Eine
Rockmesse als Anstoß
Jens Wollesen
Meine schönste Erfahrung eines Gottesdienstes für junge
Leute war eine Rockmesse auf dem Kirchentag. So beeindruckend für
mich machte sie eine unheimlich intensive Stimmung der Nähe zu
den mir unbekannten Besuchern des Gottesdienstes. Diese Atmosphäre
wurde dadurch erzeugt, dass man gerade nicht auf Stühlen oder
in Bankreihen saß, sondern dichtgedrängt auf dem Teppichboden.
Für Beschallung sorgte eine Rockband, die Auswahl der Songs vermittelte
eigentlich schon die "Botschaft" des Gottesdienstes. Eine
sehr "lebensnahe" Predigt bildete den Kern der Messe. Einen
liturgischen Teil gab es nicht, der Gottesdienst wurde aber durch
das gemeinsam gesprochene "Vaterunser" abgeschlossen.
Auch wenn es sich bei diesem Gottesdienst um
eine "Kirchentagserfahrung" handelt, die ja bekanntlich
nur sehr schwer in der eigenen Gemeinde umsetzbar ist, halte ich
das Konzept dieser Messe für sehr geeignet, junge Leute für
Gottesdienste zu begeistern.
Gerade Musik kann ebenso gut sakrale Inhalte
vermitteln, wie es in den traditionellen Gottesdiensten über
die Predigt oder die Bibelauslegung geschieht, und ist in jedem
Fall für Jugendliche ansprechender. Auch ein fester liturgischer
Teil macht für mich nur dann Sinn, wenn die Abfolge allen Besuchern
bekannt ist. Eine mir unbekannte Liturgie grenzt eher aus, als dass
sie mich in den Gottesdienstes einbezieht. Genauso wichtig finde
ich es, für eine "gemütliche Atmosphäre"
im Raum zu sorgen.
Je nach Anlass und Inhalt eines Gottesdienstes
unterscheidet sich natürlich auch die Ausgestaltung des Raumes,
aber man sollte sich auch hier mehr an den Wünschen der Jugendlichen
und nicht an liebgewonnenen Traditionen orientieren.
Schließlich können wir nur dann Jugendliche von Inhalten
überzeugen, wenn wir sie tatsächlich noch erreichen.
Und wenn Kirche tatsächlich wieder zu einer
Kirche auch für Jugendliche werden will, dann wird sie auch
vielfältige Gestalten annehmen müssen, die nicht sofort
mit den alten Vorstellungen vereinbar scheinen.
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