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Jugendgottesdienste auf Freizeiten


Der Gottesdienst macht die Freizeit nicht zur evangelischen/ kirchlichen Freizeit - zumindest sollte er das nicht. Man darf annehmen, dass sich evangelische Freizeiten auch sonst von anderen Angeboten unterscheiden. Aber der Gottesdienst schad ja nix. Nein, vielmehr noch, er ist wünschenswert.

Die Form des Gottesdienstes wird berücksichtigen müssen, dass wir es von den Teilnehmern her in den wenigsten Fällen - bei Konfirmanden-Freizeiten mag das teilweise anders sein - mit kirchlich sozialisierten Jugendlichen zu tun haben. Man gehe mal im Kopf die Teilnehmer der letzten Sommerfreizeit durch: Jugendliche, die durch diese Freizeit den ersten Kontakt zu Kirchens bekommen, Jugendliche anderer Konfession oder Religion, zumeist Katholen und Muslime. Klar ist das jeweils auch wieder abhängig von der Bevölkerungsstruktur der Region aber von der Tendenz her ist es schon so: Auf Freizeiten tummelt sich das am wenigsten kirchlich vorbelastete Publikum. Es wird also kaum Sinn machen, einen Gottesdienst abzuhalten, bei dem ähnlich viel an Gebeten, Bekenntnissen und liturgischen Gesängen als bekannt vorausgesetzt wird wie beim normalen Sonntagsgottesdienst. Eine wie auch immer geartete Form der Andacht wäre sicher besser am Platz, weil sie einfach mehr Gestaltungsmöglichkeiten offen lässt.

Was kann inhaltlich zum Mittelpunkt gemacht werden? Ein Predigttext wird sich weniger eignen. Man braucht zwar keine Theologen, um biblische Geschichten zu verstehen, muss sich aber einüben und einlesen. Wenn man die Andacht nicht allzu dozierend abhalten möchte - was erfreulich wäre - dann wird man anerkennen müssen, dass das in den wenigsten Fällen wohl vorausgesetzt werden kann. Es bleibt also, einen biblischen Geschichtsstrang zu erzählen und ihn zum Mittelpunkt des Gottesdienstes zu machen. Das wird ja auch größtenteils im Kindergottesdienst so praktiziert - warum sollte nicht ein Jugendgottesdienst auf einer Freizeit sich den Exodus mal vornehmen. Auch in der Reihe der thematischen Einheiten gibt es natürlich Themen, die nahe liegen - in jedem Fall sollte ein Bezug zur Freizeit erkennbar sein, nur das kann die Stärke der thematischen Gottesdienste sein, andernfalls wird es wie eine KU-Stunde. Der große Themenkreis Bewahrung der Schöpfung bietet sich an. Oder auch etwas in die Richtung wie Gemeinschaft - alle in einem Boot.

Wie kann man die Teilnehmenden einbinden? Es ist sicher blöd, einzelne Teilnehmer einen Part übernehmen zu lassen. Der Gottesdienst ist schließlich schon vorbereitet und das sieht weniger nach Partizipationsmöglichkeit aus, denn danach, als wolle man Arbeit abwälzen - außerdem, was sollten dann die Teamer machen? Man sollte also versuchen, die Freizeit im Ganzen einzubinden, oder etwas zu veranstalten, was dann im Gottesdienst wieder aufgenommen wird. Ein Beispiel: Schöpfungs-Spaziergang. Man regt an, einen kleinen Spaziergang zu machen oder verbindet das mit einer Wanderung, die man eh machen muss: Der gemeinsame Weg zum Strand, der Tagesausflug, die Nachtwanderung. Auflage ist es, dabei etwas aus der Natur mitzubringen. Allerdings darf nichts zerstört, abgerissen oder getötet werden. Je nach Gebiet, in dem man sich befindet, werden das Tannenzapfen, Muschelschalen, Steine, Rinde, aber sicher auch alte Cola-Dosen oder Plastiktüten sein. Zum Gottesdienst bringen die Teilnehmer die Dinge mit. In einer Runde werden die Gegenstände gezeigt und jeder sagt, warum er/sie sich gerade für diesen Gegenstand entschieden hat. So ist ein gemeinschaftliches Erlebnis, der Spaziergang nämlich, in den Gottesdienst integriert und jeder/jede hat auch mal was gesagt.

Man kann auch durch Musik die Freizeit mit in den Gottesdienst holen. Manchmal entwickeln sich ja regelrechte Freizeit-Hits. Sei es beim Singen am Lagerfeuer oder bei der eigenen Disco. Dabei sollte man nicht zu große Vorbehalte haben, dass die Lieder nicht passen würden. Natürlich passen sie nicht! Aber der Identifikationswert ist positiv für den Gottesdienst. So ein Sommer-Hit am Anfang oder am Ende würde auch manchem unserer normalen Gottesdienste ganz gut tun.

Besteht Teilnahmepflicht? Keine Debatten über Meinungs- und Religionsfreiheit oder das Recht auf körperliche Unversehrtheit! So ein Gottesdienst tut nicht weh. Wie bei allen Programmpunkten auf einer Freizeit gilt: Es gibt welche, die sind fakultativ. Es gibt welche, die machen wir alle zusammen. Um - je nach Teilnehmerschaft - einer Palastrevolution aus dem Weg zu gehen sollte man vielleicht die Art der Veranstaltung eher etwas im vagen lassen. "Kinder, morgen haben wir eine ganz dufte Überraschung für Euch. Da machen wir was ganz tolles zusammen!"

Es bleibt die Frage nach dem Zeitpunkt. Bitte nicht ganz zum Schluss als Abgesang! Um Eindrücke zu bündeln und die Freizeit insgesamt rund zu machen - was ja immer wieder das Argument ist - taugt auch ein Fest oder eine Auswertungsrunde, je nach dem. Damit würde man seinen eigenen Gottesdienst nicht ernst nehmen. Denn es gehen nämlich Wirkungen von einem solchen Gottesdienst auf einer Freizeit aus. Und diese (Nach-)Wirkungen muss man auch noch in der Freizeit ggf. aufnehmen können. Vielleicht haben ja einige Teilnehmer Bock, so was in der Art noch mal zu machen. Dann kann man das gleich auch, so sie dazu Lust haben, mit ihnen vorbereiten.



Dies ist ein Aufsatz aus folgendem Buch:

Christoph Urban / Timo Rieg (Hrsg.)
Kindergottesdienst und Jugendgottesdienst in Westfalen
- Für eine Kirche mit Zukunft
Aufsätze aus der Praxis

Ist der sonntägliche Kindergottesdienst ein Auslaufmodell? Haben Jugendliche ein Bedürfnis nach Jugendgottesdienst? Und welche Rolle spielen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter bei der weiteren Entwicklung?
Die LJV - eine unabhängige Vertretung evangelischer Gemeindejugend in der EKvW - hat in der Folge eines Seminarwochenendes zur Diskussion um Kinder- und Jugendgottesdienst eingeladen und die Beiträge in diesem Buch gesammelt: Statements, Modelle, Tipps für die Praxis.

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