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»Mitternachtsandacht
- Close Your Eyes - Open Your Mind«
Ein Jugendgottesdienst beim Landesjugendcamp der Evangelischen Jugend
der Landeskirche Hannovers im Sachsenhain in Verden
Vorbemerkung:
Die vorliegende Andacht wurde als zentrale Tagesschlussandacht beim
Landesjugendcamp 2002 im Veranstaltungszelt gefeiert. Für dieses
Camp wurde im Hinblick auf die Dekade »Gewalt überwinden«
das Motto »Schlagfertig! - Vom Einstecken und Austeilen«
und als zentrales Bildsymbol das Auge gewählt. Die vorangegangene
Eröffnungsveranstaltung unter dem Motto »Open Your Eyes«
und die Mitternachtsandacht »Close Your Eyes« bildeten
inhaltlich eine Klammer.
Ziel ist es, die Nacht als eine Zeit besonderer
Wahrnehmungen und auch besonderer Gottesbegegnungen (wieder) zu
entdecken. Dies wird ermöglicht dadurch, dass ausgehend von
einem alten Abendlied und mit Bezug auf biblische Traditionen die
einzelnen Sinne angesprochen und durch die Symbole Salböl,
Manna, Feder und Hörcollage aktiviert werden. Der Charakter
dieser Andacht ist meditativ-ruhig und soll das Zur-Ruhe-Kommen
nach einem aufregenden Tag und den Übergang in den Schlaf erleichtern.
Auf die Thematisierung der unheimlichen, beängstigenden Aspekte
der Nacht wird bewusst verzichtet.
Übersicht:
Ankommen
Musik zum Eingang
Begrüssung
Lied »Der Tag ist am Ziel«
Nacht
Augen schliessen
Solo 1
Sinne auf
Solo 2
Riechen
w Lied: »Ich will dich so, so wie du bist«
Schmecken
Lied »Bewahre uns, Gott«
Tasten
Lied »Angel«
Psalm 91
Lied »Von der Zärtlichkeit Gottes«
Vaterunser
Hören
Segen
Hörwelten
Offener Schluss mit Salbung und Manna
Vorbereitung:
Gestaltung des Raumes: Der Raum wird möglichst dunkel gehalten,
angenehm, aber nicht beängstigend. Ausgehend vom Altar werden
aus Hockern o.ä. Stufen gebildet und mit großen Tüchern,
möglichst vom Altar aus beginnend, bedeckt. Mehrere große
Glasschüsseln (Salatschüsseln) werden mit Schwimmkerzen
bestückt und auf den Stufen angeordnet. Für den späteren
Salbungsteil werden am Ende an verschiedenen Stellen im Raum Lichtinseln
wie einzelne Kerze oder Spot-Scheinwerfer benötigt und durch
Erkennungssymbole (Tuch auf dem Boden oder an der Decke) gekennzeichnet.
Musik: Der Charakter der Andacht ist meditativ-ruhig.
Das alte Abendlied wird in ungewohnter Weise präsentiert, z.B.
durch die Auswahl von gerade nicht orgelähnlichen Keybordklängen.
Die Melodie klingt nur instrumental und abschnittsweise an, der
Schlussakkord jedes Abschnitts wird ruhen gelassen, und in diese
entstehenden Pausen wird der Liedtext von einer Solostimme gesprochen.
Für die Hörwelten am Schluss werden Abschnitte aus meditativen
CDs eingespielt, die beim Hören Bilder assoziieren lassen.
Wichtig ist, nur angenehme Klänge und Geräusche zu verwenden:
Wellen am Strand, Möwen, Walgesänge, knisterndes Feuer,
Trommel, Flöte, Waldvögel, plätschernder Bach.
Material:
Manna (Manna cannelata conc.) kann man in der Apotheke kaufen! Es
wird in verschiedenen Größen angeboten. Zu empfehlen
sind 2-10 mm große, weißbräunliche Stückchen.
