Hilfe, ich bin verliebt (Jugendgottesdienst vom Projekt "Schräger Freitag"

Projektbeschreibung

1. Einführung
Der „Schräge Freitag“ ist ein Projekt innerhalb der Jugendarbeit der ev. Kirchengemeinde Gülzowshof mit den OT Trantow und Sassen (Pommersche Evangelische Kirche [PEK]).

Mittel- und Zielpunkt der Arbeit ist der Schräge Freitag - ein Gottesdienst von Jugendlichen für alle anderen. Der Schräge Freitag soll in der Regel jeweils einmal im Monat (am ersten Freitag, der auf ein schräges, d.h. ungerades Datum fällt) stattfinden. Der Schräge Freitag wird von einem Team vorbereitet, das aus beliebig vielen, festen Mitarbeitern (Teenager) besteht. Die Teamarbeit wird von einem hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirchengemeinde geleitet.
Das Konzept des Schrägen Freitag setzt auf die Entdeckung und Förderung der Talente der Jugendlichen selbst. Die Jugendlichen werden zur Teamfähigkeit angeleitet und übernehmen selbständig Aufgaben in verschiedenen Bereichen.
Bei „Hilfe, ich bin verliebt“, haben mitgewirkt: Claudia Krüger, Gerlind Reschke, Josephine Steinfurth, Judith Hoppe, Katharina Westphal, Kristin Pagels, Michael Meylahn, Oliver Post, Samuel Wiesenberg, Stefan Krüger, Steffen Krüger, Tilo Janzen, Uwe Tykwer.

2. Ziele
Ziele des Schrägen Freitags sind:
-- Gemeinschaft pflegen
-- Gaben ausprobieren
-- Jesus unter uns beliebt machen

Gemeinschaft pflegen
Auf unseren pommerschen Dörfern ist das kulturelle Angebot für Jugendliche nicht herausragend. In der Kirchengemeinde Gülzowshof, zu der 14 Dörfer gehören, gibt es nur 3 Jugendclubs.[1]
Der Schräge Freitag will mit seinen Zielen darauf reagieren.
Die Jugendlichen haben großes Interesse an Gemeinschaft. Der Schräge Freitag bietet in doppelter Hinsicht einen Rahmen, einen Ort und eine Zeit für Gemeinschaftspflege. In doppelter Hinsicht deshalb, weil Gemeinschaftspflege zunächst beim monatlichen Schrägen Freitag geschieht. Sodann aber (viel intensiver) im Vorbereitungskreis für den Schrägen Freitag.
Jeder Schräge Freitag besteht aus einem Gottesdienst und anschließendem Imbiss. Der Schräge Freitag hat Happening-Charakter. Er ist offen für alle und wird auch von einem großen Spektrum an Gästen angenommen. Beim ersten Schrägen Freitag am 09. März 2001 waren nach unserer Zählung ca. 70 Gäste gekommen. Der Altersdurchschnitt lag bei 16 Jahren. Es waren auch einige Eltern von Mitarbeitern gekommen. Unter den Gästen fanden sich neben Konfirmanden und in kirchlichen Jugendgruppen Engagierten eine ganze Anzahl kirchendistanzierter Jugendlicher. Das Angebot an Gemeinschaft (auch beim anschließenden Imbiss) wurde dankbar angenommen.
In verbindlicher Form wird Gemeinschaft im Vorbereitungsteam gepflegt. Wer beim Schrägen Freitag mitarbeiten will, verpflichtet sich zunächst nur für die Mitarbeit bei mind. 2 Schrägen Freitagen. Die Mitarbeiter treffen sich pro Gottesdienst zu 3 einstündigen Vorbereitungstreffen, d.h. fast wöchentlich. In diesen Treffen gibt es ein Lied zu Beginn, projektbezogene Arbeit (Thema finden, Ablauf festlegen, Ablauf proben) und eine liturgisch geformte Andacht. Vorher und hinterher ist Zeit für Spaß und Gespräche und Musik aus dem Autoradio (die Jugendlichen müssen z.T. aus anderen Dörfern mit einem Kleinbus abgeholt werden).
Die Vorbereitungstreffen sind bewusst auf eine Stunde begrenzt, um die wertvolle Zeit der Schülerinnen und Schüler nicht zu sehr zu beanspruchen.
Neben den offiziellen Mitarbeitertreffen, treffen sich die Mitarbeiter in ihren Arbeitsbereichen zu selbstorganisierten Treffen (z.B. in der Schule oder zu Hause).

Gaben ausprobieren
Die Mitarbeiter beim Schrägen Freitag treffen sich pro Gottesdienst zu drei Teamtreffen. Jeder Mitarbeiter ist einem Aufgabenbereich zugeordnet, den er sich frei wählen kann. Aufgabenbereiche sind z.B. Werbung, Technik, Videodarbietung, Musik/Band, Raumgestaltung, Begrüßung, Moderation, Theaterstück, Predigt, Imbiss, Leitung. Die Jugendlichen können Wünsche angeben, in welchem Arbeitsbereich sie gern mitmachen würden.
Für jeden Arbeitsbereich wird ein Jugendlicher zum Ressort-Chef ernannt. Die- oder Derjenige ist für die Absprachen und Vorbereitungen im jeweiligen Arbeitsbereich zuständig. Es ist erstaunlich, mit welchem Eifer die 13-jährigen ihre Aufgabe erfüllt haben. Von der Moderation bis zum Imbiss wurden die Aufgaben mit pfiffigen Ideen gelöst. Die Jugendlichen wurden und werden vom Hauptamtlichen unterstützend beraten.
Die Möglichkeiten sich auszuprobieren sind schier unbegrenzt.
-- Im Bereich Raumgestaltung sind kreative Fähigkeiten gefragt: Plakate,
Schilder, Blumen, Tischgestaltung o.ä.
-- Kreativität ist auch für Begrüßung und Programm gefragt (Vorstellbar sind
Herstellung von Namensschildern und kleinen Symbolen aus Ton und anderen
Materialien).
-- Starke Hände sind beim Aufbau der Technik gefragt.
-- Der Gottesdienst wurde und soll von einer Videopräsentation begleitet werden.
-- Das Logo des Schrägen Freitags, die Lieder und die Hauptgedanken des
Themas werden über Videoprojektor auf eine Leinwand projiziert. Die
Präsentationen müssen erdacht, gestaltet und bedient werden.
--·Die Musik soll möglichst handgemacht sein. Eine Band ist gerade erst im
Entstehen.
-- Rhetorische Fähigkeiten sind bei der Moderation zu entwickeln.
-- Gestalterische und strategische Fähigkeiten sind bei der Werbung gefragt.

