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"Gottedienste
werden immer harmloser"
EIN GESPRÄCH MIT HANS-MARTIN LÜBKING
DR. HANS-MARTIN LÜBKING IST DIREKTOR DES PÄDAGOGI-SCHEN
INSTITUTS DE EVANGELISCHEN KIRCHE VON WESTFALEN. ZU DEN AUFGABEN
DES INSTITUTS GEHÖRT NEBEN DER FORTBILDUNG VON LEHRERN AUCH
DIE AUSBILDUNG DER VIKARE UND DIE FORTBILDUNG VON PFARRERN. DIE
BESCHÄFTIGUNG MIT JUGENDGOTTES-DIENSTEN ZÄHLT LÜBKING
ZU SEINEN HOBBIES, WORAUS U.A. 1996 DIE BUCHREIHE "GOTTESDIENST
FÜR JUGENDLICHE" ENTSTAND, IN DER ZU JEDEM PREDIGTSONNTAG
VORSCHLÄGE GEMACHT WERDEN, WIE AUCH DIE JUGENDLICHEN ANGESPROCHEN
WERDEN KÖNNEN.
Wo immer zwei oder drei kirchlich interessierte
Jugendliche zusammenkommen hört man die gleichen Klagen: Es
gäbe entweder gar keine oder zu wenige oder unattraktive Jugendgottesdienste
bei ihnen. Erfolgsmeldungen oder Zufriedenheit vernehmen wir wenig.
LÜBKING: In Westfalen zumindest war die
wesentliche Zeit der Jugendgottesdienste in den 60er Jahren und
in der ersten Hälfte der 70er. Damals wurde insgesamt viel
über Kirchenreformen nachgedacht. In diesem Zuge haben sich
auch neue Gottesdienstformen entwickelt. Später ist der Trend
eher hin zu Familiengottesdiensten gegangen. Diese Angebote für
Eltern vor allem mit kleinen Kindern haben im Bewusstsein vieler
die Funktion der Jugendgottesdienste übernommen.
Obwohl Familiengottesdienste eine andere Gruppe
ansprechen?
Ja, das ist erstaunlich. Dass die Jugendgottesdienste
weniger geworden sind, hat allerdings auch mit einem gewachsenen
Interesse am Konfirmandenunterricht zu tun. Das hat es so in den
60er Jahren nicht gegeben. In den 70er, 80er Jahren gab es enorme
Reformbewegungen im Konfirmandenunterricht. Da sollte es Gottesdienste
von den Konfirmanden selber geben, und das sollte dann das Feld
der Jugendgottesdienste mit abdecken: Konfirmandinnen und Konfirmanden
bereiten eigene Gottesdienste für die Gemeinde vor. Das mag
im Bewusstsein verdrängt haben, dass nicht alle Jugendlichen
13 oder 14 Jahre alt sind. Konfirmandinnen und Konfirmanden beschäftigen
andere Themen als 16- oder 17-Jährige.
In den 80ern ist in punkto Jugendgottesdienst viel verschlafen worden.
Es hat wenig Beschäftigung mit Jugendlichen gegeben. Auch augenblicklich
tut sich bei uns nicht sehr viel. Im katholischen Bereich gibt es
da wesentlich mehr Bewegung.
Ist das nicht vielleicht auch eine Frage der
Akteure: Wer fördert den Jugendgottesdienst? Wir haben den
Eindruck, es geht oft nach den Arbeitskapazitäten, gerade der
Hauptamtlichen.
Es hat viel mit den Akteuren selbst zu tun,
das sehe ich auch so. Aber man muss viele Pfarrer auch verstehen.
Eine gängige Erklärung ist doch: "Meine Aufgaben
sind größer geworden in der letzten Zeit; ich weiß
auch, dass ich Jugendgottesdienst eigentlich machen müsste;
ich komme aber nicht dazu. Wenn sich natürlich bei mir fünf
Jugendliche melden würden und würden sagen 'wir wollen
einen Jugendgottesdienst machen' - wunderbar, dann mache ich den.
Alles selbst anleiern, fünf Jugendliche erst mal anrufen und
ansprechen und über die Zeit begleiten, das schaffe ich zur
Zeit nicht."
