Von
Null auf Hundert
WIE MAN EIN KIGO-TEAM AUFBAUEN KANN
von Mona Rieg
Kindergottesdienst ist eine sehr dynamische Angelegenheit - sowohl
bei den Kindern als auch bei den Mitarbeitern. Komplette "Generationswechsel"
im Team stehen alle paar Jahre an. Manchmal gibt es dann aber statt
des Wechsels auch einen Bruch - und ein (hoffentlich nur vorübergehendes)
Ende. Dann braucht es allerhand Motivation (und Freiraum), ohne
Vorbilder und "alte Hasen" einen neuen Mitarbeiterstab
aufzubauen. Aber es geht - und es ist eine lohnende Sache. Gehen
wir hier also von der Situation aus: Ihr wollt Kigo machen und müsst
von Null anfangen.
Bevor ihr auch nur einen einzigen Handschlag
in die Organisation steckt, solltet ihr folgende Grundsatzfragen
klären:
- Möchte die Kirchengemeinde, dass ein wöchentlicher Kindergottesdienst
entsteht?
- Welche Räume stehen euch für Vorbereitung und Kigo selbst
zur Verfügung?
- Soll der Kigo parallel zum oder nach dem Erwachsenengottesdienst
stattfinden?
- Möchte die Pfarrerin / der Pfarrer mit dabei sein, oder überlässt
sie/er es euch?
- Wer hat die Leitung inne (Elter, Pfarrer, Jugendlicher, Jugendreferent)?
- Wie frei seid ihr in eurem Handeln, was den Kigo betrifft?
- Mit welchem Ziel wollt ihr einen Kindergottesdienst aufbauen?
l Steht ein kleines Finanzbudget zur freien Verfügung (für
Anschreiben, Werbung, Materialien)?
Wenn diese Fragen geklärt sind (wahrscheinlich
ergeben sich noch viele andere), dann könnt ihr an die konkrete
Umsetzung gehen. Ein Tipp an dieser Stelle vorweg: Es dauert lange,
bis ein zusammengewürfelter Haufen engagierter Menschen sich
soweit organisiert und vorbereitet hat, dass man tatsächlich
zum ersten Kindergottesdienst einladen kann. Und es ist sehr wichtig,
eine lange Vorbereitungszeit in Kauf zu nehmen - ein gut laufender
Kigo ist auch manche "Hungerphase" im Vorfeld wert!
Wie findet man Kindergottesdienstmitarbeiter?
Wenn ihr den Kigokreis aus Jugendlichen zusammensetzen möchtet,
dann fangt ihr am besten bei den Konfirmanden und den schon Konfirmierten
an. Die anzuschreiben oder anzurufen ist zwar Arbeit, aber das Ergebnis
sollte recht erfreulich sein.
Wenn ihr den Kreis erweitern wollt, bieten sich einige Möglichkeiten:
Ihr könnt Eltern zum Mitmachen anregen, vielleicht habt ihr
eine nette Presbyterin (einen netten Presbyter) in der Gemeinde,
die (der) sich Kigo vorstellen kann, ihr könnt den Jugendreferenten
bitten, euch zu helfen (die haben viel auf der Pfanne, einige haben
sogar eine zusätzliche theologische Ausbildung) oder ihr holt
euch Hilfe von außen aus Nachbargemeinden oder so. Wen auch
immer ihr fragt - wenn ihr genügend Menschen beieinander habt,
sollte ein erstes Treffen stattfinden, an dem Ort und Termin der
regelmäßigen Vorbereitung geklärt werden, die Art,
wie die Vorbereitung laufen soll und Wünsche und Ziele der
Einzelnen.
Kennenlernphase
Wenn euer Kigokreis sich nicht aus einer eingeschworenen Clique
zusammensetzt (was anzuraten ist!), dann sollten wenigstens zwei
Vorbereitungstreffen dem Kennenlernen dienen. Mit Spielen, erzählen
und einer Pizza-Runde aufs Haus erfährt man einiges über
den anderen, und es ist wichtig, dass das Team zu einer Gruppe wird,
die schließlich künftig gut zusammenarbeiten will! Gerade
bei einer solch sensiblen Thematik wie Glauben, die sehr privat
ist, die aber öffentlich gemacht werden muss im Rahmen einer
Gottesdienstvorbereitung, fällt es leichter zu diskutieren,
wenn man einander kennt.
