, aber erträglicher (1
Korinther 15,55).
Öl steht für besondere Ehrerbietung,
denn Öl war früher besonders teuer. Mit kostbarem Salböl
gesalbt zu werden, wurde nur ganz besonderen Menschen zuteil, David
etwa, der in 2 Samuel 5,3 zum König gesalbt wird. »Der
Gesalbte« heißt im Hebräischen »Messias«,
auf Griechisch heißt er »Christos«. Daher der
Beiname Jesu.
Palmzweige stehen für Triumph und Sieg.
Bei Jesu Einzug in Jerusalem begrüßen ihn die Leute mit
Palmzweigen (Johannes 12,12-19).
Der Regenbogen ist Symbol für den Bund
(die gegenseitige Verpflichtung), den Gott und Menschen nach der
Sintflut geschlossen haben (Genesis 9,13). Er steht somit für
den Erhalt des Lebens und einen neuen Anfang.
Das Schiff kann für die Gemeinde stehen.
In dem bekannten Lied »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt«
wird das besonders deutlich.
Der Schirm versinnbildlicht den Schutz Gottes;
dass er mich beschützt und behütet (Psalm 32,7).
Ein Stein oder Fels kann für die Kirche
/ die Gemeinde stehen. Jesus wollte auf Petrus (das heißt
übersetzt Stein) seine Kirche errichten (Matthäus 16,18).
Der Stein kann aber auch für Christus selbst stehen, denn er
ist der Stein, den die Bauleute verworfen hatten, der nach Gottes
Willen aber zum Eckstein seiner Herrschaft werden sollte (1 Petrus
2,7).
Der Stern ist Symbol für Jesus als den
messianischen Herrscher (Offenbarung 22,16). Er erinnert aber auch
an den Weihnachtsstern, den Stern über Bethlehem, der den Weisen
aus dem Morgenland den Weg zum Jesuskind weist (Matthäus 2,1-12).
Die Taube ist Zeichen des Friedens und symbolisiert
den Heiligen Geist. Bei Jesu Taufe kommt der Geist in Form einer
Taube auf ihn hernieder (alle Evangelisten, vergleiche Markus 1,10).
Wasser ist ein Ursymbol für das Leben,
für die Christen ist es gleichzeitig immer auch ein Zeichen
für die Taufe, ein neues Leben (Römer 6,4). Viele weitere
biblische Geschichten erzählen vom Wasser als erfrischende
und Leben spendende Quelle. So das Lied Davids »Der Herr ist
mein Hirte« (Psalm 23) und die Geschichte vom Haderwasser
(4. Mose 20,1-13).
Der Weg ist Zeichen dafür, dass Gott uns
begleitet. Die Bibel wimmelt von Weg-Geschichten. Manchmal macht
sich Gott mit auf den Weg, ohne dass wir es merken, wie in der Geschichte
vom Weg nach Emmaus (Lukas 24,13-35).
Symbole im Jugendgottesdienst
Es gibt zig Punkte im Ablauf eines Jugendgottesdienstes, denen man
mit dem Einsatz von Symbolen - und in den meisten Fällen ist
das auch kein größerer Aufwand - mehr Tiefe verleihen
kann. Oft geht das übrigens ganz automatisch.
Stellen wir uns einen Jugendgottesdienst zum Thema Liebe vor, da
würde es sicherlich vor roten Herzen nur so wimmeln. Für
andere Symboliken muss man den Bogen vielleicht ein wenig weiter
schlagen (schon wieder eine Metapher!). Hier seien nur ein paar
Ideen aufgeführt:
Über Geschenke freut sich jeder. Zu fast
jedem Jugendgottesdienst oder jedem Thema kann ein Symbol verschenkt
werden. Das mag dann der Wassertropfen aus Tonpapier mit einem erbaulichen
Spruch darauf sein, denn der Jugendgottesdienst stand unter dem
Motto »Gott ist Urquell allen Lebens«. Das können
aber auch - ganz profan - ein paar Schokoherzen für den Heimweg
sein bei einem Jugendgottesdienst zum Thema »Liebe«.