Für den Salbungsteil am Ende werden verschiedene ätherische
Öle benötigt. Besonders geeignet sind Zimt, Lemongras,
Weihrauch, Kampher und Lavendel. Das Salböl mischt man aus
fünf Tropfen ätherischem Öl auf zehn Milliliter Speiseöl.
Die ätherischen Öle werden nicht gemischt, sondern jeweils
einzeln an den Lichtinseln verwendet. Wenn möglich, steht dort
auch ein Duftlämpchen mit dem entsprechenden Öl. Die Duftlämpchen
werden schon vor der Andacht entzündet, so dass die Ankommenden
schon von dem Duft empfangen werden. In großen Räumen
empfiehlt sich der Einsatz von Blumenbestäubern.
Ablauf:
Ankommen:
Beim Ankommen wird jede und jeder Jugendliche persönlich begrüßt
und erhält ein Liedblatt mit dem Abendlied und eine Feder.
Musik zum Eingang: »Move, spirit move«
(Wilson/Jost-Naujoks)/ »O happy day« (trad./Gössler)/
»Durch die Wüste« (Werth/Nitsch)/ »Eingeladen
zum Fest des Glaubens« (Eckert/Veciana)/ »Freedom is
coming« (Nyberg)/ »We are the world« (Jackson/Richie)
Begrüssung:
Wir heißen euch herzlich willkommen zur Mitternachtsandacht.
Sie steht unter dem Thema »Close Your Eyes, Open Your Mind«.
Wir laden euch ein, eure Augen zur Ruhe kommen zu lassen und eure
anderen Sinne zu öffnen.
Lied: »Der Tag ist am Ziel« (Zink/Hufeisen,
in: amen: Lieder für Kinder und Jugendliche)
Nacht:
Die Nacht ist eine besondere Zeit. Die Nacht ist die Zeit des Geheimnisvollen,
des Verborgenen, des Seltsamen, der Träume und des Verliebens.
In der Nacht ist Gott näher als am Tag. Die wesentlichen Erfahrungen
mit Gott haben die Menschen der Bibel in der Nacht gemacht. Im Schutz
der Nacht machen wir Erfahrungen wie niemals am Tag.
Augen schliessen:
Die Nacht ist nicht die Zeit der Augen. Unsere Augen hatten den
ganzen Tag viel zu tun. Die Bilder unserer Welt werden immer faszinierender
und immer schneller. Sie strengen unsere Augen an. Unsere Augen
brauchen Zeit zu ruhen. Sie brauchen Auszeiten, damit aus den äußeren
Bildern innere Bilder werden können. Sonst verlernen wir zu
sehen. Dann rauschen die Bilder an uns vorüber und berühren
uns nicht mehr. Und das wäre schlimm. Dann würden uns
die leidvollen Bilder nicht mehr betroffen machen, wir würden
gleichgültig gegenüber der Gewalt, aber auch die wohltuenden
Bilder würden uns nicht mehr berühren und heilen. Unsere
Augen brauchen Ruhe, damit wir sehen lernen. Die Augen zu schließen,
das braucht Vertrauen. Wir haben keine Kontrolle mehr über
das, was um uns geschieht. Ein altes Abendlied erzählt von
unseren müden Augen. Wir können sie ruhig schließen,
weil Gottes Auge über uns wacht:
Solo 1:
»Mein Augen stehn verdrossen, im Nu sind sie geschlossen.
Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut
für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel.« (in:
EG 477,7)
Sinne auf:
Wenn die Augen ruhen, werden die anderen Sinne wach. Die Nacht ist
die Zeit der Ohren. Geheimnisse hören, auf Geräusche achten,
Klängen lauschen. Im Dunkeln ist gut munkeln. Die Nacht ist
die Zeit der Nasen: Duft ausströmen, schnuppern, durchatmen,
aufatmen, wittern.
Die Nacht ist die Zeit der Haut: Vorsichtig
tasten, sich zärtlich berühren, ausschwitzen, streicheln.
In der Nacht werden die anderen Sinne wach.
Mit Schnuppern, Lauschen, Tasten nehmen wir auf andere Weise und
ganz intensiv wahr.
