»Gottesdienst - Schema F ?!«
Ein Jugendgottesdienst in der Pfarrgemeinde Herz-Jesu, Bierbach



Übersicht:

Lied: »Die Sache Jesu braucht Begeisterte«
Begrüssung
Text: »Religionsunterricht«
Bussakt
Lied: »Herr, erbarme dich«
Gloria
Lied: »Singet dem Herrn«
Tagesgebet: »Inkonsequent«
Hallelujah
Lied: »Lobt den Herrn auf den Straßen«
Rollenspiel
Credo
Fürbitten
Gabenbereitung
Lied: »Wenn das Brot, das wir teilen«
Sanctus/Lied: »Heilig, Herr«
Text: »Unterbrich mich nicht, Herr - ich bete«
Vaterunser
Agnus Dei
Lied: »Shalom chaverim«
Kommunion/Musik
Dank/Entlassung
Schluss
Lied: »Wir müssen lernen zu lachen«
Vorbereitung:
Für das Rollenspiel wird ein Sarg aus Pappe o.ä. angefertigt, für die Spielszenen werden vier bis sechs Personen benötigt. Die Lieder entstammen verschiedenen Liedersammlungen bzw. Gesangsbüchern.

Material:
Pappe, Farbe für den Sarg


Ablauf:

Lied: »Die Sache Jesu braucht Begeisterte«

Begrüßung

Text: »Religionsunterricht«
Es war einmal ein Schüler, der Religionsunterricht erhielt. Er quälte sich mit Paulus auf dessen mühsamen Reisen. Er lernte, Sakramente verbal zu begehren.

Er wurde ein Virtuose im Zeichnen des Grundrisses des Tempels in Jerusalem und die Teile der Messe konnte er ohne hinzusehen allein vom Hören her genauestens unterscheiden, was eine besonders gute Leistung war.

Er bemühte sich, Mitleid mit den Entwicklungsländern zu empfinden, deren Nöte er mit rotem Kugelschreiber systematisch notiert hatte. Er bastelte sogar ein persönliches Gebet, das vor der Stunde gebetet wurde, eine große Ehre. Aber von dem Geheimnis, dem Befreienden des Mannes Jesu, von dem tiefsten Warum, davon hörte und wusste er wenig.

Bussakt

Lied: »Herr, erbarme dich«

Gloria

Lied: »Singet dem Herrn«

Tagesgebet: »Inkonsequent«
Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: Die Messe.

Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: Die Wandlung.

Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben, wie es ist!

Hallelujah

Lied: »Lobt den Herrn auf den Straßen...«

Rollenspiel
Szene 1:
Erzähler: Wir befinden uns im Jahre 1993 n. Chr. auf einer Straße und können eine schon etwas länger andauernde Diskussion verfolgen.

1. Kritiker: Der?? Der will etwas bei uns in der Kirche verändern? (ironisch) Das ich nicht lache!!

2. Kritiker: Schaut ihn euch doch nur mal an! Wie der schon aussieht; der soll erst mal lernen sich richtig zu kleiden, bevor er uns etwas beibringen will.

Rocker: Aber so kann es ja wohl nicht weitergehen. Diese monotone Art des Gottesdienstes hat doch keine Zukunft mehr. Spätestens bei der Lesung schalten die meisten Leute schon ab, weil sie genau wissen, was als nächstes kommt. Gebete werden nur noch heruntergeleiert. Ich glaube nicht, dass sich viele Menschen beim Vaterunser beispielsweise noch irgendetwas denken. Oder macht ihr das??? (Fingerzeig auf Gemeinde) Wie sagte doch vor kurzem eine Frau zu mir: »Ich gehe nur in die Kirche, weil ich dort wenigstens einmal am Tag Ruhe vor meinen Kindern habe«. Soll das der Sinn des Gottesdienstes sein? Und dann, wie erklärt ihr euch eigentlich die immer weiter zurückgehende Zahl an Kirchenbesuchern?

2. Kritiker, abwinkend: Ach, wenn ich so einen Blödsinn höre. Am Schluss kommst du uns jetzt bestimmt noch mit Zölibat, Papst, Pille und so 'nem Kram.

1. Kritiker: Genau! Außerdem war die Zahl der Gottesdienstbesucher schon immer schwankend. In Zeiten, in denen es den Menschen gut ging, waren bis jetzt die Kirchen schon immer leerer gewesen. Mit der Zeit gibt sich dies alles wieder!

Rocker, hämisch: Ja, ja; mit der Zeit gibt sich dies alles wieder. Und wenn die Kirche keine Zeit mehr hat? Wir müssen jetzt was ändern. »Schema F« in unseren Gottesdiensten abschaffen wäre schon ein Anfang!