So etwas bleibt in Erinnerung. Wenn eine Button-Maschine
vorhanden ist, können Buttons mit Symbolen zum Thema gefertigt
und mitgenommen werden. Auch das Senfkorn, das zu Hause in einem
Blumentopf wachsen und gedeihen darf, begleitet die Gottesdienst-Teilnehmer
über viele Wochen.
Oft gibt es Aktionen im Jugendgottesdienst,
bei denen die Besucher aufgefordert werden, etwas auf ein Kärtchen
zu schreiben, manchmal eine Bitte an Gott, manchmal ihre Gedanken
zu einem bestimmten Thema. Warum soll das denn immer die Moderationskarte
in blanko sein? Auch hier lässt sich wieder passend zum Jugendgottesdienst
etwas aus Tonpapier ausschneiden.
Fürbittengebete (siehe auch Fürbitten)
lassen sich prima mit der Hilfe von Symbolen visualisieren. So könnte
beispielsweise für jede einzelne Fürbitte ein entsprechendes
Symbol auf den Altar gelegt werden. Jemand liest eine Fürbitte
gegen Folter und Gewalt und legt zum Zeichen ein Stück Stacheldraht
auf den Altar. Eine andere Fürbitte hätte die Mauern,
die Menschen trennen, zum Inhalt, was durch einen Ziegelstein symbolisiert
werden könnte. Eine Rose ist Zeichen der Hoffung, des Friedens
und der Versöhnung.
Salbungen
Die Salbung ermöglicht mit einem längst vergessenen Ritual
eine neue körperliche Erfahrung. Zudem ist sie als Zeichenhandlung
ein Akt der Nächstenliebe. Zur Zeit der Bibel galt die Salbung
als Sinnbild besonderer Ehrerbietung. Diese Ehre - das Öl war
damals für Normalsterbliche fast unbezahlbar - wurde nur ganz
besonderen und ausgewählten Persönlichkeiten zuteil.
So war es eine gängige Praxis, einen neuen
König zu salben, das heißt, die Königsweihe durch
eine Salbung zu vollziehen. Priester und Propheten wurden ebenfalls
durch eine Salbung eingesetzt. Darin kommt zum Ausdruck, dass der
Gesalbte (auf Griechisch: Christos, hebräisch: Messias) in
einem ganz besonderen Verhältnis zu Gott steht und so etwas
wie ein Vertreter Gottes auf Erden ist.
Schon früh hatte die alttestamentliche
Prophetie Israel einen wahren Friedenskönig aus dem Geschlecht
Davids verheißen, der mehr noch als jeder irdische König
am Ende der Zeit sein immerwährendes Reich errichten würde.
Mit ihm kämen ein neuer Himmel und eine neue Erde. So ist der
Name »Jesus Christus« das kürzeste Bekenntnis der
Christen. Nämlich: Jesus von Nazareth ist der Messias, auf
dessen Wiederkunft Juden und Christen gemeinsam hoffen.
Wenn im Jugendgottesdienst eine Salbung durchgeführt
wird, so kann darin der Wunsch zum Ausdruck kom-men, dass der Geist
Gottes auf der gesalbten Person liegen möge. Zudem sagt man
mit einer Salbung: Du bist mir sehr kostbar, deshalb salbe ich dich
mit kostbarem (auch wenn es heute nicht mehr allzu teuer ist) Öl.
Letztlich soll so ausgedrückt werden, dass der oder die Gesalbte
ebenfalls ganz eng zu Gott gehören soll - ein Vertreter oder
eine Vertreterin Gottes auf Erden.
Nun zum Vorgehen: Es bietet sich an, dass sich
immer zwei Personen gegenseitig salben. Dazu müssten freilich
Gefäße mit dem Öl oder der Salbe bereit stehen.
Dabei können sie sich gegenseitig die Hände salben, sich
ein Kreuzzeichen auf die Stirn malen oder sich den Kopf salben.
Dazu kann ein Spruch gesagt oder ein Segen gesprochen werden. Wer
sich gegenseitig Kopf oder Hände einreiben will, sollte ruhig
fest zupacken. Ein lasches Zugreifen mag nämlich schlüpfrig
und unangenehm wirken.
Das Öl kann man in jeder Drogerie kaufen.