Das gleiche Abendlied erzählt davon:
Solo 2
»Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und
Felder, es schläft die ganze Welt. Ihr aber, meine Sinnen,
auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohl gefällt.«
(in: EG 477,1)
Riechen
Wusstet ihr, dass wir uns mit der Nase verlieben? Der Geruch, der
Duft eines Menschen ist viel entscheidender als der optische Anblick.
Unsere Nase entscheidet, wen wir gut riechen können. Und die
Nase ist schlau. Sie erkennt den ganz persönlichen unverwechselbaren
Duft hinter dem Deo. Den stundenlangen Frust vor dem Spiegel können
wir uns also sparen. Nirgendwo in der ganzen Bibel duftet es so
gut wie in einem alten Liebeslied.
»Er: Wie schön ist deine Liebe, meine
Freundin! Berauschender als Wein. Und dein Duft übertrifft
alle Gewürze. Deine Lippen sind süß wie Honig, und
der Duft deiner Kleider exotisch wie Zedern. Du bist wie ein verschlossener
Garten. (Du hast mir mein Herz genommen mit einem einzigen Blick
deiner Augen.) Sie: Steh auf, Nordwind, und komm, Südwind,
und wehe durch meinen Garten, dass der Duft seiner Gewürzpflanzen
ströme.« (Hld 4, 11ff.)
Die Menschen der Bibel erzählen von Gott,
dass Gott besonderen Wert auf Wohlgerüche legt. Der gute Geruch
von gebratenem Fleisch, der zum Himmel steigt und Gott erfreut,
ist der Grund, warum man Tiere opferte, der Duft von Weihrauch hat
dies abgelöst. Wo Gottes Weisheit ist, da duftet es, erzählt
die Bibel: »Gottes Weisheit sagt von sich: Ich strömte
einen lieblichen Geruch aus wie Zimt und köstliche Würze
und duftete wie die beste Myrrhe und wie der Weihrauch im Tempel.«
(Sir 24, 20). Menschen, die auf Gottes Weisheit achten, werden wachsen
und aufblühen und selbst Wohlgeruch verbreiten. »Achtet
auf meine Weisung und ihr werdet wachsen wie die Rosen, an den Bächen
gepflanzt, und werdet geheimnisvollen Duft geben wie Weihrauch und
blühen wie die Lilien. Verbreitet Wohlgeruch und singt Gott
ein Loblied!« (Sir 39, 17f)
Der ganze Raum wurde von Wohlgeruch erfüllt,
als eine Frau zu Jesus ging und ihn salbte. So gab sie dem Namen
Messias, der Gesalbte, eine ganz neue Bedeutung. »Wo das Evangelium
erzählt wird in der Welt, da wird man auch sagen, was sie getan
hat, zu ihrem Gedächtnis.« (Mk 14, 9)
An verschiedenen Stellen des Raumes duftet es
unterschiedlich, vielleicht habt ihr es schon gemerkt. Wir laden
euch ein, nachher zu schnuppern und der Nase nach zu gehen, wohin
es euch zieht, und euch einen Tropfen von dem Öl geben zu lassen.
Ihr könnt euch selbst ein Kreuz auf die Hand malen oder euch
auch von uns salben lassen, in dem ihr euch ein Kreuz auf die Stirn
zeichnen lasst.
Lied: »Ich will dich so, so wie du bist«
(in: Frauenliturgien, Kösel 1998)
Schmecken:
Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist. Die Nacht ist eigentlich
nicht die Zeit des Schmeckens, weil auch unser Verdauungssystem
Ruhezeiten braucht. Aber es gibt ja das Betthupferl, eine kleine
Leckerei vor dem Schlafengehen.
Es gibt eine seltsame biblische Speise, die
in der Nacht entsteht, das ist das Manna. (vgl. Ex 16) Als das Volk
Israel den langen mühsamen Weg durch die Wüste zog, litten
die Menschen Hunger und machten Gott Vorwürfe. Gott versprach
ihnen: In der Nacht will ich Brot vom Himmel regnen lassen. Sie
legten sich schlafen, und als sie am Morgen aufstanden, lag Tau
rings um das Lager. Und als der Tau weg war, da lag etwas in der
Wüste, klein und rund wie Reif auf der Erde. Die Menschen fragten:
Man hu? Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Deshalb
heißt es Manna. Sie sammelten es in Krügen und machten
Brot daraus.