2. Kritiker: Ach ja, die Jugend! Nie hat sie Zeit und Geduld für irgendetwas.

1. Kritiker: Die Kirche hat schon gut 2000 Jahre überlebt und wird dies auch in der gleichen Art und Weise weitertun.

Rocker: Ihr werdet ja schon sehen, wie weit ihr heutzutage mit euren Schlafwagenphrasen noch kommt.

Szene 2:
1-2 Mikros, Tisch; Pfarrgemeinderatssitzung
Erzähler: Trotz massiver Ablehnung unseres Reformers Olaf schlägt dessen Vorschlag, in der Kirche etwas zu verändern, hohe Wellen. Wenige Tage später ist dies auch das Thema in einer Pfarrgemeinderatssitzung.

Vorsitzender: Ich begrüße Sie heute Abend recht herzlich zur außerordentlichen Sitzung des Pfarrgemeinderates. Wie Sie bestimmt schon alle gehört haben, gibt es jemanden in unserer Gemeinde, der in letzter Zeit starke Kritik an der angeblich steifen Art unserer Gottesdienste übte und diese deswegen
verändern will.

1. Sprecher, entrüstet: Steife Art??? Unsere Gottesdienste verändern??? Das ist ja wohl nur ein Witz! Wer kam denn auf diese glorreiche Idee?

Vorsitzender: Die Kritik stammt von Olaf, unserem Jugendvertreter.

2. Sprecher: Von wem denn auch sonst? Das ist doch wieder typisch!

3. Sprecher: Also ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Wieso soll denn bei uns etwas verändert werden? Unsere Messen waren schon immer so und so sollen sie auch bleiben!

Vorsitzender: Ja, das stimmt schon, aber irgendwie hat Olaf recht. Schaut euch doch mal die Altersstruktur der immer kleiner werdenden Zahl der Kirchenbesucher an: Wo bleibt die Jugend? Sind wir denn nicht fähig, wenigstens alle vier Wochen etwas so zu gestalten, so dass sich unsere Jugend wohl fühlt? Ganz sicher bringt es euch auch etwas. Oder gefallen euch die alten, abgedroschenen Leiern an jedem Wochenende? (Getuschel)

3. Sprecher: Was sollen wir den schon verändern? Das hilft doch alles nichts.

2. Sprecher: Und außerdem, wenn die alle vier Wochen hier mit ihrem Keyboard, Yeah-Yeah-Liedern und sozialkritischen Texten und Gebeten angerückt kommen, gehe ich hier nicht mehr in die Kirche!!!

1. Sprecher: Wie war das noch? »Schema F«; steife Art; altmodische Leier-Lieder; Gebete heruntergerasselt, ohne sich dabei noch etwas zu denken? Diese Vorwürfe finde ich ziemlich unverschämt! So was hätten wir uns früher nicht zu sagen getraut!

Vorsitzender: Also ich glaube, so kommen wir zu keinem Ergebnis. Stimmen wir über das Ganze ab: Wer ist für den Antrag von unserem Jugendvertreter Olaf, gemeinsam eine neue Kirche zu gestalten? (keine Hände)

Vorsitzender: Keiner! Wer ist dafür, alles beim Alten zu belassen, nichts zu verändern und so weiterzumachen wie bisher? (Alle drei Sprecher heben die Hand!)

Vorsitzender: Wer enthält sich der Stimme? (Eine Hand - Vorsitzender)

Szene 3:
Erzähler: So wurde der Vorschlag von Olaf auch in der Pfarrgemeinderatssitzung abgelehnt. In der Kirche blieb also alles beim Alten: Keiner wagte es, etwas Neues einzugehen. Es war ja auch so bequem, so weiterzumachen wie bisher. Den Weg des geringsten Widerstandes gehen und ja mit dem Strom schwimmen, um nicht aufzufallen. (Pause)

Doch diese Art der Sache Jesu hat keine Zukunft mehr. Damit kann man keinen mehr überzeugen. Und so kam es auch, dass nach und nach keiner mehr Interesse an der Kirche zeigte. (Sargträger bringen aus Pappe gebastelten Sarg mit weißen Fragezeichen herein und legen ihn vor den Altar)
Die Kirche hat sich tot gelebt - Ist das auch die Zukunft unserer Kirche hier?

Credo: »Mein Glaube ist dieser«
Keine Rettung kommt mir von der Außenpolitik,
keine Rettung von der Sexualrevolution,
keine Rettung vom fetten Sozialprodukt,
keine Rettung von der nuklearen Abschreckung,
keine Rettung von Gemeinderäten, Priestern, Künstlern, Stadtplanern, Sozialingenieuren,
vom Vatikan auch keine,
vom Buddhistenweltbund auch keine,
von Hitler auch keine,
und keine von Engeln, Erzengeln, Mächten und Gewalten.
Rettung kommt mir einzig von Jesus Christus.

