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»Vergeltung oder
Versöhnung - über den Umgang mit Gewalt«
Ein Jugendgottesdienst im evangelischen Gemeindesaal in Ranis
Übersicht:
Begrüssung
Lied: »Wir strecken uns nach dir«
Lesung Mt 5, 3-10
Eingangsgebet
Lied: »Ich lobe meinen Gott«
Spielszene
Moderation
Interviews
Lied: »Ihr seid das Salz der Erde«
Evangelium Mt 5, 38-45a + 13
Besinnung
Lied: »Wie ein Fest nach langer Trauer«
Gebet
Fürbitten
Vaterunser
Abkündigung, Kollekte, Einladung
Schlusslied: »Nun segne und behüte
uns«
Segen
Talks, Snacks und Getränke
Vorbereitung:
Gestaltung des Raumes:
Großformatige Transparente der Jugendlichen zum Thema »Vergeltung
oder Versöhnung« schmücken den Gottesdienstraum.
Die Stühle stehen in einem großen Kreis, die Gottesdienstbesucherinnen
und -besucher sehen sich so gegenseitig. Der Innenraum ist Fläche
für Interaktion, eine Hälfte des Kreises dient als Aktionsraum
für vorgetragene Teile: Lesungen, Psalm, Besinnung.
Musikalische Gestaltung:
Der Gottesdienst wird musikalisch begleitet von der Kirchen-Keller-Combo,
einer Band der Kirchgemeinde. Alle Gottesdienstbesucherinnen und
-besucher bekommen zu Beginn ein Liedblatt. Unbekannte Lieder werden
vor Beginn des Gottesdienstes eingeübt.
Zeitpunkt des Gottesdienstes:
Der Gottesdienst findet um 13.30 Uhr statt. So besteht die Gelegenheit,
im Anschluss beieinander sitzen zu bleiben und miteinander ins Gespräch
zu kommen.
Material:
Für die Spielszene werden zwei Stühle gebraucht, die in
der Mitte des Raumes stehen. Für die Interviews werden zwei
(nicht angeschlossene) Mikrofone aufgestellt. Zur Kommentierung
des Gottesdienstes durch Besucherinnen und Besucher stehen im Vorraum
des Gemeindesaals ein Flip-Chart mit Papier und Edding-Stiften.
Für das anschließende Beisammensein werden Gläser,
Getränke und Salzgebäck bereitgestellt.
Ablauf:
Begrüssung:
Ganz herzlich begrüße ich euch zu diesem Jugendgottesdienst
im Gemeindesaal in Ranis. »Vergeltung oder Versöhnung
- über den Umgang mit Gewalt«, das ist das Thema dieses
Gottesdienstes. 19 Jugendliche haben diesen Gottesdienst gemeinsam
erarbeitet. Sie haben großformatige Poster zum Thema gestaltet,
die heute hier den Kirchenraum schmücken. In diesem Gottesdienst
geht es etwas anders zu als sonst. Viele haben mitgemacht und auch
ihr dürft euch an diesem Gottesdienst beteiligen. In einigen
kurzen Interviews ist nachher eure Meinung zum Umgang mit Gewalt
gefragt.
Lied: »Wir strecken uns nach dir«
Lesung (Mt 5, 3-10):
»Jesu spricht: Selig sind, die da geistlich arm sind, denn
ihrer ist das Himmelreich./ Selig sind, die da Leid tragen, denn
sie sollen getröstet werden./ Selig sind die Sanftmütigen,
denn sie werden das Erdreich besitzen./ Selig sind, die da hungert
und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden./
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden die Barmherzigkeit
erlangen./ Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden
Gott schauen./ Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes
Kinder heißen./ Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen
verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich. Amen.«
Eingangsgebet:
Wir beten: Gott, wir bitten dich, dass wir etwas erfahren von dir
in diesem Gottesdienst. Wir bitten dich, dass wir einander zuhören
können. Gott du lässt uns nicht allein. Wenn wir miteinander
feiern, dann bist du auch da. Das ist schön so. Wir können
fröhlich sein und dir danken. Amen.
