Der
Jugendgottesdienst als Teil der Gemeindearbeit
Die laufende Debatte um neue Gestaltungsräume, um Gemeinde-Kooperationen,
Zusammenlegungen, Schließung von Gemeindehäusern, kurz:
um die organisierte Zukunft der (westfälischen) Kirche, verlangt
regelmäßig nach Entscheidungen: Was ist wichtig und was
unwichtig. Unter dem Motto "Es kann nicht mehr jede Gemeinde
alles anbieten" sollen Schwerpunkte formuliert werden und kirchliche
Angebote vernetzt werden. Die Diskussionsvorlage "Kirche mit
Zukunft" (zu beziehen über das Landeskirchenamt in Bielefeld)
definiert das "Grundangebot" jeder Gemeinde auf Seite 33
zum Beispiel so: "Dazu gehören Gottesdienst, Kindergottesdienst,
verlässliche Sprechzeiten, Beratung und Seelsorge, Gemeindebrief,
Eltern-Kind-Gruppe, Jugendfreizeit, kirchlicher Unterricht usw."
Die Jugendarbeit, zumindest Teile der Jugendarbeit, wird an verschiedenen
Stellen als Beispiel für regionalisierbare Gemeindeaufgaben benannt.
Für regionalisierbar wird - schon lange
vor Erscheinen der Vorlage unserer Kirchenleitung - besonders gerne
auch der Jugendgottesdienst gehalten. Weil er viel Arbeit in der
Vorbereitung mache, weil oft mehrere Hauptamtliche ein-gebunden
seien und weil die Nachfrage insgesamt gering sei, werden einzelne
Jugendgottesdienste dann als spirituelle Highlights für viele
Gemeinden zusammen oder sogar für den gesamten Kirchenkreis
angeboten.
Als ein Baustein im Jugendgottesdienst-Angebot
sind solche - meist mit entsprechend viel Aufwand vorbereitete -
Veranstaltungen zu begrüßen. Eine Alternative für
das Gemeindeangebot sollten sie auf keinen Fall sein.
Die Bemühungen um zügige, erkennbare
Reformen in der Kirche, die zur Zeit allein von Haushaltsproblemen
vorangetrieben werden und keinesfalls aus einer inhaltlichen Notwendigkeit
initiiert werden, bergen eine große Gefahr in sich, die wie
auf einer Butterfahrt jedoch als Chance verkauft wird: die Parzellierung
der Gemeindearbeit mit der Aufgabe wichtiger Arbeitsfelder unter
der Tarnkappe innovativen, effektiven Ressourcenmanagements. Soll
heißen: Was bislang in vielen Gemeinden nicht gelungen ist
und immer wieder zu Diskussionen geführt hat, könnte künftig
als eine Aufgabe der Region oder des Kirchenkreises deklariert werden.
Anstatt dass sich jede Gemeinde um ihren Jugendgottesdienst kümmert
wäre dann bspw. das Jugendpfarramt zuständig, quartalsweise
irgendwo einen Jugendgottesdienst anzubieten.
All solche Überlegungen verkennen, dass
Jugendarbeit integraler Bestandteil der Gemeinde ist, und dass der
Jugendgottesdienst wiederum ein notwendiges Puzzle-Teil der Jugendarbeit
ist! Offene Angebote, Gruppen, Projekte und Gottesdienste für
Kinder und Jugendliche sind keine fakultative Aufgabe der Gemeinde,
sondern Pflichtprogramm. Pflicht, weil die Gemeinden diesen Arbeitsbereich
sowohl ihren jungen Mitgliedern als auch deren Eltern schuldig sind.
Wer einzelne Teile der Jugendarbeit für regionalisierbar hält,
der sollte folgerichtig die gesamte Gemeindestruktur für hinfällig
halten - und zum Beispiel den Kirchenkreis zu einer einzigen Kirchengemeinde
machen. (Dies wird die LJV im Zuge ihrer Diskussionsteilnahme um
die Reformvorlage "Kirche mit Zukunft" noch deutlicher
ausführen.).
Wahrscheinlich haben wir die künstliche
Trennung von Jugendarbeit und Jugendgottesdienst (wie auch von Kinderarbeit
und Kindergottesdienst) u.a. der Tatsache zu verdanken, dass Kirche
ihre Jugend nach außen gerne als Jugendverband vertreten sehen
möchte, der Aufgaben der "Freien Jugendhilfe" wahrnimmt,
was der Staat finanziell gut unterstützt. Und da Religion bzw.
religiöse Veranstaltungen nicht zu diesen Aufgaben zählt,
wird dieser Bereich gerne ausgeblendet. Doch die Trennung evangelischer
Jugendarbeit in weltliche und religiöse / kirchliche Bereiche
wäre völlig realitätsfern. Die Jugendgruppe bspw.
beschäftigt sich eben mal mit Drogen, bastelt dann alte Fahrräder
zusammen und bereitet schließlich eine Andacht vor. Wir sollten
uns in der Jugendarbeit nicht auf eine Prioritätendiskussion
einlassen nach dem Motto: "Die Ex-Konfi-Gruppe brauchen wir
noch in der jeweiligen Gemeinde, der Jugendgottesdienst tut's auch
überregional, und Freizeiten soll der Kirchenkreis anbieten."
Der Jugendgottesdienst gehört in jede Gemeinde.
Damit hierfür überhaupt Jugendliche ansprechbar sind (als
Teilnehmer wie als Mitarbeiter), müssen sie während ihrer
Konfi-Zeit bereits Erfahrungen mit dem Jugendgottesdienst machen,
sollten sie davor möglichst den Kindergottesdienst kennen gelernt
haben, brauchen sie Gruppen oder Treffs, um regelmäßig
in der Gemeinde sein zu können, um sich mit ihr zu identifizieren
und sie mit zu prägen. Es stellen sich keine "entweder-oder-Fragen".
Alle bekannten Angebote der Kinder- und Jugendarbeit greifen ineinander,
bauen aufeinander auf, ergänzen sich. Die verschiedenen Gottesdienste
sind darin wichtige Zentren und daher absolut notwendig.
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