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Erwartungen von Jugendlichen an ihren Jugendpfarrer
von Markus Barella


Er kam gerade wieder von einer mehrtägigen Konferenz zurück, Koffer und Stofftasche voller Unterlagen, was einen gefährlich wichtigen Eindruck machte. Schnaufend nahm er im Jugendausschuss Platz. "Wir haben gerade den Konfi-Tag geplant. Kannst du mit ein paar Konfis die Andacht vorbereiten?" Offenbar war TOP 28 einige Positionen nach vorne verlegt worden, schoss es dem Jugendpfarrer durch den Kopf, während er gekonnt abwehrte: "Also Freunde, das geht nun wirklich nicht, ich habe zur Zeit alle Hände mit dem Landesjugendplan zu tun und dem ganzen Murks, den Düsseldorf und Villigst da machen. Wenn ihr eine Andacht machen wollt, dann macht sie bitte selbst."

So oder so ähnlich könnte es in der Gemeinde XY sein. Allerdings sind meine Erfahrungen ein wenig anders. Meist kennt kein Mensch im Jugendausschuss den Synodaljugendpfarrer oder weiß, dass es eine solche Person überhaupt gibt (Pfarrer sind hier natürlich - wie immer - ausgenommen). In wieder anderen Fällen ist der Synodaljugendpfarrer überhaupt nicht aktiv und füllt dieses Amt lediglich auf dem Papier aus. Speziell letztere Spezies kennen die Bedeutung ihrer Amtes nicht und wurden meist mehr in das Amt gedrängt als dass sie es aus Überzeugung gewählt hätten.

Das Thema Jugendgottesdienst und Jugendpfarrer bewegte die Mitglieder der LJV schon seit einiger Zeit. Daher vereinbarte man, sich auf dem LJV Treffen am 25. September 1999 in Rietberg (Kirchenkreis Gütersloh) diesem Schwerpunktthema zu widmen. Hierzu lud man alle Synodaljugendpfarrer der Kirchenkreise ein - und ganze vier kamen auch. Es entwickelte sich eine spannende Diskussionen über die Aufgabenbereiche der (synodalen) Jugendpfarrer. Die Diskussion wurde LJV-seitig fortgeführt, der Tenor bleibt: Jugendliche (als Jugendmitarbeiter) sehen die Aufgaben eines Jugendpfarrers in einigen wesentlichen Punkten anders, als die Jugendpfarrer selbst. Denn während sich die Pastoren - wie übrigens auch die meisten Pädagogen - vor allem als Begleiter und Fürsprecher verstehen, wollen Jugendliche und Jugendmitarbeiter handwerkliche Arbeit: die arbeitsame Mitwirkung im eigenen, im Aufbau befindlichen Vorbereitungskreis oder sogar den fertigen Jugendgottesdienst. Die Gegenargumente sind bekannt, aber aus Jugendsicht nicht stichhaltig:

"Wenn ich damit erst in einer Gemeinde anfange, ...."

Ein guter Anfang würde uns schon gefallen. Dass deshalb plötzlich alle Gemeinden des Kirchenkreises die Hilfe des Jugendpfarrers für ihre wöchentlichen Jugo-Kreise einfordern, ist wohl eher eine Selbstüberschätzung der Nachfrage: Es wird mit Sicherheit Gemeinden geben, die den Jugendpfarrer - so lieb er auch dreinblicken mag - um keinen Preis der Welt haben wollen.
Für Jugendgottesdienst-Vorbereitungskreise gelten die Standards der gesamten Jugendarbeit: Der Hauptamtliche sollte nicht der Macher, sondern der Begleiter einer jeden Gruppe sein. Er ist oft nötig beim Aufbau einer neuen Gruppe, beim Start eines Projektes - sowie punktuell in Form von Beratungen und speziellen Dienstleistungen. Denn häufig wollen die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit unterstützt und nicht alleingelassen werden, was vor allem dann wichtig ist, wenn eine Vorbereitungsgruppe Misserfolge hatte oder auseinander zu brechen droht. Aber hierzu ist ein regelmäßiger Kontakt notwendig. Der Synodaljugendpfarrer kann sich auch als Multiplikator von guten Ideen und Konzepten verstehen und so frischen Wind in den Jugo-Kreis bringen. Warum nicht von Nachbargemeinden lernen, statt das Rad immer wieder neu zu erfinden?

"Dafür ist eure Gemeindepastorin zuständig..."

Keilerei unter Platzhirschen ist nett anzusehen und kein Grund, ein fremdes Revier zu meiden. Wo sonst sollte auch ein synodaler Pfarrer tätig werden, wenn die Gemeinden tabu wären? Sicherlich liegt die pastorale Aufgabe der Unterstützung von Jugendgottesdiensten zunächst bei der Gemeindepfarrerin. Doch möglicherweise beißt man sich bei ihr die Zähne aus und bekommt einfach keine Unterstützung für einen regelmäßigen Jugendgottesdienst. Und warum keine kompetente Hilfe von außerhalb holen?

