Der
Anfang vom Ende - Streit im Vorbereitungskreis
von Marc Habke
In unserer Gemeinde gibt es zur Zeit keinen richtigen Jugendgottesdienst,
aber das war mal anders. Vor einigen Jahren gab es sogar noch einen
richtig guten Jugendgottesdienst. In dieser Zeit waren sehr viele
ehrenamtliche Mitarbeiter damit beschäftigt, den Gottesdienst
zu gestalten. Die Themen sollten immer jugendnah und griffig sein
und das waren sie zumeist auch. Für die musikalische Begleitung
hat die eigene Band der evangelischen Jugend Lippstadt gesorgt - mit
Sakropop. Wir haben immer versucht, ein kleines Anspiel zum Thema
zu gestalten, das kam sehr gut an. Die Stimmung hatte insgesamt etwas
vom Kirchentag. Deshalb haben auch viele Besucher regelmäßig
unseren Jugendgottesdienst besucht. Mit der Zeit aber schlief diese
Art von Gottesdienst ein und heute haben wir gar keinen funktionierenden
Jugendgottesdienst mehr. Es waren nicht mehr so viele ehrenamtliche
Helfer für die Vorbereitungen zu gewinnen. Der Schuldige wurde
schnell ausgemacht - das Konzept, längst überholt.
Gegen Ende hatte der Jugendgottesdienst monatlich
stattgefunden. Dabei wurde er zu einem immer größeren
Teil von unserer Jugendreferentin und unserem Jugendpfarrer vorbereitet.
Denn die Zeit war knapp. Das hat auch bedeutet, dass immer weniger
Ehrenamtliche in den Vorbereitungen mit ihren Ideen Platz hatten.
Im Mitarbeiterkreis - der für die gesamte
ehrenamtliche Jugendarbeit in Lippstadt zuständig ist - wurden
heftige inhaltliche Debatten über so Allerlei geführt.
Einmal etwa über den Titel der Jugendgottesdienste "Time
for You(th)"..Den einen zu englisch, den anderen zu angepasst,
wieder anderen zu unpassend zum eigenen Image. Die Meinungen gingen
da weit auseinander. Wieder den einen ein Bruch mit der evangelischen
Kirche und ihren Werten und für die anderen das Beste, was
dem Mitarbeiterkreis in Sachen Jugendgottesdienst in den letzten
Jahren eingefallen ist.
Das hat dem Mitarbeiterkreis den Rest gegeben.
Was folgte, war nur noch Streit. Nicht immer auf sachlicher Ebene.
Die Differenzen waren einfach zu groß. Ende vom Lied war,
dass unsere Jugendreferentin und unsere Jugendpfarrer fast ganz
auf sich allein gestellt waren. Sie mussten den Gottesdienst allein
gestalten, denn schließlich musste einmal im Monat einer stattfinden.
Bei der adventlichen Jugendandacht "Adventure" kam es
dann fast wieder zu einem Neuanfang. Ein Freund und ich hatten etwas
Eigenes auf die Beine gestellt. Ein Grundgerüst stand, aber
es scheiterte daran, dass die Zeit wieder zu knapp wurde, um sich
mit den beiden Verantwortlichen abzusprechen. Das führte dazu,
dass sie einen Gottesdienst wie immer veranstalteten, der nichts
mit unserem Konzept zu tun hatte. Man kann den beiden keinen Vorwurf
machen, weil sie ja schließlich an dem Freitagnachmittag etwas
dem interessierten Publikum vorstellen mussten, aber blöd ist
das schon.
Während sich das Klima im Mitarbeiterkreis
weiterhin verschlechterte, hatte unsere Jugendreferentin eine Krisensitzung
für Anfang Januar einberufen. Dort reflektierten wir unsere
Streitursachen. Es lag häufig nicht am Jugendgottesdienst,
wenngleich er - auch bei diesem Treffen - Aufhänger der ganzen
Sache war. Klärende Gespräche zwischen den jeweiligen
Personen konnten erreichen, dass die Standpunkte sich annäherten.
Auf einer Mitarbeiterfreizeit Ende Januar wurde versucht, persönliche
Differenzen endgültig aus dem Mitarbeiterkreis zu entfernen.
Jetzt soll wieder ein neues Konzept folgen.
Eines, bei dem die jeweiligen Gottesdienstgestalter möglichst
großen Spielraum haben. Wir nennen es jetzt auch nicht mehr
Jugendgottesdienst, sondern Jugendandacht, denn viele hatte eine
Mogelpackung befürchtet, wenn man von Gottesdienst spricht.
Inhaltlich und liturgisch macht uns das jetzt von einer Menge Pflichtprogramm
frei.
Veranstaltet werden die Jugendandachten von
Konfirandengruppen unserer Gemeinde und Arbeitsgemeinschaften, die
sich in der nächsten Zeit bilden werden. Jeden zweiten Monat
findet ein Gottesdienst von der Konfigruppe statt und jeden zweiten
Monat einer von der Arbeitsgemeinschaft. Die Häufigkeit bleibt
also, die Vorbereitenden haben nur mehr Zeit. Außerdem bekommen
die Konfis die Gelegenheit, sich einen Gottesdienst so vorzubereiten,
wie sie ihn feiern wollen.
Jedem Hauptamtlichen ist zu empfehlen, Jugendlichen
ihren Freiraum bei der Gestaltung und Vorbereitung von Jugendgottesdiensten
zu lassen, auch wenn es ihnen aus ihrer Sicht manchmal wie ein unglückliches
Projekt erscheint. Schließlich soll der Jugendgottesdienst
für Jugendliche sein, und nicht für Hauptamtliche, die
gerne ihre Meinung mit einbringen wollen und nicht von dieser absehen,
und damit eher noch das Entstehen eines guten Jugendgottesdienstes
verhindern. Ich kann schon verstehen, dass einige Hauptamtliche
unter einem Leistungsdruck, der von dem Rest der Gemeinde erzeugt
wird, stehen, aber ich kann ihnen nur Mut machen, sich davon nicht
einschüchtern zu lassen.
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