Dort gibt es Haut- oder Massageöl. Zur Not kann man das Salböl
auch aus Hautcreme mit ein paar Tropfen ätherischen Öls
selber machen. Dabei sollte freilich daran gedacht werden - sowohl
beim gekauften, als auch beim selbst gemachten Öl - dass es
Männlein und Weiblein gibt. Mit anderen Worten: Der Duft sollte
recht moderat ausfallen. Mädels stehen nicht immer auf Moschus,
Jungs nicht auf Rosenduft.
Beim Massageöl sollte natürlich auch
keines verwendet werden, das die Haut übermäßig
erwärmt. Sonst werden die gesalbten Kreuze ganz schnell zum
Kainsmahl, abgesehen davon, dass das auch sehr unangenehm sein kann.
Wenn ihr schon in der Drogerie seid, dann könnt ihr gleich
noch Tücher zum Abputzen mitbringen. Die sollten mit einer
Wasserschüssel bereit stehen, damit sich jemand das Öl
abwaschen kann, wenn er es nicht mag oder zu viel genommen hat.
Durch die Salbung kann Nähe im Gottesdienst
erfahren und ausgetauscht werden. Das ist ihre Stärke. Sicherlich
sollte sie nur in Gruppen eingesetzt werden, die sich schon kennen,
oder zumindest deutlich auf freiwilliger Basis im Jugendgottesdienst
angeboten werden. Dann kann das Salben - wie gesagt - eine sehr
schöne und auch innige Erfahrung sein, die nicht nur etwas
mit mir und meinem Gegenüber zu tun hat, sondern auch mit mir
und Gott. Die Aktion kann aber auch - und da sollte man sich drauf
einstellen und damit umgehen kön-nen - von einigen Teilnehmern
als anzüglich oder abstoßend empfunden werden.
Fußwaschung
Ebenfalls ein Brauch aus biblischer Zeit ist die Fußwaschung.
Jesus wäscht seinen Jüngern beim letzen Abendmahl die
Füße (Johannes 13) zum Zeichen, dass er sich nun auf
seinen Leidensweg, in die Knechtschaft begibt. Die Fußwaschung
war damals die Aufgabe von Sklaven.
Vom »Ritus« her gleicht sie der
Salbung, nur halt mit Fußbad vorher. Will meinen: Die Füße
werden von jemandem gewaschen und anschließend mit Öl
oder Salbe eingerieben.
Es stellt sich natürlich die Frage, warum
wir heute noch eine Fußwaschung machen sollten. Wir haben
gemeinhin keine Sklaven, die unsere Füße waschen müssten,
noch müssen wir im Alltag jemand anderem die Füße
waschen, noch gibt es in irgendeiner Form das Ritual bei uns - vor
der Kirche waschen wir uns auch nicht speziell die Füße.
Beim Markt der Möglichkeiten auf dem Frankfurter
Kirchentag konnten wir beobachten, wie gut das Angebot der Fußwaschung
(sich waschen zu lassen oder sich mit einem Freund / einer Freundin
gegenseitig die Füße zu waschen), das gleich mehrere
Stände anboten, angenommen wurde. Böse Zungen behaupten,
das hätte allein etwas mit den weiten Hallen und den schweren
Beinen zu tun, aber das kann es wohl nicht nur gewesen sein. Die
Meisten, mit denen wir uns unterhielten, haben die Fußwaschung
ausdrücklich als Akt der Nächstenliebe aufgefasst und
praktiziert.
Vielleicht, um im Sinne von Philipper 2,3f.
so etwas wie Demut einzuüben. »Tut nichts aus Eigennutz
oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern
höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine,
sondern auch auf das, was dem andern dient.«
Der Heidelberger Theologieprofessor Klaus Berger
findet übrigens für diesen schönen, leicht antiquiert
wirkenden Begriff eine hübsche Definition: »Wir kennen
alle die Redewendung: das Gras wachsen hören. Wer das Gras
wachsen hört, ist gut dran. Denn er erkennt die Trends der
Zeit, hat den entscheidenden Wissensvorsprung. Denn was ist wichtiger,
als die Zukunft zu kennen? Nur zwei Bedingungen gibt es, dieses
Wissen zu erlangen. Wer das Gras wachsen hören will, muß
sehr still sein. Und er muß sich tief, sehr tief hinunterbeugen.
