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»Das Leben ist...«
Ein Jugendgottesdienst
der St. Thomasgemeinde in Hannover
Übersicht:
Dias/Einspielung
Begrüssung
Lied: »Erkennen wir doch...«
Text: Ein Tag im Januar
Lied: »An sein Reich«
Text: Sie! Haben Sie das gewusst... (Monolog)
Text: Das Leben ist ein Geschenk Gottes (Dialog)
Lied: »Alles muss klein beginnen«
Aktionsteil/Einspielung
Lied: »Eine Handvoll Erde«
Text: Monolog des Todes
Lied: »Da berühren sich Himmel und
Erde«
Ansprache
Variationen über Psalm 23
Lied: »Einmal wurd' es am Himmel hell«
Fürbittengebet/ Vaterunser/ Segen
Lied: »Einer hat uns angesteckt«
Material:
Stellwände, auf denen verschiedene Texte angebracht wurden
(siehe Anmerkungen)
Ablauf:
Dias/Einspielung
Begrüßung:
Herzlich willkommen zu diesem Jugendgottesdienst! Unser nicht ganz
unbescheidenes Thema ist das Leben. Leben - was ist das eigentlich?
Jeder und jede von uns hat´s, aber es zu erklären ist
doch nicht so ganz einfach. Wenn es um Abtreibung oder Sterbehilfe
geht, spielt die Definition von Leben eine wesentliche Rolle, aber
was ist mit der Zeit dazwischen? Leben manche mehr als andere? Lässt
sich über manche am Ende ihres Lebens vielleicht sogar behaupten:
Sie hätten nur mehr oder weniger gelebt, eigentlich eher weniger?
Ihr werdet am Ende dieses Gottesdienstes nicht mit einer fertigen
Definition des Begriffes »Leben« nach Hause gehen, vielleicht
aber mit ein paar Anregungen.
Begegnen werden uns heute Abend verschiedene Sichtweisen vom Leben:
Eine Frau klagt über die Ungerechtigkeiten im Leben, eine Gesprächsrunde
diskutiert die Frage, ob das Leben ein Geschenk Gottes ist oder
nicht, und auch der Tod persönlich gibt seine Meinung ab. Schließlich
wird noch die Frage erörtert, ob nicht doch das ganze Leben
ein Quiz ist. Besonders begrüßen möchte ich jetzt
noch die Band »Jesaja« aus Kirchrode, sie gehört
dort zu einer katholischen Gemeinde und wird heute Abend hier diesen
Gottesdienst musikalisch gestalten. Vielen Dank schon mal an dieser
Stelle dafür.
Eine Kollekte wird heute nur am Ausgang erbeten.
Sie soll bestimmt sein für die Gestaltung weiterer Jugendgottesdienste
in dieser Gemeinde. Am Schluss jetzt noch eine Einladung: Alle,
die im Anschluss an diesen Gottesdienst noch Lust und Zeit haben
hier zu bleiben, sind herzlich eingeladen, nach drüben in den
Jugendraum zu kommen und dort mit uns eine Kleinigkeit zu essen
und zu trinken. Nun wünsche ich uns allen einen schönen
Gottesdienst.
Lied: »Erkennen wir doch...«
Text: Ein Tag im Januar
Ein Tag im Januar voller Lebens-Erfahrungen
7 Uhr: Der Wecker klingelt. Das Leben ist unmenschlich.
7 Uhr 45: Straßenbahnfahrt zur Schule.
Ein Blick in die Gesichter der Fahrgäste.
Bittergesichter noch und noch. Das Leben ist ernst, sehr ernst.
Vorfreude auf einen Arbeitstag scheint es nicht zu geben. Die Bildschlagzeile
des Tages: Verona Feldbusch - Neue Nasenspitze! - Das Leben ist
ein Schönheitswettbewerb. Zwischenfrage: Sind Prominenz und
Intelligenz Gegensätze?
8 Uhr 15: Schulbeginn - das Leben ist Kampf!
Kampf mit der Müdigkeit, Kampf mit dem Lehrer, Kampf mit mir.
Von der Mimik her betrachtet sieht´s in der Schule außerhalb
der Pausen nicht sehr viel anders aus als in der Straßenbahn.
Das Leben ist immer noch ernst, sehr ernst. Langeweile im 45-Minuten-Takt.
Eine Schule, die uns auf´s Leben vorbereitet, muss wohl so
sein. Obwohl: Was heißt hier eigentlich vorbereitet? Wir leben
doch längst, oder?! Vielleicht ist alles ein Schwindel und
wir werden in der Schule nur noch für ein Scheintoten-Dasein
fit gemacht??! Damit auch wir eines Tages als Bittergesichter zur
Arbeit fahren. Die Schule als Ausbildungsplatz für den perfekten
Straßenbahnfahrer. Das Leben ist unheimlich.