Lied: »Ich lobe meinen Gott«
Spielszene:
Schulhofszene: in der Mitte des Raumes stehen zwei Stühle,
zwei Schüler nehmen darauf Platz, sie unterhalten sich über
die Klassenarbeit, einer von ihnen hat ein Pausenbrot.
A: Na, wie war bei dir die Mathearbeit?
B: Ach super, habe ne eins, und bei dir?
A: Auch okay, is' ne zwei geworden.
Darauf unterhalten sie sich über irgendwelche
anderen schulrelevanten Themen, das bevorstehende Schulfest u.ä.
Unterdessen kommen zwei weitere Schüler durch die Menge hindurchgedrängelt,
zwei typische »Loser«, die sich über das gleiche
Thema unterhalten.
Etwa so:
C: Und was hast du in Mathe?
D: War voll Scheiße, hab' wieder ne sechs
gezogen, und du?
C: Ich hab' auch ne fünf, bin zu Hause
ziemlich verdroschen worden.
D: Ich hab vier Wochen Hausarrest bekommen....
Pause
C: Guck' mal, da sitzt doch der Christoph, das
Streberschwein.
D: Ja, komm, wir gucken mal.
Die beiden kommen zu den Schülern A und
B. Einer der »Loser« reißt einem »Streber«
das Pausenbrot aus der Hand, beschimpft ihn als Streber, als Asi
usw. Schüler C und D beginnen, sich das Brot zuzuschmeißen,
bis es (so passierte es in diesem Gottesdienst) einem der Gottesdienstbesucher
auf den Kopf fliegt. Es kommt zu einem Handgemenge zwischen den
vier Schülern, wüsten Beschimpfungen, Ausbruch von Aggression.
Schließlich kommt eine weitere Person dazu, von der man nicht
weiß, ob es ein Lehrer, ein Elternteil oder sonst wer ist.
Diese Person bringt die beiden Parteien auseinander, sagt etwas
wie: Gewalt ist keine Lösung. Daraufhin muss er sich die Beschimpfungen
beider Parteien gefallen lassen, packt aber schließlich die
beiden »Loser« am Arm und zieht sie zur Seite. Die Szene
wird nicht weiter kommentiert. Kurze Ruhepause
Moderation:
Nun habt ihr das Wort. Sechs Jugendliche haben Fragen zum Thema
vorbereitet. Die werden sie einigen von euch jetzt stellen. Scheut
euch nicht, sagt einfach, was ihr denkt, frei weg von der Leber.
Interviews:
Die Fragen werden von den Jugendlichen jeweils mehreren Gottesdienstbesucherinnen
und -besuchern gestellt. Trotzdem wurde ein (nicht angeschlossenes)
Mikrofon verwendet, um zielgerichteter interviewen zu können.
1. Was ist für Sie eigentlich alles Gewalt?
2. Am 11. September ist ja dieses schreckliche Unglück in den
USA passiert. Was halten Sie von der Reaktion George W. Bushs?
3. Was halten Sie von der Entscheidung Bundeskanzler Schröders,
deutsche Soldaten nach Afghanistan zu schicken?
4. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie sehen, wie viele unschuldige
Menschen in Afghanistan sterben?
5. Wie würden Sie reagieren, wenn ein Rechtsradikaler auf einen
Ausländer einschlägt?
6. Was kann man Ihrer Meinung nach tun, um Gewalt zu vermeiden?
Lied: »Ihr seid das Salz der Erde«
(Band)
Evangelium (Mt 5, 38-45a + 13):
»Jesus spricht: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge
um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben
sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf die rechte Backe
schlägt, dem biete auch die andere dar. Und wenn jemand mit
dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh
mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab
von dem, der etwas von dir borgen will.
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten
lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde
und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid
eures Vaters im Himmel.
Nun aber: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun
das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts
mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt
es von den Leuten zertreten.«
Besinnung:
»Sind wir das Salz der Erde?« Was bedeutet für
uns eigentlich Salz?