Rahmenfestlegung und Liturgie
In der Gruppe muss geklärt werden, in welchem Rahmen der Kindergottesdienst
stattfinden soll. Soll er gemeinsam begonnen und beendet werden,
dazwischen Kleingruppen? Oder gibt es da ganz andere Ideen? Gibt
es vor dem Kigo eine Spielangebot für die Kinder? Oder noch
die Sendung mit der Maus im Anschluss? (siehe Seite 84)
Und es muss eine Liturgie erstellt werden. Hierzu gibt es natürlich
reichlich Vorlagen, die 1:1 übernommen werden können,
oder aber ihr kreiert euch eure eigene Liturgie. Eine Kombination
aus beidem ist wahrscheinlich das Sinnvollste: gucken, wie andere
Kigo-Liturgien aufgebaut sind gibt eine Orientierung, was so alles
in den Kigo reingehört. Aber die Texte für wiederkehrende
Gebete, die Begrüßung oder den Segen solltet ihr selbst
entwerfen. Der Segen muss ja nicht immer derselbe sein! Macht das
später vom Thema abhängig oder von der Jahreszeit oder
von eurer Befindlichkeit, aber sucht euch das aus, was ihr für
gut erachtet. Nur wenn eure eigene Liturgie "entsteht",
könnt ihr sie auch verinnerlichen, kann sie für euch wertvoll
sein.
Wenn ihr eine eigene Liturgie machen möchtet,
veranschlagt wenigstens vier Vorbereitungstreffen für diesen
Schritt. Denn ihr müsst nicht nur die Texte entwerfen und diskutieren,
dann verändern oder sogar verwerfen, sondern, wenn schlussendlich
alles steht, müsst ihr sie auch noch selbst lernen! Die Kinder
später werden über Wochen hin die festen Gebete und Texte
auswendig lernen, aber stellt euch den ersten Kindergottesdienst
vor, bei dem alle Mitarbeiter hinter ominösen A 5-Ordnern vergraben
sind und ihre Texte murmeln, weil sie sie selbst nicht können!
Nein: Die Liturgie muss einfach sitzen.
Lieder und Geschichten
Es gibt Hunderte von Liedern für den Kindergottesdienst. Manche
kennt ihr vielleicht, die meisten wahrscheinlich nicht. Also was
ist zu tun? Klar: Im Vorbereitungskreis wird gesungen. Ersingt euch
die Lieder (irgendwer kann bestimmt Gitarre spielen und Noten lesen),
nur dadurch könnt ihr letztendlich wählen, welche ihr
in euer Repertoire aufnehmen wollt und welche ihr langweilig oder
unschön findet. Jetzt müsst ihr euch ja nicht unbedingt
sechs Wochen lang wie zu einem Chor treffen - ihr könnt auch
generell am Anfang einer jeden Vorbereitung zwei bis drei Lieder
miteinander lernen und singen und dann jeweils entscheiden, ob ihr
das behaltet oder nicht. Sammelt die Lieder, die euch gefallen,
in einem eigenen Ordner, aus dem ihr dann später eine Art Kigo-Liederbuch
für eure Gemeinde macht.
Für die Lieder gilt übrigens Ähnliches
wie für die Liturgie: Stellt euch vor, es ist der erste oder
zweite Kindergottesdienst, die Kinder können die Lieder noch
nicht singen, sie sollen sie lernen - da braucht es wenigsten sangeskräftige
Mitarbeiter, die die Lieder schon beherrschen, damit nicht der totale
Einbruch passiert!
Geschichten spielen im Kindergottesdienst eine
ganz tragende Rolle. Sonntag für Sonntag geht es um einen biblischen
Text, der den Kindern nahegebracht werden soll. Diesen Text kann
man Kindern nicht einfach vorlesen (auch nicht aus einer sprachlich
neuer gestalteten Bibelübersetzung), denn die Kinder würden
ihn nicht verstehen. Man muss einen solchen Text zum Leben erwecken,
ihn so erzählen, dass er die Kinder angeht.
Um so erzählen zu können, müsst
ihr üben, üben und üben. Das Erzählen kann man
lernen, aber es ist ähnlich, wie einen guten Aufsatz zu schreiben;
anfangs holpert man sehr, je sicherer man wird, desto mehr kann
die Phantasie mit eingebracht werden, desto blumiger wird die Erzählung
und desto besser. Auch hier ist es wieder ein Plus, wenn man noch
lange vor dem ersten eigentlichen Kindergottesdienst die Zeit hat,
"trocken" zu schwimmen. Alleine das Erzählen zu üben,
solltet ihr für 6 bis 8 Wochen auf euer Programm setzen.