Stunden später: ein Highlight. Eine interessante
Bio-Stunde. Das Leben ist faszinierend - für die, die dem Lehrer
folgen können.
Rückfahrt: Ein Leichenwagen überholt
die Straßenbahn. Ein Sarg ist zu sehen. Das Leben ist die
Vorstufe einer Fahrt im schwarzen Auto. Eben noch in der Straßenbahn
- jetzt schon beim Solotransport in geräumiger Limousine. Warum
ziehen die eigentlich nicht mal die Gardinen zu??
13 Uhr 30: Wieder daheim. Laute Musik - das
Leben ist angenehm.
13 Uhr 35: Meine kleine Schwester betritt das
Zimmer. Das Leben ist wechselhaft. Du musst ständig mit dem
Schlimmsten rechnen.
15 Uhr: Zeit für Hausaufgaben. Das Leben
besteht aus Pflichten. Nach einer Stunde reicht´s. Wer kommt
schon all seinen Pflichten nach? Mein Freund besucht mich. Das Leben
ist Küssen und Zärtlichkeit. Später fahren wir in
die Stadt. Das Leben besteht aus Sonderpreisen. Das Leben sind tausende
Gesichter - anonyme Massen, eilig unterwegs - einige scheinbar ziellos.
Das Leben ist Betteln, das Leben ist Schwelgerei, das Leben ist
eine riesige CD-Abteilung! Fast eine Stunde lang Plastik-Geklapper
beim Durchstöbern der Regale und Herumspazieren - von Kopfhörer
zu Kopfhörer. Das Leben ist Musik.
Anschließend: Kino-Besuch: Titanic - das
Leben ist eine Katastrophe. Ist Kino nicht das wahre Leben?? Hoffen,
bangen, lachen, dahinschmelzen - und morgen wieder Straßenbahn.
Das ein Film aufregender ist als das Leben kann doch wohl eigentlich
nicht angehen, oder?! Irgendetwas stimmt da nicht! Das Leben ist
ein Rätsel. Nach Stunden das Ende des Films. »Der schöne
Leonardo...«, trauere ich. »Das schöne Schiff...«,
trauert mein Freund. Das Leben ist ungerecht zu den Männern,
sie kommen anscheinend mit angeborener Verblödung zur Welt.
Schließlich Heimfahrt. Das Leben ist Abschied-Nehmen. Immer
wieder. Das Leben ist Vorfreude auf das Wiedersehen. Und manchmal
eine Mischung aus beidem. Zuhause angekommen noch eine kleine Dosis
Nachtprogramm. Das Leben ist Zapping. Harald Schmidt: Das Leben
ist Zynismus. Al Bundy: Das Leben ist scheiße, sagt er. Gelächter
vom Band. Warum Gelächter vom Band, wenn einer sagt, das Leben
ist scheiße?? Sind wir alle Sado-Masos? Apropos Sado-Maso:
Jetzt noch den Rest der Hausaufgaben erledigen? Oder lieber von
Leonardo träumen? Das Leben besteht aus Entscheidungen. Manche
sind leicht zu treffen: Ich gehe schlafen. Bis der Wecker wieder
klingelt. Das Leben ist Routine.
Lied: »An sein Reich«
Text: Sie! Haben Sie das gewusst? (Monolog)
Sie! Haben sie das gewusst, dass jeder vierte Krebs kriegt?! Ja,
zählen sie mal durch... Is doch furchtbar, oder?!... und dann,
dann erwischt es auch noch meistens die Falschen! Da könnt
ich in die Luft gehen, könnt ich da... Ich hab schon manchmal
gedacht: Is doch ne einzige Schweinerei, was die uns hier als Leben
anbieten! Stimmt`s nicht? Wenn man nur wüsste, wo man sich
beschweren soll...
Nehmen se zum Beispiel mal meinen Schwager,
den Walter: Raucht. Säuft. Fährt Motorrad. Wird nächsten
Monat zum dritten mal geschieden - und sieht immer noch aus wie
das blühende Leben! Ist das vielleicht gerecht?? Sie! Wenn
ich mir dagegen meinen Jürgen ansehe - ich sag Ihnen: Da kann
man schon melancholisch werden!
Dabei hab ich ihn jeden morgen zum Joggen geschickt.
Damit er auch mal rauskommt aus`m Haus. Hab doch gedacht, dass das
so gesund ist. Und was steht da eines Tages in der Zeitung: Jogger
kriegen leichter Asthma! Ja, sagen se mal - da hört sich doch
nun alles auf... Ab sofort war`s natürlich aus mit dem Gelaufe.