Ist denn das konstituierende Element des Jugendgottesdienstes, dass
Jugendliche in der Vorbereitung dabei sind, dass vielleicht auch
ein Sozialpädagoge noch dabei ist, und dass wir immer eine
ganz kreative, spaßige Aktion machen? Denn mit einem solchen
Anspruch kann man natürlich viele Jugendgottesdienstwünsche
abbügeln.
Das ist sicher nicht zu schaffen - und das muss
auch nicht sein. Ich wohne in der Gemeinde Dortmund Mitte, einer
sonst eher konservativen Gemeinde. Da findet seit 30 Jahren einmal
im Monat Jugendgottesdienst statt. Dieser Jugendgottesdienst ist
nicht aufwendig, mit einfachen Mitteln gemacht und in der Vorbereitung
nicht mehr schwer. Aber er läuft, über so lange Zeit.
Das finde ich erstaunlich und ein gutes Beispiel, an dem man sich
orientieren kann. Mehr muss es nicht sein. Zunächst mal.
Wer kommt dann? Die Konfirmanden, weil die
sowieso einmal im Monat....
Nein. Das Interessante ist: Ein- oder zweimal
im Jahr findet dieser Jugendgottesdienst als Hauptgottesdienst statt
- und dann ist die Kirche voll. Ansonsten findet dieser Jugendgottesdienst
Sonntagabend statt, und da kommen 40 oder 50 Leute, nicht nur Jugendliche.
Und was macht Ihrer Meinung nach dann einen
Jugendgottesdienst aus?
Ein Jugendgottesdienst ist dann ein Jugendgottesdienst,
wenn er in der Vorbereitung und Planung und in der Durchführung
wesentlicher Teile Jugendliche mit einbezieht. Er definiert sich
meines Erachtens nicht darüber, dass es keine Lesung gibt,
kein Glaubensbekenntnis oder ähnliches. Jugendgottesdienst
definiert sich über diejenigen, die ihn halten..
Hat der Jugendgottesdienst Ziele?
Der Jugendgottesdienst ist zunächst einmal
auch ein Gottesdienst, d.h. er hat auch das Ziel und die Intention
eines Gottesdienstes. Es geht nicht darum, Jugendliche in die Kirche
zu locken. Es muss auch etwas für die Jugendlichen dabei herausspringen.
Sie müssen den Gottesdienst als eigene Lebens- und Glaubenshilfe
erleben können.
Spektakulär und viel beachtet sind derzeit
Event-Gottesdienste oder Techno-Gottesdienste. Die Trägerschaft
ist meistens freikirchlich oder geschieht in größeren
Kooperationen. Ist das die Richtung, in die sich Jugendgottesdienste
entwickeln müssen?
Es ist nicht unbedingt immer meine Frömmigkeit,
die da zutage tritt. Ich kann aber nachvollziehen, dass es Jugendliche
gibt, die sich da sehr wohl und aufgehoben fühlen. Wir haben
bei uns in Westfalen - und vermutlich nicht nur hier - insgesamt
einen Trend zu mehr Show-Elementen in Gottesdiensten. Meine Vorstellung
von Gottesdienst geht in eine andere Richtung. Der Gottesdienst
sollte eigentlich ein Treffpunkt sein, wo man miteinander reden
kann, wo aber auch die Probleme, die zur Zeit in dem Ortsteil anstehen,
besprochen werden können. Das ist etwas anderes als dieses
von vorne runtergespulte Programm.
Wir wissen, dass es auf der einen Seite den
Wunsch gibt nach dem Motto: "Wenn bei uns gar nichts läuft,
dann wollen wir lieber einen Tingelgottesdienst. Der vorbeikommt,
bei uns gehalten wird und dann weiter zieht. Und da erwarten wir
im Zweifelsfall, dass der Jugendpfarrer sich darum kümmert
und das übernimmt und dass der eine Band dabei hat." Auf
der anderen Seite wünschen sich viele Jugendliche ja gerade
den Raum, eigene Gottesdienste alleine zu verantworten, bei sich
im Gemeindehaus und nicht irgendwo als zentrale Veranstaltung.
Das alles hat enge Berührungspunkte auch
mit einer veränderten Form des normalen Sonntagsgottesdienstes.
So wie wir sie im Grunde in der Buchreihe "Gottesdienst für
Jugendliche" anregen. Da setzen wir beim normalen Sonntagsgottesdienst
an, weil der eben der Normalfall ist, den wir verändern wollen.