-Salz ist lebensnotwendig - jeder Körper
braucht Salz, denn ohne vertrocknet unser Körper.
-Es gibt verschiedene Anwendungsbereiche vom Salz: Streusalz im
Winter, dass man nicht ausrutscht, Jodsalz zum Würzen, Badesalz
zum Entspannen und Salz aus dem Toten Meer zum Heilen.
-Auch im Christentum hat das Salz eine wichtige Bedeutung: »Ihr
seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit
soll man salzen? Es ist nichts mehr nütze, als dass man es
wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.«
- So steht es im Matthäus-Evangelium.
So wie das Salz Speisen würzt, so sollten
Christen Zeichen im Zusammenleben setzen. Wir nehmen die Terroranschläge
vom 11. September 2001 als Beispiel. Viele unschuldige Menschen
sind durch den Wahnsinn extremer, fanatischer Menschen ums Leben
gekommen.
-Ist das denn ein Zeichen der Vernunft der Menschen
untereinander?
-Was bewirkt es, wenn wir Gewalt mit Gewalt beantworten?
-Es kommt zum Streit und im schlimmsten Fall auch zum Krieg.
Ein gutes Zeichen für das Salz der Erde
sind die Entwicklungshelfer in armen Ländern. Sie helfen den
Menschen mit der Armut umzugehen und diese zu bekämpfen. Aber
was will Gott, wie Menschen in Sachen Gewalt miteinander umgehen?
-schlichten, dazwischengehen
-tolerant sein, Kompromisse eingehen
-miteinander reden
-nachgeben
-nicht gleich mit Krieg antworten
-Versöhnung suchen
-Jeder soll den nächsten so behandeln, wie er selbst behandelt
werden will.
Jeder kann das Salz der Erde sein und Zeichen
der Versöhnung setzen, wenn man sich aber dagegen aufbaut,
Hass uns Streit ein ständiger Begleiter ist, hat das Salz der
Erde seine Wirkung verloren.
Lied: »Wie ein Fest nach langer Trauer«
Gebet/Fürbitten:
Lieber Gott, ich klage dich an, dass viele unschuldige Menschen
sterben müssen, dass Mütter ihre Ungeborenen umbringen
müssen. Warum müssen sich Menschen umbringen, obwohl es
ihnen doch gar nicht schlecht geht? Warum werden Menschen krank
und nicht mehr gesund? Viele Menschen müssen hungern, weil
sie nichts zu essen haben.
Lieber Gott, ich bitte dich, dass es den vielen
Menschen, denen es schlecht geht, wieder gut geht, dass sie wieder
Freude am Leben haben. Dass die Menschen, die krank sind, wieder
gesund werden. Und dass alle Menschen genug zu essen haben und nicht
hungern müssen.
Lieber Gott, ich klage dich an, dass so viele
Menschen den Krieg erleben müssen, dass unschuldige Menschen
sterben, dass es Menschen gibt, die leiden, Menschen, die traurig
sind und verzweifelt und keinen Lichtblick mehr sehen, die auf verlorenem
Posten kämpfen, Menschen, die ungerecht behandelt werden, Menschen,
die betrogen, geschlagen und verachtet werden, Menschen die kein
zuhause haben.
Lieber Gott, ich bitte dich, gib diesen Menschen
wieder Freude, neuen Antrieb und die Kraft weiter zu machen, beseitige
das Unrecht und lass Frieden auf Erden werden. Lass Menschen, die
krank sind, gesund werden, lass sie satt werden, gib ihnen ein Obdach
und lass sie die Freude am Leben wieder finden.
Gott, ich klage dich an, dass es so viele Menschen gibt, die sich
hassen und sich nicht grüßen können und die keine
Liebe erfahren, die Waise sind, Menschen, die Selbstmord begehen,
weil sie unglücklich sind.
Lieber Gott, ich bitte dich, söhne die
Menschen aus, gib ihnen das Gefühl, dass sie geborgen sind
und gebraucht werden, dass sie den Sinn im Leben wieder erkennen
und keine voreiligen Taten begehen.