Jürgen hab ich gesagt, ab heute is Schluss mit Auslauf. Du
kommst mir nich mehr in`n Park. Kriegste Asthma von... Is doch aber
irgendwie typisch... da glauben se jahrelang genau das richtige
zu machen, und dann isses plötzlich genau das Falsche. Wenn
man bloß wüsste, wo man sich beschweren kann über
die ganze Zumutung hier... Man weiß ja auch gar nich womit
man das ganze Unheil und so hier verdient hat. Da sind se immer
`n anständiger Mensch, versuchen alles richtig zu machen, gesunde
Ernährung und so, tun keinem was zuleide, sogar mit den Nachbarn
reden se ma`n freundliches Wort - und dann kriegen se doch eines
Tages kräftig einen übergezogen... Es is alles dermaßen
ungerecht... aber was wollen se machen? Hilft ja alles nix... So
ist das Leben nun mal.
Wahrscheinlich kaufen wir dem Jürgen jetzt`n
Hund! Stand auch neulich in der Zeitung: Hundehalter leben länger.
Soll angeblich den Blutdruck senken, wenn se so `ner Töle das
Fell tätscheln... Naja, man will ja nichts unversucht lassen...
aber da können se gut haben, dass die nächstes Jahr genau
das Gegenteil behaupten: »Dein Haustier - das unbekannte Risiko«
oder so... Ist doch auf nichts mehr Verlass, heutzutage! Naja, ich
muss weiter. Noch den Blasentee aus´m Reformhaus holen...
kostet alles viel Geld und nützt überhaupt nix! Irgendwann
geh´n wir ja doch alle drauf! Schönen Abend noch!
Text: Das Leben ist ein Geschenk Gottes (Dialog)
A: Das Leben ist ein Geschenk Gottes!
B: Aha!
C: Schade nur, dass man solange zum Auspacken
braucht...
B: Das Auspacken ist meist doch das Angenehmste.
Ich krieg vielleicht manchmal einen Mist geschenkt... da ist die
Verpackung oft noch das netteste dran!
A: Vielleicht verpackt Gott seine Geschenke
ja gar nicht...
B: Schade!
C: Das Leben als Geschenk - naja... zumindest
bekommt man´s ja einfach so, bis dahin stimmt´s schon
mal.
B: Und wie steht´s mit dem Umtauschrecht?
Geschenke ohne Umtauschmöglichkeit find ich behämmert!
C: Sie erinnern mich an meine Frau. Die denkt
auch immer beim Auspacken schon ans Umtauschen.
B: Wenn ich etwas verschenke, achte ich immer
darauf, dass man´s auch umtauschen kann.
C: Ist bei ihrem Geschmack auch ratsam!
B: Warum hat Gott nicht daran gedacht? Vielleicht
würd ich mein Leben ja auch gern mal umtauschen...
C: Und wie soll das gehen??
B: Ja, was weiß ich? Vielleicht wär
ich ja auch gern mal Boris Becker oder Michael Stich oder so...
Beide jung, reich und arbeitslos - würd mir schon gefallen,
die Mischung.
C: Dann wären sie ja mit Babs oder Jessica
verheiratet!
B: Das würd ich in Kauf nehmen. Ich könnt
ja mit meiner Frau ´n Verhältnis anfangen...
C: Dann wär´n sie aber nicht mehr
Becker oder Stich.
A: Betrachten sie ihr Leben doch einfach mal
als Rohmasse, als Knete gewissermaßen...
B: Erst ein Geschenk Gottes, jetzt ‘ne
Packung Knete - sie wissen aber auch nicht, was sie wollen...
A: Ich will damit nur sagen: In einem gewissen,
ziemlich großen Rahmen, haben sie ja eine, bzw. sogar viele
Umtauschmöglichkeiten. Denn sie haben mit ihrem Leben als Mensch
auch einen freien Willen geschenkt bekommen. Und der befähigt
sie, Ihr Leben immer wieder ganz neu zu formen. Sie können
ihr Leben umtauschen und ein anderer werden!
B: Noch einer??
C: Dann wär er doch so´n Schizo,
so ‘n Schizophrener, oder?!
A: Naja, ein ganz anderer könnte er vielleicht
nicht werden. Natürlich gibt´s sowas wie Erbmasse, frühkindliche
Prägungen und so. Aber trotzdem: Das Leben ist ja kein Gefängnis,
eher so eine Art Herausforderung würde ich sagen, eine Aufgabe...
B: Jetzt geb ich aber auch gleich auf! Was denn
für ne Aufgabe??
C: Wahrscheinlich meint er: Wir kriegen hier
dauernd Aufgaben gestellt, und nach´m Tod is Zeugnistag! Richtig?