Mit der Idee dahinter: Wenn sich dieser Sonntagsgottesdienst an
der Gruppe der Jugendlichen orientiert, dann wird er automatisch
interessanter - dann finden ihn andere auch interessanter. Das ist
dann noch kein Jugendgottesdienst. Aber ein attraktiver, lebendiger
Hauptgottesdienst kann das Interesse verstärken, auch Jugendgottesdienst
zu machen. Denn auch wenn sich Jugendliche im Sonntagsgottesdienst
wieder finden, brauchen sie ab und an ihren eigenen Jugendgottesdienst,
vor allem auch als Treffpunkt. Wenn dann Erwachsene dazu kommen,
werden sie ja nicht rausgeschmissen, sie können sich ganz normal
beteiligen - aber der Jugendgottesdienst hat eben einen anderen
Charakter.
Wer vom Kirchenpersonal ist denn für den
Jugendgottesdienst zuständig?
Ansprechpartner für Jugendgottesdienste
sind in erster Linie die Pfarrerinnen und Pfarrer der Gemeinden.
Das steht auch in der Regel in der Dienstordnung, meist noch etwas
altmodisch ausgedrückt als Auftrag, die Jugend zu sammeln.
Verantwortlich ist laut Kirchenordnung aber das Presbyterium. Dann
gibt es in den meisten Kirchenkreisen einen Jugendpfarrer oder eine
Jugendpfarrerin, die sich auch für Jugendgottesdienste verantwortlich
fühlen sollten. Und natürlich die Jugendreferenten, die
auch meist beteiligt sind und die oft den Kontakt zu den Jugendmitarbeitern
herstellen.
Einen kreiskirchlichen
Beauftragen für Jugendgottesdienst, wie für die Konfirmandenarbeit
oder den Kindergottesdienst, gibt es nicht?
Nein, das gehört mit zum Aufgabenbereich
der Jugendpfarrer.
Aber wie sieht es in der Praxis aus? Wir hören
regelmäßig, dass Initiativen schnell scheitern. Z.B.
daran, dass der Gemeindepfarrer sagt: "Ich hab keine Zeit,
das auch noch zu machen." Wo sich die Frage aufdrängt:
Muss er denn überhaupt irgendwas machen? Wir haben z.B. sehr
gute Erfahrungen gemacht mit einer Reihe von Jugendgottesdiensten,
die nur von Konfirmierten und etwas Älteren vorbereitet und
durchgeführt wurden. Da gab es keinen Pfarrer dabei.
Das ist eben gut protestantisch. Der Pfarrer
macht den Gottesdienst nicht komplett. Ich glaube, dass sich wirklich
etwas ändert, wenn Leute selber aufstehen und sagen: "Wir
machen das jetzt einfach." Dann werden nicht viele widersprechen.
Wir machen die Beobachtung:
Wenn Leute einmal ihre guten Erfahrungen mit Kirche und Gottesdienst
gemacht haben, sind sie auch später gerne wieder ansprechbar.
Für eine solche Verbindung müssen aber irgendwann mal
die Grundsteine gelegt werden.
Richtig. Grundsteine sind z.B. Schulgottesdienste.
Schulgottesdienste, in denen Schüler viel selber übernehmen.
Oder Gottesdienste in der Konfirmandenzeit - nicht einer, sondern
mehrere, die sie selber machen. Wo diese Erfahrungen vorhanden sind,
wird es auch eher Jugendgottesdienste geben.
Uns interessiert noch mal die Sache mit den
Initiatoren. Zum einen meinen wir, dass Jugendliche es selbst in
die Hand nehmen müssen, Jugendgottesdienste zu feiern - das
sollte zumindest der Normalfall sein. De facto hängen aber
viele Jugendgottesdienste - gerade solche mit Historie - von engagierten
Pfarrern oder Sozialpädagogen ab, die einen Vorbereitungskreis
immer wieder neu aufbauen. Aber es sind eben nur wenige Hauptamtliche,
die sich Jugendgottesdienste zur großen Aufgabe machen. Sie
haben im zweiten Band von "Gottesdienst für Jugendliche"
geschrieben, dass ein Einwand gegen dieses Buch war, man brauche
damit mehr Zeit, den Gottesdienst vorzubereiten. Sie haben entgegnet,
dass die gängige Praxis, den Gottesdienst am Samstagabend vorzubereiten,
den Gottesdienst wirklich eher überflüssig mache. Liegt
es daran?