"Wofür bezahlen wir denn die Jugendreferenten..."

Ob eine Gemeindejugend lieber mit dem Jugendpfarrer des Kirchenkreises oder einem Jugendreferenten - wenn es überhaupt einen gibt - zusammenarbeiten möchte, muss sie selbst entscheiden können. (Aus dieser Nachfrage sollte daher auch die weitere Personalentwicklung gefolgert werden.) Aber von der logischen Aufgabenverteilung her sollten für Gottesdienste zunächst mal eher die Theologen als die Pädagogen fachlich zuständig sein. Eine Unterstützung von beiden ist sicherlich besonders willkommen.

"Was soll ich denn noch alles machen..."

Nach dem Verständnis der Ehrenamtlichen sollte diese Frage tatsächlich mit ihnen besprochen werden: In Form des synodalen Jugendausschusses kann zum Beispiel geklärt werden, welche Arbeiten vom Jugendpfarrer erwartet werden. Ob die Teilnahme an der Sitzung des kommunalen Jugendhilfeausschusses die Vorbereitung eines Jugendgottesdienstes auszustechen vermag, müssen die Jugendlichen entscheiden.

Beim LJV-Treffen in Rietberg wurde nach der Diskussion mit den Jugendpfarrern von den ehrenamtlichen Jugendmitarbeitern als Erwartungen festgehalten:

- Der Jugendpfarrer initiiert von sich aus in Absprache mit den Jugendmitarbeitern in einzelnen Gemeinden Jugendgottesdienste bzw. Vorbereitungsgruppen. Brachland sollte es nicht mehr geben. Die berühmte "Begleitung Ehrenamtlicher" kann es nur geben, wo Ehrenamtliche sind und wo diese das auch wollen. Wo aber Jugendmitarbeiter fehlen, darf nicht automatisch der Jugendgottesdienst eingestellt sein / bleiben / werden.

- Der Jugendpfarrer muss den Ehrenamtlichen synodaler Ansprechpartner für Jugendgottesdienste sein. Diese Aufgabe darf sich nicht auf ein jährliches Seminar beschränken. Dazu muss er den Jugendlichen bekannt sein oder bekannt gemacht werden, was eine persönliche Vorstellung einschließt.

- Neben der persönlichen Unterstützung des Vorbereitungskreises muss vom Jugendpfarrer bzw. dem entsprechenden Amt vor allem auch organisatorische Unterstützung erwartet werden dürfen: Gibt es irgendwo eine Band, die im Gottesdienst spielen könnte? Hat jemand einen Entwurf für einen Jugendgottesdienst zu Ostern? Zur Klärung solcher Anfragen darf ein Jugendpfarramt ruhig mal rödeln. Die Unterstützung der konkreten Jugendarbeit muss immer Vorrang haben.

- Der Jugendpfarrer sollte im (gemeindlichen) Konfliktfall parteilich für das Anliegen der Jugendlichen eingreifen. Er sollte bei seinen Kollegen in den Gemeinden für Kinder- und Jugendgottesdienste werben, sie mit neuen Ideen versorgen (z.B. aus seinen Literaturbeobachtungen) und sie in ihren Jugendprojekten unterstützen.

Damit ist der Jugendpfarrer keineswegs der "Arsch vom Dienst", wie jemand auf dem LJV-Treffen seine Gefühle so schön beschrieben hat. Unbenommen werden Pfarrer, die sich seit Jahren im Jugendgottesdienst engagieren, Teams kommen und gehen sehen und immer wieder von vorne anfangen, oft genug enttäuscht: Natürlich sind Ehrenamtliche oft unzuverlässig, werden Vereinbarungen nicht gehalten, herrscht mal eine demotivierte Gesamtstimmung, bleibt doch wieder alles am Hauptamtlichen hängen. Nur: Des einen Job ist der anderen Freizeit. "Think positive, think different."




Dies ist ein Aufsatz aus folgendem Buch:

Christoph Urban / Timo Rieg (Hrsg.)
Kindergottesdienst und Jugendgottesdienst in Westfalen
- Für eine Kirche mit Zukunft
Aufsätze aus der Praxis

Ist der sonntägliche Kindergottesdienst ein Auslaufmodell? Haben Jugendliche ein Bedürfnis nach Jugendgottesdienst? Und welche Rolle spielen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter bei der weiteren Entwicklung?
Die LJV - eine unabhängige Vertretung evangelischer Gemeindejugend in der EKvW - hat in der Folge eines Seminarwochenendes zur Diskussion um Kinder- und Jugendgottesdienst eingeladen und die Beiträge in diesem Buch gesammelt: Statements, Modelle, Tipps für die Praxis.

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(ISBN 3-928781-70-7)


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