Manna gibt es wirklich. Es ist das getrocknete
Harz eines Wüstenstrauchs und schmeckt ganz süß.
Die Menschen nannten es Himmelbrot. Es war ihre Rettung. Heute nacht
könnt ihr Manna schmecken, wenn ihr möchtet, nachher,
am Ende. Manna als Betthupferl sozusagen. Manna sei Stärkung
für euch heute Nacht, besonders dann, wenn euer Weg gerade
schwer ist wie durch eine Wüste. Wir singen das Lied, das von
Manna erzählt:
Lied: »Bewahre uns Gott« (in: EG
171)
Tasten:
Ihr habt eine Feder bekommen. Wenn ihr mögt, nehmt sie und
streicht damit über eure Hand oder über eure Stirn oder
über euren Nacken. Wo ihr mögt. Spürt, wo es angenehm
ist. Unsere Haut ist ganz empfindsam. Wir merken, wie zart wir sind
und wie verletzlich. So empfindsam wie unsere Haut ist unsere Seele.
Lied: »Angel« (auf der CD: Querschnitt
(Öku-Pax))
Psalm 91
In dieser Nacht erinnert uns die Feder an Gott. Die Menschen der
Bibel haben sich Gott vorgestellt als ein Wesen mit Flügeln,
unter denen wir geborgen sind, besonders in der Nacht.
Gott wird dich mit Fittichen decken, und du wirst Zuflucht haben
unter Gottes Flügeln. Gottes Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht. Gott hat
den Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen
Wegen, dass sie dich auf Händen tragen. Eure Schutzengel begleiten
euch in diese Nacht, daran erinnert euch die Feder. Und auch das
dritte Lied erzählt davon:
Lied 3: »Von der Zärtlichkeit Gottes«
Vaterunser
Hören:
Ihr habt viele Worte gehört und Musik. Jetzt könnt ihr
Bilder hören. Ihr habt jetzt Zeit, einfach zu ruhen und auf
die Klänge zu lauschen, wenn ihr mögt, mit geschlossenen
Augen, und auf die Bilder zu achten, die die Musik in euch aufsteigen
lässt. Ihr habt jetzt aber auch die Möglichkeit, umher
zu gehen, der Nase nach, euch salben zu lassen, wenn ihr mögt,
ihr könnt euch als Betthupferl Manna auf der Zunge zergehen
lassen. Jugendliche aus unserem Vorbereitungsteam sind an verschiedenen
Stellen des Raumes zu finden, an den Stellen, die besonders beleuchtet
sind, wo bunte Tücher von der Decke hängen, und halten
beides für euch bereit. Bleibt, solange ihr mögt. Und
seid gesegnet, wenn ihr geht.
Segen:
Möge das Auge Gottes über dich wachen und dich beschützen
zu jeder Zeit. Mögest du geborgen sein wie unter Gottes Flügeln.
Mögen Schwingen dich tragen ins Land deiner Träume. Amen.
Zu jeder Lichtinsel begeben sich jetzt zwei Personen aus dem Vorbereitungsteam:
Eine salbt, bzw. bietet das Öl an, eine gibt eine Löffelspitze
Manna in die Hand.
Hörwelten
Offener Schluss mit Salbung und Manna
Anmerkungen:
Dieser Entwurf wurde erarbeitet von Christine Tergau-Harms, Volker
Walpuski (Hannover), der Jugendband Öku-Pax (Rotenburg) und
der Christlichen Lebnsgemeinschaft in Aserl (LiA)
Kontakt:
Landesjugendpfarramt im Haus kirchlicher Dienste
Christine Tergau-Harms, Archivstr. 3, 30169 Hannover
Telefon 0511/1241-428
tergau-harms@kirchliche-dienste.de
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