Ein Beispiel (nur um grundsätzlich etwas deutlich zu machen):
Bei der Heilung zweier Blinder heißt es: "Und als sie
von Jericho wegzogen folgte ihm viel Volk nach. Und siehe, zwei
Blinde, die am Wegrand saßen, hörten, dass Jesus vorüberging,
und schrieen: Herr, erbarme dich unser, du Sohn Davids!" (Mt
20, 29f.)
Im ersten Anlauf wird jeder versuchen, den Text möglichst dicht
an der Vorlage nachzuerzählen. Das hört sich dann so an:
"Also, ähäm, als also der Jesus und seine Jünger
von Jericho weggezogen sind, da, ähäm, kamen ganz viele
Leute aus dem Volk denen hinterher, ähäm, und dann saßen
da auf einmal zwei Männer, die konnten nichts mehr sehen, ähäm,
und als die Jesus hörten, da riefen sie..."
Das ist Spannung pur!!
Schauen wir uns die Erzählung aus Kindersicht mal an und stellen
Fragen:
- Wer sind denn die Jünger von Jesus? - Was ist denn Jericho?
- Und warum ist Jesus umgezogen? Und wohin?
- Wohnt Jesus denn jetzt mit den Jüngern zusammen?
- Und warum können die Männer nichts mehr sehen?
Das kann es also nicht sein. Im Kigo gilt: Der
Kern der Geschichte muss richtig rüberkommen, aber die stilistischen
Erzählmittel sind frei. Versucht eine Erzählung hinzukriegen,
die ähnlich wie ein Fernsehfilm wirkt: Für die Kinder
ist es nicht so wichtig, wo Jericho liegt, oder dass Jesus von dort
weggezogen ist, für die Kinder ist es wichtig, die Straße
vor sich zu sehen, auf der Jesus läuft. Kein Asphalt, vielleicht
noch nicht mal Steine, sondern staubiger Boden, der die Klamotten
schmutzig macht. Heiß brennende Sonne, Getrappel und Getrampel,
Gelächter und Geschrei, Kindergebrüll und eine Menge Krach,
weil so viele Menschen auf dieser Straße unterwegs sind. Wachsen
Pflanzen oder Bäume am Straßenrand? Liegen dort Dörfer,
laufen da Hühner oder Ziegen rum?
Und auch die beiden Blinden sind für die Kinder von Interesse:
Wo sitzen die genau, auf Stühlen, auf dem Boden - aber da ist
es doch dreckig? Wie können die wissen, dass Jesus da vorbei
kommt? Erzählt, wie es für die beiden Blinden ist, fordert
die Kinder auf, die Augen zuzumachen und sich ganz auf das Gehör
zu verlassen und dann erzählt von der Gruppe, von der Volksmenge,
die da vorbeikommt, was wohl nicht jeden Tag passiert, von dem Lärm,
von dem Zittern der Erde bei so vielen Füßen, erzählt
im weiteren Verlauf der Geschichte von dem Wunsch der beiden, doch
sehen zu können und von der Hoffnung, als Jesus vorbei kommt.
Eine Erzählung muss lebendig sein, damit sie interessant ist
und Kinder dem nach-denken können.
Zum Trainieren nehmt euch verschiedene Geschichten und bereitet
sie in Kleingruppen oder Einzelarbeit vor. Und dann erzählt
sie euch gegenseitig - oder immer einer vor der ganzen Gruppe, das
übt schon mal den "Publikumseffekt".
Zu guter letzt muss noch bedacht werden, ob ihr die Geschichte im
Eingangsteil allen Kindern erzählen wollt, oder für das
jeweilige Alter aufbereitet in den Kleingruppen. Für das erste
spricht z.B. wenn ihr einen Familiengottesdienst vorbereitet, den
alle Kleingruppen gestalten (Musterbeispiel: Arche Noah).
Für das Erzählen in den Kleingruppen
spricht, dass ihr genauer auf die Kinder eingehen könnt, sowohl
in der Erzählweise, als auch auf Fragen zu der Geschichte.
Umsetzung
Was genau passiert eigentlich in den Kleingruppen, die ja einen
erheblichen Teil des Kindergottesdienstes ausmachen?
Nun - so es so geplant wurde, wird hier zunächst natürlich
die Bibelgeschichte erzählt. Damit die Kinder daraus etwas
mitnehmen, oder sich die Geschichte besser behalten, wird sie "vertieft".
Und für diese Vertiefung ist alle Kreativität gefragt,
die ihr habt: Zu der Geschichte ein Bild malen ist recht traditionell,
aber trotzdem oft gut (viele Kinder malen sehr gerne). Gut kommt
bei Kindern auch Mandala-Malen an, wo die Kids bei schöner
- ruhiger - Musik noch mal über die Geschichte nachdenken.