A: Zeugnistag - weiß ich nicht. Ich glaub
nur, dass auf jeden Fall Arbeit, Mühe, Schmerz und Anstrengung,
all das, genauso zum Leben gehören wie die vielen angenehmen
Seiten. Das Leben ist eben oft kompliziert und schwierig...
C: Und anfällig! Anfällig auch. Bedenken
sie mal, wie leicht einem was zustoßen kann...
B: Moment jetzt mal! Da möcht ich jetzt
aber mal kurz dazwischen!
A: Bitte, bitte!
B: Wenn ich das bisher Gesagte mal kurz zusammenfassen
dürfte: Das Leben ist ein Geschenk Gottes. Man muss sich abmühen,
man muss leiden, man kriegt dauernd Aufgaben und in Gefahr geraten
kann das gute Stück auch noch jederzeit. Richtig?
A: Nicht gerade eine vollständige Definition,
aber nicht falsch jedenfalls.
B: Na, da bin ich ja ganz platt vor Begeisterung
über so ein Geschenk. Mag man ja gar nicht annehmen, so was
Tolles. Nur wird man ja leider gar nicht gefragt, ob man´s
annehmen will. So sieht´s doch aus!
C: So ist das nun mal mit Geschenken...
A: Vergessen sie nicht die vielen angenehmen
Aspekte des Lebens! Die sollten sie nicht so völlig außer
Acht lassen.
B: Soll ich ihnen mal sagen, wie ein angenehmes
Geschenk für mich aussieht? Ein angenehmes Geschenk kann man
essen, trinken oder einfach in irgendeine Ecke stellen und fertig.
Mit einem angenehmen Geschenk hat man keinen Ärger, verstehen
sie?? Wieso macht Gott Geschenke, die Ärger machen??
A: Alles, was Freude macht, kann auch Ärger
bereiten - automatisch! Die Erde ist kein Paradies...
B: Das weiß ich auch, dass die Erde kein
Paradies ist. Aber warum nicht? Warum eigentlich nicht??
C: Stimmt!
A: Was?
C: Für ein Geschenk Gottes ist das doch
wirklich alles etwas mickrig hier, oder?! Ich meine, da könnt
man doch schon ein bisschen mehr erwarten manchmal...
A: Aber ist es nicht so, dass die wirklich guten
Geschenke nicht nur einfach so konsumierbar sind, sondern eben eher
eine Herausforderung?
B: Sie wiederholen sich! Ich hätte eben
lieber eine wertvolle, fertige Skulptur als Ihre Packung Knete!
A: Wirklich? Sie fänden das wirklich gut,
wenn nichts mehr in ihrem Leben dem Wandel unterworfen wäre?
B: Ich fänd´s gut, wenn das Leben
ein bisschen perfekter wäre...
C: Ein bisschen perfekter? Was soll das denn
bedeuten?
A: Ist Perfektion nicht das Gegenteil von Leben?
C: Oh nein!
A: Bitte?
C: Ich hatte schon befürchtet, sie würden
wieder so etwas in der Art sagen...
A: Wieso?
C: Sie sagen andauernd so Sätze, über
die man erst mal nachdenken muss. Ich bin das nicht gewohnt, verstehen
sie. Ich schau sonst den ganzen Tag nur Kabelfernsehen. Nehmen sie
mal ein bisschen Rücksicht.
A: Vielleicht sollten sie einfach ein bisschen
mehr aus ihrem Geschenk machen. Geschenke, die mit so viel Liebe
gemacht sind wie das Leben, sollte man nicht freiwillig der Verblödung
unterziehen...
C: Hää??!
B: Will Gott etwa nicht, dass wir fernsehen?
A: Ich weiß nicht, ob Gott das will oder
nicht. Aber - ehrlich gesagt - bei manchen Serien und Filmen kann
ich mir einfach nicht vorstellen, dass es ihm gefällt. Außerdem:
Fernsehen ist für mich - streng genommen - keine Form des Lebens,
sondern des »Beim-Leben-Zuschauens«. Und das tun wir
nun wahrlich schon oft genug.
C: Jetzt wird´s aber langsam kurios. Jetzt
wird´s aber ganz kurios!
B: Sie wollen sagen, wir sitzen - gewissermaßen
- tot vor´m Bildschirm??
A: Naja, sie schauen ja immerhin noch zu. Aber
ansonsten: Keine Kommunikation, kein Austausch, kein Eingreifen
- eigentlich doch sehr stark ausgeprägte Passivität.
C: Ja, deshalb isses ja auch so erholsam!!
B: Fernsehen als Lebensgefahr... naja, auch
mal was Neues!
C: Tja, ich glaube, ich müsste dann auch...