Bei allem sollen die Jugendlichen Teamfähigkeit erlernen. Sie sollen selbständiges Arbeiten und Kritikfähigkeit üben.

Jesus unter uns beliebt machen
Der Schräge Freitag ist bewusst kirchliche Arbeit. Es geht inhaltlich darum, den Jugendlichen eine Orientierung für ihr Leben anzubieten, die sich in den verschiedensten Lebensbereichen als tragfähig erweist. Aus diesem Grund ist die Arbeit auf Jesus Christus ausgerichtet – „das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ (Barmer Theologische Erklärung) Jesus unter uns beliebt machen ist die Größte Sache in unserem Leben.
Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen (selbstgewählten) Themen wird gefördert. Der erste Schräge Freitag stand unter dem Thema: „Big Brother“. Einer der nächsten wird zum Thema: „Hilfe, ich bin verliebt!“ stattfinden.

3. Prinzipien der Arbeit

Verbindlichkeit und Distanz
Der Schräge Freitag ist prinzipiell für alle offen. Wir wollen jedem Gast Gastgeber sein. Jeder Gast hat die Möglichkeit die ihm angemessene Distanz gegenüber dem Schrägen Freitag zu wahren.
Die Mitarbeit beim Schrägen Freitag ist allerdings an Verbindlichkeit gebunden. Nur ein gutes Maß an Verbindlichkeit fordert und fördert. Jeder Mitarbeiter hat aus diesem Grund eine Mitarbeiterkarte, auf der die drei Ziele des Schrägen Freitag stehen, sowie drei Vereinbarungen: 1) Ich möchte 2001 bei mindestens zwei Schrägen Freitagen mitarbeiten. 2) Ich möchte Freunde zum Schrägen Freitag einladen. 3) Ich möchte regelmäßig in der Bibel lesen und beten.
Die Jugendlichen haben diese Form der Mitarbeit gern angenommen. Sie empfinden sich als Team. Und m.E. empfinden sie es als Auszeichnung, Mitarbeiter beim Schrägen Freitag zu sein.

Teamarbeit
Wie oben beschrieben ist der Schräge Freitag Teamarbeit. Er lebt von den Gaben und Talenten sowie vom Einsatz der jugendlichen Mitarbeiter. Auch die Leitung des Schrägen Freitags soll nach Möglichkeit in Teamarbeit geschehen. Dazu wird eine Jugendliche in ein Leitertreffen einbezogen und so in Leitungsaufgaben einbezogen.

Überprüfbarkeit
Die Arbeit beim Schrägen Freitag ist auf unsere Gäste ausgerichtet. Uns ist deshalb eine Kontrolle der Ergebnisse wichtig. Bei jedem Schrägen Freitag gibt es Feedback-Zettel, die eine Rückmeldung der Gäste ermöglichen. Die Rückmeldungen werden von ca. 1/3 der Gäste in sehr ehrlicher Art und Weise in Anspruch genommen.
Wir versuchen Vorschläge beim nächsten Mal aufzunehmen.
Nach jedem Schrägen Freitag besteht die Möglichkeit für neue Leute in das Mitarbeiterteam aufzurücken.

Delegation von Verantwortung
Wie schon aus dem oben beschriebenen Prinzip hervorgeht, lebt der Schräge Freitag von Delegation von Verantwortung an die Jugendlichen. Eine besondere Herausforderung für den hauptamtlichen Mitarbeiter ist es, die Waage zwischen „Unterstützen“ und „Freiraum geben“ zu finden. Gerade bei 12-15-jährigen Mitarbeitern (wie momentan) wird noch einiges an Unterstützung nötig sein.

4. Ausblick
Der Schräge Freitag ist ein Konzept, das Jugendarbeit auf unseren pommerschen Dörfern fördert. Die Jugendlichen werden nicht nur „beschäftigt“, sondern auch im Hinblick auf Ihre späteren beruflichen Aussichten geschult und motiviert.
Wir meinen durch diese Form der Jugendarbeit auch eine sinnvolle und anziehende Alternative zur rechten Szene unseres Landstrichs anzubieten.

Torsten Kiefer (Vikar in der Kirchengemeinde)

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[1] Das Angebot der Jugendclubs basiert auf dem „Raumprinzip“. (Den Jugendlichen wird ein Raum mit Tischtennisplatte o.ä. zur Verfügung gestellt.) Diese prinzipielle Ausrichtung der Arbeit kann nur in begrenztem Maße gestaltete und altersspezifische Angebote machen, die die Jugendlichen fördern und herausfordern. In einem dieser Clubs hört man auch von einer rechten Szene, die den Jugendclub unterwandert und für andere unattraktiv macht.


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