Fürbitten:
Vater, wir glauben, wir beten dich an; wir hoffen, wir lieben dich.

Wir bitten für alle, die den Glauben an dich verloren haben, nicht anbeten, keine Hoffnung mehr haben, dich nicht lieben: Für alle Völker der Erde, die durch Unheil und Krieg bedroht sind; schenke ihnen wieder Einheit und Frieden. Wir bitten dich, erhöre uns.

Für die Kranken, die niemand braucht, für die Väter, die keine Arbeit haben, für die Mütter, die müde sind, für die Kinder, die elternlos aufwachsen. Für alle, die niemand lieb hat. Schenke ihnen einen Freund, der sie so nimmt, wie sie sind und dem sie sich anvertrauen können.

Für den »Weißen Riesen«, dass er noch viel weißer wäscht als bisher.
(Reaktion der Gemeinde abwarten!)

- bei Antwort: »Wir bitten dich, erhöre uns«:
Stop !!! Wie hat doch der »Reformer« Olaf in unserem Rollenspiel gesagt? »Spätestens bei der Lesung schalten die meisten Leute schon ab, weil sie genau wissen, was als nächstes kommt.« Ich glaube, dieses Argument ist wirklich nicht aus der Luft gegriffen. Leider bestätigt sich dies auch in solch einer kleinen Gemeinde, wie es die unsere ist. Zugegeben, es war nicht ganz fair, Ihnen diese kleine Falle zu stellen. Aber kann dies wirklich noch der wahre Sinn eines Gottesdienstes sein, wenn wir am Wochenende teilnahmslos im Gottesdienst sitzen, nur um unser Gewissen zu beruhigen? Ich denke, darüber sollten wir alle einmal nachdenken.

- bei keiner Antwort:
Zugegeben, es war nicht ganz fair, ihnen diese kleine Falle zu stellen. Aber wir wollten einfach mal testen, ob das Argument des »Reformers« Olaf in unserem Rollenspiel, dass »spätestens bei der Lesung schon die meisten Leute abschalten, weil sie genau wissen, was als nächstes kommt« auch auf unsere Gemeinde zutrifft. Dies scheint wohl noch nicht der Fall zu sein, und ich denke, dann sind wir mit unserem Gottesdienst hier auch auf dem besten Weg zu einer »neuen Kirche«.

Gabenbereitung

Lied: »Wenn das Brot, das wir teilen«

Sanctus/Lied: »Heilig, Herr«

Text: »Unterbrich mich nicht, Herr - ich bete« (aus: Beten durch die Schallmauer, KJG-Verlag)

Vaterunser

Agnus Dei

Lied: »Shalom chaverim«

Kommunion/Musik

Dank/Entlassung

Schluss

Lied: »Wir müssen lernen zu lachen«


Anmerkungen:
Die Jugendgottesdienste entstanden immer in Zusammenarbeit mit - und nicht über - Jugendlichen. Nur so war bzw. ist eine relativ hohe Identifikation mit den Jugendlichen möglich. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, die Besucher des Jugendgottesdienstes durch verschiedene Aktionen am Geschehen teilhaben zu lassen. Der übliche, für viele Jugendliche langweilige Ablauf des Gottesdienstes wird so bewusst durchbrochen. Vor allem diese Aktionen wurden von den Jugendlichen nach den Gottesdiensten immer wieder positiv erwähnt.

Entscheidend zum Erfolg der beiden Gottesdienste hat auch die Werbung beigetragen (nur so ist eine Teilnehmerzahl von ca. 250 Jugendlichen zu erklären). Es wurden Plakate in den Schulen sowie den örtlichen Geschäften aufgehangen. Darüber hinaus gab es mehrere Vorankündigungen in der lokalen Presse. Die meiste Resonanz ergab wohl die Mund-zu-Mund-Werbung der Jugendlichen untereinander. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist der Anschluss an den Gottesdienst. So gab es nach den Jugendgottesdiensten verschiedene Angebote wie z.B. eine Disco, eine Teestube, ein Open-Air-Kino..., zu denen alle eingeladen waren. Diese Aktionen geben immer wieder die Möglichkeit zum Austausch, zum Kontakte knüpfen, natürlich auch zum Feiern.

Kontakt:
Frank Klaproth
Westring 27
66424 Homburg
Telefon 06841/970815

 

 

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Timo Rieg (Hrsg.)
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 Dieser Band ist leider vergriffen,
  Nachfolgeband: "Jugendgottesdienst Powerpack 2"

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