A: Was?
C: Nach Hause, ähh, ein... ein Fortsetzungsfilm
- sie verstehen?!
A: Ah ja...
B: Dann passen sie nur gut auf...
C: Worauf?
B: Na, das sie dabei am Leben bleiben...
Lied: »Alles muss klein beginnen«
Aktionsteil/Einspielung:
Leben ist auch Bewegung, Begegnung und Kommunikation. Genau darum
soll es nun gehen. Wir möchten Sie und euch einladen, hier
nach vorne in den Altarraum zu kommen, um die Stellwände zu
betrachten und um sich vielleicht über dies und jenes auszutauschen.
An den Stellwänden findet ihr Texte, Fotos,
Sprüche, Witze und vieles andere zum Thema Leben, u.a. auch
Konfirmanden-Vorstellungen von einem idealen Wochenablauf, sowie
Aussagen von Konfirmanden und anderen Jugendlichen zu unserem heutige
Thema. Wer diese Stellungnahmen auf der grün-orangefarbenen
Fläche ergänzen möchte mit eigenen Gedanken, ist
herzlich eingeladen, dies zu tun. Die Band wird zwei Instrumentaltitel
spielen, danach soll es dann mit dem Ablauf des Gottesdienstes weitergehen.
Lied: »Eine Handvoll Erde«
Text: Monolog des Todes
Hallo! Ich bin´s - der liebe Tod! Ja, da müsst ihr doch
nicht erschrecken... Hört ma her: Wer befreit uns von Diktatoren,
Ängsten und Verbrechen und am Ende von aller Not? Genau: Der
Tod! Wer macht uns am Ende alle gleich, bei wem sitzen wir alle
im selben Boot? Beim Tod!
Tja... Okay okay, ich weiß schon: Ihr
findet mich trotzdem Scheiße... Aber, ich kann euch sagen,
das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Ich halte auch nicht gerade
viel von euch. Gut, es gibt Ausnahmen. So ein paar Mega-Coole, die
durch ihre Coolness so knapp unterhalb der Leichenstarre dahin vegetieren,
die find ich durchaus erträglich. Oder die, die ihr Grufties
nennt, die sind auch niedlich. Die treff ich ab und zu auf den Friedhöfen,
und dann wollen sie immer mit mir Verstecken spielen. Drollig, drollig...
Aber die meisten von euch sind einfach Spinner! Ich sag´s
euch. Sicherheitsfanatiker und so. Die würden am liebsten noch
ihre stinkenden Pantoffeln gegen Diebstahl versichern, so beknackt
sind die. Die stapeln und horten, verschließen und sichern...
lächerlich ist das! Als wenn ihr auch nur irgendetwas mitnehmen
könntet, wenn ich euch heimsuche... nix da, ihr kommt nackt
und ihr geht nackt - mehr oder weniger jedenfalls. Und Sicherheit,
Sicherheit gibt´s überhaupt nicht. Die Leute mit den
Versicherungen, mit den Garantien und festen Zusagen betrügen
euch. Nichts ist sicher! Alles ist nur eine Frage des Glaubens und
Vertrauens. Das einzige, was ich vielleicht als sicher akzeptieren
würde, ist: dass wir uns wiedersehen! Dann vielleicht nicht
unter so erfreulichen Umständen wie hier, in dieser gemütlichen
Runde, aber: Wir werden uns wiedersehen, früher oder später...
Hab ich jetzt wieder böse Sachen gesagt,
die euch Angst machen... Aber der liebe, kleine Tod kann´s
euch doch nicht ersparen, ihr kleinen Angsthasen, so ist das nun
mal... Warum solltet ausgerechnet ihr unsterblich sein? Seid ihr
vielleicht was besonderes? Mozart war was besonderes, und der ist
nur 35 geworden! Tja ja, da kommt man ins Grübeln, oder?! Denkt
doch mal nach. Zum Beispiel über eure Ohren. Ohren werden im
Alter immer größer. Wenn ihr nun immer länger leben
würdet, ihr wäret eines Tages ganz Ohr - im wahrsten Sinne
des Wortes. Fändet ihr das etwa erstrebenswert? Und ihr könntet
immer alles auf morgen verschieben - wer würde dann überhaupt
noch was machen??
Natürlich bekomme ich eine Frage immer
wieder zu hören: Gibt es nach dir noch ein Leben, fragen die
Leute ständig. Ich kann das schon nicht mehr hören. Ich
möchte zunächst einmal ernstgenommen werden, verstanden!
Nicht so nach dem Motto: Na ja okay, da kommt mal kurz der Tod,
aber dann, dann geht die Party erst so richtig los - so ja nun nicht!!