Das ist immer noch ein wesentlicher Grund. Es
ist die grundsätzliche Schwierigkeit der Pfarrerinnen und Pfarrer,
ihre Arbeit zu planen. Ich sage das aus eigener Erfahrung, ich war
lange genug in der Gemeinde. Im Durchschnitt habe ich 70 Gottesdienst
im Jahr gemacht, wenn man alle zusammenzählt. Wenn das so viele
Gottesdienste sind, dann arbeitet man sie hintereinander ab. Dabei
vergisst man zu planen und zu sagen: "Der Monat hat mindestens
vier Sonntage. Am ersten Sonntag mache ich Familiengottesdienst
mit Taufe, der zweite Sonntag ist ein normaler Gottesdienst und
der dritte Sonntag ist dann aber ein besonderer Gottesdienst mit
Jugendlichen." Eine solche Struktur in die Gottesdienstfolge
zu bekommen ist sehr hilfreich.
Wenn wir Sie richtig verstehen sind Jugendgottesdienste,
Kindergottesdienste und andere Veranstaltungen nicht dazu da, um
auf den einen gemeinsamen Gottesdienst hinzuführen, sondern
sie haben alleine für sich ihre Berechtigung. Ja. Es gibt aber
durchaus Stimmen, die sagen, eigentlich ist nur der Gottesdienst
legitim, der für alle da ist.
Auch der normale Sonntagsgottesdienst ist kein
Gottesdienst mehr für alle. Er ist de facto ein Zielgruppengottesdienst
für ältere und für kirchlich sozialisierte Personen
geworden. Man muss das auf zwei, drei Gottesdienstformen verteilen,
damit der Gottesdienst für alle da sein kann.
Wenn wir verschiedene Gottesdienste erleben,
dann finden wir oft nicht mehr nur, dass sich da was tun muss, sondern
dass es einfach unverschämt schlecht ist, was zum Teil geboten
wird.
Die Gottesdienste werden immer harmloser. Man
weiß oft gar nicht mehr, warum man da hingehen soll. Und das
geht nicht nur mir so, das geht inzwischen vielen anderen auch so.
Was wir zur Zeit erleben, nämlich so eine Art liturgische Renaissance,
führt eher genau in die falsche Richtung. Dadurch werden die
Gottesdienste nicht spannender oder aktueller. Und die Gottesdienste
sind häufig auch - wie Sie sagen - schlecht gemacht, handwerklich
schlecht gemacht.
Die großen Events mit sehr viel Planung
garantieren aber auch keine Erbauung. Gerade bei den Fernsehgottesdiensten
herrscht pompös aufgemotzte Inhaltsarmut mit Symphonieorchester
und blockflötenuntermalter Diashow.
Predigten zeichnen sich heute nicht selten dadurch
aus, dass sie die Qualität eines alltäglichen Besinnungsaufsatzes
haben. Da fängt es schon so an, dass man die ersten Minuten
vom Prediger zu hören bekommt, womit er sich schwer getan hat,
welche Gefühle er dabei hatte - das will ich doch gar nicht
wissen. Das muss man doch erledigt haben, wenn man auf die Kanzel
geht. Die Predigt ist eine Rede, und für eine Rede gibt es
rhetorische Regeln. Da muss man wissen, wie man eine Rede anfängt
und was man in der Mitte sagt, um die Spannung beizubehalten bei
den Hörern, und wann es Zeit ist für das Amen.
Wie kriegen wir die Pfarrer fit?
Wir brauchen wirkliche Überprüfungsformen.
Deswegen bin ich immer so froh, wenn die LJV in die Gottesdienste
geht, und sagt: durchgefallen, durchgefallen.
Ist mehr Wettbewerb sinnvoll?
Ein regelmäßiger Kanzeltausch sollte
selbstverständlich sein. Aber wir brauchen auch eine Beschreibung
von Qualitätsmerkmalen pfarramtlicher Arbeit. Es muss möglich
werden, dass der Superintendent oder ein Beauftragter einem Pfarrer
sagt, er solle nach 10 Jahren Pause endlich mal wieder eine Fortbildung
besuchen.