Bis da unten hin, wo überhaupt und immer etwas wird und entsteht.
Die Bibel nennt dieses Sich-Beugen Demut.« (1999: 22)
Segnungen
»Meinen Segen hast du«, sagen wir manchmal, wenn wir
mit etwas einverstanden sind, oder »welch ein Segen«,
wenn wir erleichtert sind, weil wir etwas Schlimmes erwartet hatten.
Der Segen steht an der Schwelle von Gottesdienst und Alltag - üblicherweise
ist er auch das letzte Wort im Jugendgottesdienst.
Begeleitet wird der Segen von einen Segensspruch
oder einem Segensgebet. In den meisten Fällen gehört noch
eine Segensgeste dazu.
Der bekannteste und der im Hauptgottesdienst
übliche ist der so genannte »Aaronitische Segen«.
Er steht im Buch Numeri, dem 4. Buch Mose (Kapitel 6,24-26).
Der Herr segne dich und behüte dich;
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir
gnädig;
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Natürlich gibt es auch jede Menge anderer
Segenssprüche, allen voran sicherlich die bekannten und beliebten
»Irischen Segen«. (Der Herr sei über dir, neben
dir, hinter dir, dich zu bewahren vor allem Übel, auf allen
deinen Wegen, etc. pp.)
Die typische Segensgeste wie sie beim Segen
zum Schluss des Gottesdienstes zumeist eingesetzt wird, sind die
nach oben ausgebreiteten Hände. Aber auch Handauflegen - das
kennen die meisten von der Konfirmation - ist ein solcher Gestus.
Ebenso wie ein Kreuz über jemandem zu ziehen oder eines auf
die Stirn zu malen. Dahinter steckt freilich die Vorstellung, dass
ein Segen so etwas wie eine geheimnisvolle Kraft ist, die sich von
Mensch zu Mensch übertragen lässt. Dabei ist der Mensch
wohlgemerkt immer nur der Mittler oder das Werkzeug, die Quelle
dieser Kraft ist Gott selbst.
Daran schließt sich die Frage an: »Wer
darf überhaupt segnen?« - nur ein Pastor oder Priester
oder darf das im Prinzip jeder tun?
Es ist ja oben schon angedeutet worden: Wenn im Got-tesdienst gesegnet
wird, dann geschieht das nicht - so ist zumindest das Verständnis
- weil der oder die Segnende so toll ist oder irgendein Amt bekleidet,
sondern weil Gott durch diese Person hindurch die Gemeinde oder
einen anderen Menschen segnet. Zudem werden an dieser Stelle evangelische
Christen das Priestertum aller Gläubigen dementsprechend hochhalten.
Ergo dürfte kein Unterscheid darin bestehen,
ob nun der Pfarrer oder der Konfi die Segnung macht. In beiden Fällen
muss Gott respektive der Heilige Geist gehörig nachhelfen.
Das ist freilich nur die sachliche Argumentation. Die gefühlsmäßige
kann einem Menschen sagen: »Das steht mir nicht zu, jemanden
oder gleich eine ganze Gruppe zu segnen.« Das muss man akzeptieren.
Was man auch nicht unterschätzen sollte, ist, dass gerade der
Segen an eine bestimmte Erwartungshaltung gebunden ist. (Manche
Pfarrer behaupten sogar, die Predigt könne ruhig schlecht sein,
wenn der Segen stimmt, sei trotzdem alles in Butter.)
So werden viele Leute sagen - und das müssen nicht in ersten
Linie Ältere sein - dass für sie der Pastor einfach zum
Segen dazu gehöre und sie Schwierigkeiten hätten, beziehungsweise
ihnen etwas fehlen würde, wenn ein Jugendlicher / eine Jugendliche
aus dem Vorbereitungskreis den Segen - vielleicht unsicher, vielleicht
»nur« vom Blatt gelesen - übernehmen würde.
Andere wiederum werden gerade das toll finden.
