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Agapemahl mit Konfis


Die Feier des Abendmahls hat bei Christen einen ganz besonders hohen Stellenwert. Aber für Jugendliche - und auch viele Erwachsene - ist es schwierig, die Bedeutung zu verstehen, wenn sie es nur in der kurzen, symbolischen Form des Sonntagsgottesdienstes erleben: Während die Orgel spielt gehen Gottesdienstbesucher aus den Bänken nach vorne zum Altar, bilden einen Kreis um ihn, führen schweigend etwas in oder an den Mund, verbeugen sich und gehen wieder auf ihren Platz, wo sie vor dem Hinsetzen einige Sekunden starr stehen. Im Konfirmandenunterricht wird das Thema zwar pflichtbewusst behandelt - aber wer Konfirmierte fragt, was Blut und Leib mit Sünde und deren Vergebung zu tun haben, wird nur Achselzucken ernten. (Das Thema, ganz nebenbei, steht bei 13-/14-Jährigen einfach nicht an.)

Symbole und Zeichen sind wichtige Bestandteile jeder Religion. In unserer evangelischen Kirche sind sie ohnehin rar: Taufe und Konfirmation, Segen, Abendmahl; gefaltete Hände...
Zumindest die ersten (aktiven) Kontakte mit dem Abendmahl sollten möglichst nicht in der klassischen Gottesdienstform erfolgen. Schon lange feiern in einzelnen Gemeinden Konfirmanden und Jugendliche das Abendmahl anders: als "Feierabendmahl" (eingeführt auf dem Kirchentag in Nürnberg 1979) oder "Agapemahl" (das "Liebes- und Sättigungsmahl", welches schon in den christlichen Anfängen bekannt war).

Diese Abendmahlsformen sind wesentlich offener und reduzieren das Mahl nicht auf eine Geste (in Form einer Oblate und eines Mini-Schlückchens Traubensaft) - ohne das jetzt theologisch diskutieren zu wollen. Insbesondere das Agapemahl als Andacht mit anschließender Mahlzeit eignet sich gut für Jugendgruppen und bietet gerade für Katechumenen- und Konfirmandengruppen einen guten Einstieg in gemeinsame religiöse Feiern.

Das wichtigste beim Agapemahl ist die Stimmung. Selten kommt es so sehr darauf an wie hier. Ein Agapemahl braucht Ruhe und einen entsprechenden Raum - meist abgedunkelt und nur mit einigen Kerzen gerade so hell erleuchtet, dass man z.B. einen Liederzettel lesen kann. Mit Jugendlichen sitzt man auf dem Boden (Kissen sind aber nicht verkehrt) - das unterscheidet die Veranstaltung sofort spürbar vom berühmt-berüchtigten Stuhlkreis und unterstützt durch die Körperhaltung eine ruhige Atmosphäre. In der Mitte platziert man alles, was man für das Agapemahl braucht und ggf. etwas Dekoration.

Das Agapemahl besteht meist aus zwei Teilen: einem gottesdienstlichen Einstieg und dem Mahl selbst mit offenem Ausklang. Für das gemeinsame Essen und Trinken genügen Fladenbrote und Saft, gerade wenn das Agapemahl - bitte mit zeitlichem Abstand - einem Abendessen folgt. Ansonsten kann das Angebot aber ausgebaut werden, so dass beim Agapemahl tatsächlich eine komplette Mahlzeit angeboten wird.