Ich möchte schon eine wichtige Rolle spielen in euerm Leben,
nicht einfach so übergangen werden... und ansonsten: Wartet´s
ab! (hämisch säuselnd) Alles wird gut... (lachen)
Lied: »Da berühren sich Himmel und
Erde«
Ansprache:
Jaja, ich weiß schon, warum mich damals dieser Titel von Hape
Kerkeling »Das ganze Leben ist ein Quiz« so angesprochen
hat. Ich habe da gleich eine tiefere philosophische Wahrheit hinter
vermutet. »Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur
die Kandidaten...« Ja, ist doch so: Fragen über Fragen
- ein Leben lang... Lohnt es sich überhaupt, zur Schule zu
gehen, wäre es vernünftiger, die nächste Chemie-Arbeit
zu schwänzen, darf ich wirklich anderen Menschen keine Gewalt
antun, selbst dann nicht, wenn es sich um Geschwister handelt, sollte
ich mehr für den Umweltschutz tun, weniger fernsehen, mehr
Bravo lesen? Fragen über Fragen, tagaus, tagein...
Aber! - und das ist nun wirklich der Hammer
- etwas ganz Entscheidendes fehlt: Der Quizmaster! Der, der sagt:
Richtige Antwort, falsche Antwort. Der fehlt! Das Leben stellt Fragen,
ich antworte - aber wann erfahre ich endlich mal meinen Zwischenstand??
Liege ich gut im Rennen oder stehe ich eher wie damals in der Schule??
Ich lebe so vor mich hin und nie weiß ich so genau den Punktestand,
versteht ihr? Ist doch hart, oder?? Ich meine, wenn wir mal davon
ausgehen, wir streben im Leben auf so ‘ne Art Abschlusszeugnis
zu, kriegen aber nie irgendwelche Zwischenzensuren zu hören
oder zu sehen... ja, was soll man denn davon halten?? Etwas konkreter
könnte das da schon zugehen, oder?? Wie soll man denn da zu
einer Kurskorrektur kommen, wenn keiner einen mal darauf hinweist,
dass man seit zehn Jahren nur noch auf Umwegen und Einbahnstraßen
verkehrt? Wenn da allenfalls mal Andeutungen von Hinweisen sind:
Könnte verkehrt sein, könnte aber auch richtig sein. Die
eindeutigen Schilder fehlen, die Lebens-Begleitungs-Jury für
den Individualfall.
In der Schule ist es ziemlich klar, worum es
geht. Da laufen ja genug Quizmaster rum. Sind zwar nicht alle so
unterhaltsam wie die im Fernsehen, aber sie sagen, wo es langgeht.
Natürlich sind beim Fernsehen auch die Hauptpreise attraktiver
als diese halbjährlich ausgehändigten Blätter mit
den vielen Ziffern drauf. Keine Kunst, so was zu überbieten.
Aber: Sie geben eine gewisse Orientierung, das immerhin tun sie.
In der Schule kann man auch wiederholen, wenn bestimmte Ziele nicht
erreicht wurden. Im Leben geht das nicht immer. Es gibt keine Generalprobe
für das Leben. Es ist Premiere und letzter Auftritt zugleich
- sozusagen. Da kann man sich eigentlich nicht wundern, wenn im
Leben so viel schief laufen kann. Kein Quizmaster, keine Rückspul-
und Überspielmöglichkeit - da muss man ganz schön
aufpassen! Neulich zum Beispiel, da hatte ich so ein Erlebnis der
Kategorie »Kreisverkehr«. Ich war drei Wochen im Urlaub
gewesen, konnte dort nicht fernsehen und habe mir deshalb meine
Lieblingsserien »Marienhof«, »Unter uns«
und »Gute Zeiten - schlechte Zeiten« tagtäglich
aufzeichnen lassen. Wieder zu Hause habe ich es mir dann stundenlang
reingezogen. Aber so nach der Hälfte hatte ich irgendwie so
ein Gefühl wie drei Stunden Ricklinger Kreisel. Ich war irgendwie
kein Stück vorwärts gekommen und spürte nur noch
so eine Art Leere im Kopf. Seitdem bin ich clean. Ich brauche diese
Serien nicht mehr. Heilsame Überdosis sozusagen, kann ich den
Süchtigen unter euch nur empfehlen.