Das Problem ist bekannt und viel Schlaues ist
dazu geschrieben. Aber ist wirklich alles so hochkompliziert? Haben
Jugendliche sich verändert? Die Erfahrung zeigt doch, dass
der Jugendgottesdienst immer noch läuft, wenn der Rahmen stimmt.
Es gibt klassische Themen, die junge Leute im
Alter von 14 bis 22 ansprechen. Die gibt es nach wie vor, und da
muss ich nicht den neuesten Trends nachhecheln. Verändert hat
sich die Bereitschaft Erwachsener, sich mit Jugendlichen wirklich
auseinander zu setzen. Wobei ich sagen muss: Auch Jugendliche haben
wenig Interesse, sich mit Erwachsenen auseinander zu setzen. Es
gibt wenig Reibung. Im Grunde brauchen wir auch einmal Erwachsene,
die dagegen halten. Das ist ja eine ganz besondere Form des Ernstnehmens.
Man spricht von einer Renaissance von Religiosität
und Spiritualität ganz allgemein. Auch Jugendliche seien wieder
stärker ansprechbar. Aber es wird bemängelt, dass es sich
dabei nicht mehr um die klassischen Formen handelt, sondern um Patchwork-Religiösität.
Wer hat heute schon eine Vorstellung von leiblicher Auferstehung?
Sind die Pfarrer da überfordert? Oder wird da nicht die Frage
aufgeworfen, in wie weit man überhaupt zu Elementarisieren
hat, was die Verkündigung angeht?
Was man hier bei Jugendlichen feststellt, stellt
man bei Erwachsenen genauso fest. Die haben auch eine Form von Patchwork-Religiösität.
Lassen wir uns doch darauf ein. Es wird sich zeigen, dass die biblische
Theologie eher das Befreiende ist und das andere die Warenhausmentalität.
Was bedeutet das für die Praxis - biblische
Theologie im Jugendgottesdienst? Müssen wir stärker Zusammenhänge
darstellen, mehr Geschichten erzählen, mehr elementarisieren?
Auch Jugendliche wollen nicht auf den Ernst
und die Tiefe biblischer Geschichten verzichten. Sie sollen nicht
irgend etwas hören, was sie woanders genau so gut hören
oder erleben können. Gottesdienst hat einen Mehrwert, und der
muss spürbar werden.
Sollten sich Jugendgottesdienste also auch
mehr vom Text her leiten lassen, anstatt ein Thema als Ausgangspunkt
zu wählen?
In der Praxis kann jeder die Erfahrung machen,
wie lohnend es ist, sich von Texten und biblischen Geschichten inspirieren
oder leiten zu lassen. Weil man nämlich sonst bei Themen immer
schnell bei seinen Lieblingsgedanken ist. Man dreht sich mit der
Zeit im Kreise. Man will was unterbringen. Und die Texte sind manchmal
sehr sperrig. Wenn man sich aber darauf einlässt, dann kann
man den biblischen Texten viel entnehmen.
Wird es nicht immer schwieriger, mit Bibeltexten
zu arbeiten - auch bei neuer Übersetzung? Es fängt schon
bei Begrifflichkeiten an, mit denen Jugendliche nichts anfangen
können. Die Geschichten des Alten und Neuen Testaments sind
auf den ersten Blick doch sehr weit vom Leben heutiger Jugendlicher
entfernt: Tieropfer, Ackerbau, Psalmengesänge, Propheten, römische
Legionäre...
Es gibt immer mehr zu überbrücken,
das stimmt. Weil der Abstand der Welten größer wird.
Man wird aber nicht sagen können, dass die Kinder heute weniger
mit biblischen Geschichten aufwachsen. Der Kindergottesdienst steckt
in vielen Gemeinden in der Krise; aber im Religionsunterricht der
Grundschulen wird zum Beispiel sehr viel gemacht. Es hat noch nie
so viele Kinderbibeln gegeben wie zur Zeit. Und Eltern kaufen die
durchaus auch. Und lesen vor oder verschenken sie als Paten. Was
sich geändert hat, das ist der Stellenwert. Die Geschichten
haften nicht mehr so lange. Das ist so in der allgemeinen Reizüberflutung
und bei der fehlenden sozialen Verankerung. Im Kinder-Kanal hat
die Bibel wöchentlich eine halbe Stunde Platz. Da müssen
wir dann im kirchlichen Raum um so engagierter arbeiten.
Vielen Dank.
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