Lieber Gott, tue etwas für diese Menschen
und segne die, die versuchen, diese Welt zu verbessern.
Vaterunser
Abkündigung, Kollekte, Einladung
Danken möchte ich allen, die an der Vorbereitung und Gestaltung
dieses Gottesdienstes mitgewirkt haben. Jetzt seid ihr ganz herzlich
eingeladen noch dazubleiben und weiterzufeiern. Es gibt Getränke
und Salzgebäck. Im Vorraum habt ihr auch die Möglichkeit,
eure Meinung zu diesem Gottesdienst aufzuschreiben.
Schlusslied: »Nun segne und behüte
uns«
Segen:
Wenn wir auseinandergehen, so begleite uns der Segen Gottes. Lasst
uns dazu aufstehen und einander die Hand geben. Der allmächtige
und gütige Gott sei mit uns auf unseren Wegen, er begleite
uns wenn wir auseinandergehen, er schenke uns die Gabe des Friedens
und der Versöhnung. Amen.
Talks, Snacks und Getränke im Anschluss
Anmerkungen:
Jugendgottesdienst wird hier in erster Linie als Gottesdienst von
Jugendlichen verstanden und erst in zweiter Linie als Gottesdienst
für Jugendliche. Uns war es wichtig, Jugendliche als Subjekte
kirchlichen Handelns ernst zu nehmen und sie folglich mit dem ganzen
Prozess der Erarbeitung eines Gottesdienstes zu betrauen. Wer kann
die Sprache und die Themen von Jugendlichen besser zur Sprache bringen
als die Jugendlichen selbst? Jugendliche sollten in einem Jugendgottesdienst
deshalb nicht auf eine Zuhörerrolle beschränkt bleiben,
sondern in ihrer Kompetenz als Christinnen und Christen gestärkt
werden, betend, singend, spielend und verkündigend selbst aktiv
zu werden. Dass solch ein Gottesdienst von Jugendlichen, dann auch
in besonderem Maße für Jugendliche interessant ist, versteht
sich von selbst.
Trotzdem gilt für uns: Auch ein Jugendgottesdienst
ist ein ganz »normaler« Gottesdienst. So wie sich auch
die »üblichen« Sonntagsgottesdienste in besonderer
Weise an eine, oft weniger reflektierte Zielgruppe wenden, so richtete
sich dieser Gottesdienst in besonderer Weise, aber nicht ausschließlich,
an ein jugendliches Publikum. Dem wurde dadurch Rechnung getragen,
dass der Jugendgottesdienst zur üblichen Gottesdienstzeit stattfand
und an diesem Tag auch der einzige Gottesdienst in Ranis war.
Zur Erarbeitung des Jugendgottesdienstes:
Die Erfahrungen des Terroranschlages in New York, die Erfahrung
von militärischer Gewalt und Gegengewalt gegenüber den
mutmaßlichen Terroristen durch Teile der internationalen Staatengemeinschaft
waren maßgeblich für die Themenauswahl. Immer wieder
beschäftigte die Jugendlichen dieses Thema, sei es in der Schule,
sei es im Konfirmandenunterricht. Ziel der Freizeit war es, ausgehend
von ganz alltäglichen Gewalterfahrungen, wie sie beispielsweise
in der Schule oder in der Freizeit erlebt werden, Strategien für
den Umgang mit Konflikten zu erarbeiten. Als biblisches Gegenüber
dienten Abschnitte aus der Bergpredigt, die mit ihrer radikalen
Forderung nach Gewaltverzicht und dem Gebot der Feindesliebe sowohl
im privaten wie auch im politischen Bereich von großer Brisanz
sind. Neben der gedanklichen Beschäftigung mit Gewalt und Gewaltlösung,
haben die Jugendlichen in einer Vorbereitungseinheit auch Transparente
mit ihren Visionen von Versöhnung gestaltet. Diese dekorierten
dann auch den Gottesdienstraum.
Kontakt:
Ev.-Luth. Pfarramt Ranis
Pfarrer Joachim Preiser
Lindenstr. 34
07389 Ranis
Telelefon 03647/413810
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