Aber auch das ist wieder so eine Erkenntnis,
die mir zu schaffen macht: Ich hab jahrelang gebraucht, um mir klarzumachen,
da schreiben Drehbuchautoren unter dem Motto »Ich weiß
auch nicht, worum es im Leben geht, aber senden sollten wir es auf
jeden Fall«, und ich unterziehe mich auch noch freiwillig
dieser Zeitverschwendung. Warum hat der Quizmaster in mir so verdammt
lange geschwiegen? Vier Stunden Fernsehen pro Tag bedeutet: Wenn
ich mal 60 werde, habe ich allein zehn Jahre davon vor dem Bildschirm
verbracht. 10 Jahre! Okay: Man kann sagen, was gibt es besseres
als Fernsehen? Aber ich glaube, mir fiele einiges ein! In meinem
Alter hat man sich daran gewöhnt, dass es auf und ab geht im
Leben. Und das ist ja auch gar nicht mal so verkehrt. Würde
es immer nur aufwärts gehen, was wäre das am Ende für
ein monströser Absturz! Ich meine: Die kleinen Verluste, die
vielen kleinen Tode zwischendurch, die haben schon ihre Berechtigung,
vermut ich mal. Der Gedanke, man hinterlässt irgendwann mal
nicht nur Erfreuliches, der macht einem den Abschied vielleicht
mal leichter - kann doch sein. Dann werden genau die Phasen des
Lebens wichtig, mit denen man sich besonders schwer getan hat...
Andererseits - oft wünsche ich mir schon, es ginge ein bisschen
sorgloser zu in meinem Leben. Da wären nicht so viele Ängste,
Unsicherheiten. Manchmal ist da eine Sehnsucht nach unendlicher
Geborgenheit und tiefem Frieden. Und manchmal übe ich die Zuversicht
mit diesem Gebet:
Variationen über Psalm 23:
Der Herr ist mein Hirte mir wird nichts mangeln. Er sorgt für
mich, ich muss nichts entbehren. Zusage für mein Leben, ein
Geschenk, ein Versprechen. Ich werde mit ihm das Leben nicht versäumen.
Auf grünen Auen lässt er mich lagern,
zur Ruhstatt am Wasser führt er mich. Er stillt mein Verlangen,
er leitet mich auf rechtem Pfade, um seines Namens willen. Wozu
sorgen, wenn nur das Vertrauen reicht. Die Mittel zum Leben gibst
du reichlich, Gott. Erfrische meine schläfrige Seele, begleite
mich durch Zeiten der Hektik und Trauer. Ich vertraue auf deine
Kraft.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal ich
fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir - Schöpfer,
Bewacher, Freund, ich habe Halt an dir du willst für mich sorgen.
Mein Licht, mein Quell, mein Tröster, sei meiner Seele Zuversicht,
und ich werde weilen in deinem Haus mein Leben lang.
Lied: »Einmal wurd' es am Himmel hell«
Fürbittengebet:
Gott, wir wissen: Wir leben nicht an einem Ort der Vollkommenheit.
Viele Menschen leiden dauerhaft. Ängste, Sorgen und Nöte
durchziehen unseren Alltag, Glück gibt es immer nur für
Momente.
Dass trotzdem nichts vergeblich ist, das möchten
wir gern glauben, Gott. Es gibt keine verlorenen Momente, jede Sekunde
hat Sinn, jedes Leid leuchtet irgendwann ein - das möchten
wir glauben.
Hilf, dass wir uns am Leben freuen können,
dass wir deine Nähe spüren und dem Leben dienen. Amen.
Vaterunser
Segen:
Möge Gott auf dem Weg, den du gehst, vor dir her eilen, das
ist mein Wunsch für deine Lebensreise. Mögest du die hellen
Fußstapfen des Glückes finden. Und ihnen auf dem ganzen
Wege folgen. Amen.
Möge die Straße dir entgegeneilen,
möge der Wind immer in deinem Rücken sein. Möge die
Sonne warm auf dein Gesicht scheinen und der Regen sanft auf deine
Felder fallen. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest
in seiner hohlen Hand. Amen.
Mögest du immer eine Aufgabe haben, für
deine Hände etwas zu tun. Immer Geld in der Tasche, eine Münze
oder auch zwei. Immer möge das Sonnenlicht auf deinem Fenstersims
schimmern. Und die Gewissheit in deinem Herzen, dass ein Regenbogen
dem Regen folgt. Die gute Hand eines Freundes möge immer dir
nahe sein. Und Gott möge dir dein Herz erfüllen und dich
mit Freude ermuntern. Amen.
Lied: »Einer hat uns angesteckt«
Anmerkungen:
Textsammlung:
Gott möge bei dir auf deinen Kissen ruhen,
dich schützend in seiner hohlen Hand halten.
Deine Wege mögen dich aufwärts führen,
freundliches Wetter begleite dir deinen Schritt.
Wind stärke dir deinen Rücken.
Und mögest du lange im Himmel sein,
wenn der Teufel merkt, dass du fort bist.
Gott segne den Mond hoch über mir.
