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Eine Rockmesse als Anstoß
Jens Wollesen

Meine schönste Erfahrung eines Gottesdienstes für junge Leute war eine Rockmesse auf dem Kirchentag. So beeindruckend für mich machte sie eine unheimlich intensive Stimmung der Nähe zu den mir unbekannten Besuchern des Gottesdienstes. Diese Atmosphäre wurde dadurch erzeugt, dass man gerade nicht auf Stühlen oder in Bankreihen saß, sondern dichtgedrängt auf dem Teppichboden.
Für Beschallung sorgte eine Rockband, die Auswahl der Songs vermittelte eigentlich schon die "Botschaft" des Gottesdienstes. Eine sehr "lebensnahe" Predigt bildete den Kern der Messe. Einen liturgischen Teil gab es nicht, der Gottesdienst wurde aber durch das gemeinsam gesprochene "Vaterunser" abgeschlossen.

Auch wenn es sich bei diesem Gottesdienst um eine "Kirchentagserfahrung" handelt, die ja bekanntlich nur sehr schwer in der eigenen Gemeinde umsetzbar ist, halte ich das Konzept dieser Messe für sehr geeignet, junge Leute für Gottesdienste zu begeistern.

Gerade Musik kann ebenso gut sakrale Inhalte vermitteln, wie es in den traditionellen Gottesdiensten über die Predigt oder die Bibelauslegung geschieht, und ist in jedem Fall für Jugendliche ansprechender. Auch ein fester liturgischer Teil macht für mich nur dann Sinn, wenn die Abfolge allen Besuchern bekannt ist. Eine mir unbekannte Liturgie grenzt eher aus, als dass sie mich in den Gottesdienstes einbezieht. Genauso wichtig finde ich es, für eine "gemütliche Atmosphäre" im Raum zu sorgen.

Je nach Anlass und Inhalt eines Gottesdienstes unterscheidet sich natürlich auch die Ausgestaltung des Raumes, aber man sollte sich auch hier mehr an den Wünschen der Jugendlichen und nicht an liebgewonnenen Traditionen orientieren.
Schließlich können wir nur dann Jugendliche von Inhalten überzeugen, wenn wir sie tatsächlich noch erreichen.

Und wenn Kirche tatsächlich wieder zu einer Kirche auch für Jugendliche werden will, dann wird sie auch vielfältige Gestalten annehmen müssen, die nicht sofort mit den alten Vorstellungen vereinbar scheinen.




Dies ist ein Aufsatz aus folgendem Buch:

Christoph Urban / Timo Rieg (Hrsg.)
Kindergottesdienst und Jugendgottesdienst in Westfalen
- Für eine Kirche mit Zukunft
Aufsätze aus der Praxis

Ist der sonntägliche Kindergottesdienst ein Auslaufmodell? Haben Jugendliche ein Bedürfnis nach Jugendgottesdienst? Und welche Rolle spielen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter bei der weiteren Entwicklung?
Die LJV - eine unabhängige Vertretung evangelischer Gemeindejugend in der EKvW - hat in der Folge eines Seminarwochenendes zur Diskussion um Kinder- und Jugendgottesdienst eingeladen und die Beiträge in diesem Buch gesammelt: Statements, Modelle, Tipps für die Praxis.

Kaufen bei Reihe Jugendgottesdienst, Band 3
180 S., Paperback, 9.90 EUR
(ISBN 3-928781-70-7)


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