Oder ihr bastelt was - am besten etwas, das die Kinder mit nach
Hause nehmen können, oder aber etwas, das im Gottesdienstraum
erhalten bleibt (auf Zeit natürlich). Ihr könnt töpfern,
Collagen erstellen, für die Ältesten bieten sich oft Diskussionen
an, die einen Gegenwartsbezug haben, ihr könnt Kleinigkeiten
zu essen machen oder mitbringen (so die Geschichte mit Essbarem
zu tun hat), ihr könnt rausgehen und draußen Dinge zur
Geschichte anschauen oder sammeln/suchen, vielleicht gibt es Spiele
zu einer bestimmten Thematik; der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Bewährt hat sich (und man hört nichts anderes aus anderen
Gemeinden), ergänzend zu einem text- und kopflastigen Eingangs-
und Schlussteil, etwas Musisches / Künstlerisches / Kreatives
/ Praktisches zu machen. Gerade von den Kleinen ist es einfach zu
viel verlangt, dass sie eine ganze Stunde nur sitzen und konzentriert
zuhören.
Was auch immer ihr euch ausdenken mögt: Behaltet im Kopf, dass
es nicht der "Bespaßung" der Kinder dienen soll,
also dem reinen Zeitvertreib, sondern dass ihr hier. Möglichkeiten
finden wollt, um den Kindern jeden Kindergottesdienst nachhaltig
in Erinnerung bleiben zu lassen.
Einladen und Werben
Eigentlich ist jetzt schon ein Großteil der Vorbereitung erledigt:
Ihr habt den Kindergottesdienst strukturiert und ihr wisst, was
ihr wollt, Ihr habt eine Liturgie entworfen und gelernt, ihr könnt
eure Lieder singen und Geschichten aus der Bibel erzählen.
Jetzt könnt ihr auch Kinder einladen, um mit ihnen gemeinsam
Gottesdienst zu feiern!
Legt einen ersten Kindergottesdiensttermin fest und entwerft ein
ansprechendes Plakat. Ähnlich wie bei einer Einladung zu einer
neuen Kindergruppe sollte folgendes draufstehen: Zeit, Ort und was
die Kinder erwartet (singen, beten, basteln, erzählen, ...).
Bitte spart nicht an den Kopierkosten, plakatiert eure Gemeinde
so gut es geht. Wenigstens zwei Wochen vor dem ersten Kindergottesdienst
sollten die Plakate hängen, und ihr werdet es erleben: Das
ist ein Gesprächsthema für Kinder, Eltern und Großeltern
in der Gemeinde!
Zusätzlich könnt ihr Handzettel machen und sie an den
entsprechenden Schulen verteilen. Oder ihr gebt sie den entsprechenden
Relilehrern. Besonders gut kommt auch, wenn ihr euch alle einen
Packen dieser Handzettel einsteckt und wann und wo auch immer ihr
ein Kind seht, ihr ihm einen solchen Handzettel gebt. Da können
die Kinder sofort nachfragen oder die Eltern, wenn sie dabei sind,
das ist das Werbewirksamste überhaupt.
Ein Wort zum Schluss
Wenn euer Kigo erfolgreich startet, dann habt ihr die ersten Wochen
unheimlich viele Kinder, vielleicht so viele, dass ihr gar nicht
wisst, wie ihr das hinkriegen sollt. Und auch, wenn ihr den Anspruch
halten könnt, werden es 69.70 weniger werden im Laufe der Zeit,
die Zahlen gehen von vielleicht 50 Kinder auf 6 oder 7 zurück.
Das ist fürchterlich frustrierend. Aber es ist auch normal!
Die Zauberwörter heißen hierbei Werbung und Attraktivität.
(Genau aus dem gleichen Grund wie der ständig wieder sinkenden
Kigo-Kinderzahl gibt es so unheimlich viel Waschmittelwerbung: Immer
und immer wieder wird plakatiert und im Fernsehen oder Radio ein
Werbespot gesendet. Und alle halbe Jahr gibt es Neuerungen - kein
Pulver mehr, sondern Tabs, keine Tabs mehr, sondern Kraftkügelchen,
keine Kraftkügelchen mehr, sondern jetzt - völlig innovativ
- Pulver...)
Ihr müsst für den Kindergottesdienst permanent einladen
und Werbung machen. Lasst euch Attraktionen einfallen, um die Kinder
zu motivieren, stetig zu kommen. Investiert die Werbe-Arbeit, denn
nur wenn viele Kinder sonntags kommen, kann euch die Arbeit auch
Spaß machen!
|