Ein weites Feld also, bei dem es eine Patentlösung nicht zu
geben scheint. Eine Meinung müssen sich die Leute bilden, die
den Gottesdienst verantworten.
Egal wofür sich der Vorbereitungskreis
entscheidet, er sollte wissen, dass man es nie allen Recht machen
kann - das muss im Übrigen auch nicht sein: Ein konturloser
und unstrittiger Jugendgottesdienst wird schnell langweilig.
Der Segen sollte unbedingt am Ende des Gottesdienstes stehen. Dabei
könnte wie oben beschrieben einer allein den anderen den Segen
zusprechen. Freilich ist hier nicht nur der Aaronitische Segen möglich,
sondern auch andere Segenformeln, die sich zur Genüge in der
Literatur finden lassen. Zum Beispiel:
Es segne uns, heute und alle Tage,
Gott, der Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.
Der Alternativen gibt es viele - hier ein paar
übliche: Statt des Segens, den einer allen anderen zuspricht,
können sich die Gottesdienstteilnehmer den Segen gegenseitig
zusagen. Sie legen sich einander die Hand auf oder malen sich ein
Kreuzzeichen auf die Stirn (das kann auch mit der Salbung verbunden
werden) und sagen sich einen Segensspruch zu. Beispielsweise: »Gott
segne und behüte dich«.
Vieles ist da möglich - vielleicht lässt sich die Essenz
des Jugendgottesdienstes auch in einem Spruch abbilden (Zum Thema
»Trost«: Der Herr sei immer bei dir, auch wenn du traurig
bist.«). Dabei kann eine regelrechte Segenskette gebildet
werden oder jeder segnet seinen Nachbarn oder seine Nachbarin. Ebenso
können alle gemeinsam ein Segensgebet sprechen. Die oben genannten
»Irischen Segen« eignen sich gut dazu. Als weitere Alternativen
stehen Segenslieder bereit. Zum Ausklang des Jugendgottesdienstes
könnten alle ein Lied in der Art von »Komm Herr, segne
uns« oder »Herr, wir bitten komm und segne uns«
singen.
Friedensgruß
Der Friedensgruß ist auch eher ein Element, das man gegen
Ende des Jugendgottesdienstes einsetzt - und ansonsten vor allem
im katholischen Gottesdienst, aber auch in jedem evangelischen Abendmahlsgottesdienst
ein festes Element (»Nun gebt einander ein Zeichen des Friedens«).
Er ist ein Zeichen des Aufeinander-Zugehens und der Versöhnung.
Vor oder nach einem eventuellen Abendmahl oder an einer anderen
dafür vorgesehenen Stelle im Gottesdienst gehen die Besucher
aufeinander zu - meistens wird das der Nachbar sein oder eine Person,
die man besonders gern hat - und umarmen sich als Zeichen des Friedens.
Man kann freilich niemanden zwingen, einen anderen
zu umarmen. Ein Händedruck reicht an dieser Stelle auch. Dabei
sprechen sie sich »Friede sei mit dir« oder einen ähnlichen
guten Wunsch zu. Die Gottesdienstteilnehmer zeigen so ihre Verbundenheit
in Jesus Christus.
Mit dem Friedensgruß können freilich
andere Komponenten verbunden werden. Beispielsweise könnten
die Gottesdienstteilnehmer kleine Präsente austauschen, die
im Jugendgottesdienst hergestellt wurden oder die der Vorbereitungskreis
besorgt hat.
Im Friedensgruß wird die Zuwendung Gottes durch einen Menschen
spürbar und versinnbildlicht. Dennoch: Was dem einen ein wohliges
und inniges Erlebnis ist, ruft beim anderen gemischte Gefühle
hervor. Erzwingen - das wurde oben schon gesagt - kann man eine
Umarmung nicht.
Die Vorbereitungsgruppe sollte sich, wenn sie das Element einsetzten
will, noch einmal die zu erwartende Besucherstruktur vor Augen halten.
Kommen Fremde zusammen oder kennen sich die Leute aus dem Jugendbereich
und aus Gemeindegruppen? Ist zu erwarten, dass jemand augegegrenzt
werden könnte und wenn ja: Wie kann man es verhindern?
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