Der inhaltlichen Gestaltung des Agapemahls sind keine Grenzen gesetzt. Häufig steht es wie ein Jugendgottesdienst unter einem Thema (das in der Regel direkten Bezug zu der Gruppe hat, die hier versammelt ist). Texte und Lieder wechseln sich ab. In diesen Rahmen passen auch sehr gut Meditationen: besinnliche Texte, die mit Musik oder Dias untermalt sind, Momente der Stille, Körpermeditationen... Dieser Teil sollte ohne jede Hast ablaufen (ein Problem vor allem, wenn Konfirmanden den Großteil bestreiten, aufgeregt sind und möglichst schnell fertig werden wollen). Mut zur Pause ist wichtig. (Natürlich ohne es zu übertreiben: Wenn die Konfis in störender Zahl anfangen zu kichern, war's vielleicht doch schon zu viel der Sendepause.) In der Vorbereitung sollte man sich viel Mühe geben, eigene Texte (Gebete, Geschichten, Sprechmotetten etc.) zu schreiben, die zur Situation, zur Gruppe passen und die von den Autoren selbst gelesen werden - das macht sie ehrlich. Übrigens: Fast nie gibt es hierzu hinterher gerade bei Konfirmanden dumme Sprüche; vielmehr haben die Altersgenossen Respekt davor, "wenn sich jemand das traut".

Irgendwann kommt dann der Punkt des Abendmahls (ob es sich nach der Kirchenordnung um ein solches handeln darf, ignorieren wir hier mal). Dazu kann man die Geschichte von Jesu letztem Mahl erzählen und seine Einsetzungsworte entweder wörtlich sprechen (z.B. 1. Korinther 11,23-25) oder in eigenen Worten nacherzählen. Und das kann jeder machen, der dazu Lust hat - und das ist eine wirklich schöne Sache. Zu den "Einsetzungsworten" jedenfalls sollte das Fladenbrot geteilt werden und Saft in ein Glas oder einen Becher eingeschenkt werden. Und dann kommt die Einladung zu essen und zu trinken. Die Mitarbeiter sollten dann den Anfang machen, Brot zerteilen und an die um sie sitzenden Agapemahl-Teilnehmer reichen - denn gerade für Jugendliche, die ein Agapemahl zum ersten Mal erleben, gibt es hier eine gewisse Hemmschwelle.
Essen und Trinken verlangt nun keineswegs mehr Stille. Die Gespräche mit Nachbarn und später auch quer durch den Raum werden zunehmend lauter. Je nach Stimmung der Gruppe kann hier noch mal ein offenes Singen angeschlossen werden.

Noch drei organisatorische Hinweise:

Bei Agapemahlen auf Freizeiten / Seminaren etc. ist zu beachten, dass sich möglichst kein großer Programmpunkt mehr anschließen sollte. Sonst gibt es einen zu großen Druck, möglichst schnell das Agapemahl zu beenden, um noch Freizeit zu haben, sich für die Party hübsch zu machen oder dergleichen.

Werden, zum Beispiel am Vorabend der Konfirmation, gezielt auch Erwachsene eingeladen, sollten Stühle bereit stehen. Eltern und Verwandte finden es in der Regel eher angenehm, wenn sie ein bisschen Distanz zum Geschehen haben. Spätestens beim Essen werden sie voll eingebunden sein.

Wenn Katechumenen / Konfirmanden zum ersten Mal ein Agapemahl feiern, sollten sie nicht in die Vorbereitung eingebunden sein. Alle sollen es kennen lernen dürfen, ohne bereits in Verpflichtungen zu stecken (und damit "die Seite" zu wechseln). Zumindest also das erste Agapemahl eines Jahrgangs muss von den Mitarbeitern vorbereitet werden (von den Konfirmierten des letzten Jahrgangs haben sicherlich viele Lust dazu!).





Dies ist ein Aufsatz aus folgendem Buch:

Christoph Urban / Timo Rieg (Hrsg.)
Kindergottesdienst und Jugendgottesdienst in Westfalen
- Für eine Kirche mit Zukunft
Aufsätze aus der Praxis

Ist der sonntägliche Kindergottesdienst ein Auslaufmodell? Haben Jugendliche ein Bedürfnis nach Jugendgottesdienst? Und welche Rolle spielen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter bei der weiteren Entwicklung?
Die LJV - eine unabhängige Vertretung evangelischer Gemeindejugend in der EKvW - hat in der Folge eines Seminarwochenendes zur Diskussion um Kinder- und Jugendgottesdienst eingeladen und die Beiträge in diesem Buch gesammelt: Statements, Modelle, Tipps für die Praxis.

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