Gott, segne die Erde unter meinem Schritt.
Gott, segne meine Familie und alle,
die mir wichtig sind.
Ja, segne mich selbst, du mein Gott.
Gott, segne alles, worauf mein Blick ruht.
Gott, segne alles, worauf meine Hoffnung baut.
Gott, segne meinen Verstand und Willen.
Ja, du Gott des Lebens, gib deinen Segen. Amen.
Ich wünsche dir
Die zärtliche Ungeduld des Frühlings,
das milde Wachstum des Sommers,
die stille Reife des Herbstes
und die Weisheit des erhabenen Winters.
Den tiefen Frieden im Rauschen der Wellen wünsche
ich dir.
Den tiefen Frieden im schmeichelnden Wind wünsche ich dir.
Den tiefen Frieden über dem stillen Land wünsche ich dir.
Den tiefen Frieden unter den leuchtenden Sternen wünsche ich
dir.
Den tiefen Frieden vom Sohne des Friedens wünsche ich dir.
Texte, die auf Stellwänden angebracht waren:
Das Leben ist mir immer wie eine Pflanze vorgekommen, die aus ihrem
Rhizom lebt. Ihr eigentliches Leben ist nicht sichtbar, es steckt
im Rhizom. Das, was über dem Boden sichtbar wird, hält
nur einen Sommer. Dann verwelkt es - eine ephemere Erscheinung.
Wenn man an das endlose Werden und Vergehen des Lebens und der Kulturen
denkt, erhält man den Eindruck absoluter Nichtigkeit; aber
ich habe nie das Gefühl verloren für etwas, das unter
dem ewigen Wechsel lebt und dauert. Was man sieht, ist die Blüte,
und die vergeht. Das Rhizom dauert.
CARL GUSTAV JUNG
Der Tod bedeutet Nichtsein. Was dies ist, weiß
ich schon. Dies wird der Zustand nach meiner Existenz sein, wie
er schon vor meiner Existenz war. Wenn darin etwas Schlimmes liegt,
so muss es auch darin gelegen haben, ehe wir das Licht dieser Welt
erblickten. Doch wir haben damals keinen Schmerz gefühlt. Wäre
es wohl nicht töricht, glauben zu wollen, es sei schlimmer
für die Lampe, wenn sie erloschen ist, als bevor sie angezündet
wird. Auch wir werden angezündet und erlöschen wieder;
in der Zwischenzeit empfinden wir Schmerz; vorher und nachher aber
ist tiefe Ruhe.
SENECA
Das Leben ist nun mal keine zärtliche Angelegenheit...
SENECA
Lebensleiter
Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not, vom Nichts zum ersten
Stückchen Brot.
Vom Brot zur Wurst geht's dann schon besser; der Mensch entwickelt
sich zum Fresser.
Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer, als reicher Mann bei Sekt
und Hummer.
Doch sieh, zu Ende ist die Leiter: Vom Hummer aus geht's nicht mehr
weiter.
Beim Brot, so meint er, war das Glück. - Doch findet er nicht
mehr zurück.
EUGEN ROTH
Life is what happens to you while you´re
busy making other plans.
JOHN LENNON
...«Ihr braucht doch«, scheint Christus
zu sagen, »euch nicht ewig unter der Tretmühle fremder
Diktate und Programme vorwärts peitschen zu lassen. Ihr könnt
anfangen, selbst zu leben, indem ihr darauf Acht habt, was für
eine Aufgabe euch in eurem Leben wirklich zukommt, wozu ihr wirklich
gemacht seid; ihr könnt euch aus dem Traum eurer Abhängigkeiten
befreien und euch einmal fragen, was für euch wesentlich ist
und wofür ihr leben wollt; ihr könnt euren eigenen Lebensinhalt
finden, der unvertauschbar euch gehört und von dem ihr sagen
könnt: Das bin ich, dazu hat Gott mich bestellt.« Dann
gibt es so etwas wie Zukunft. Dann ist es möglich, über
die Hast des Augenblicks hinweg nach vorne zu schauen und innerlich
das Gefühl zu bekommen, dass da nicht alles aus ist, sondern
vielmehr etwas auf mich zukommt, auf das ich gespannt warten kann.
Dabei das Entscheidende: das Eigentliche meiner Zukunft kann und
brauche ich nicht selbst zu »machen«. Ich kann und darf
und muss zu meinem Leben stehen. Aber für das Resultat, das
sich dann einstellt, bin ich nicht mehr verantwortlich, das steht
bei Gott.
...Was ist das Leben anderes als ein ewiger,
gigantischer, nicht endender Austausch, als das Kommen und Gehen
von Ebbe und Flut, als ein Aufwirbeln manchmal von schimmerndem
Schaum, bestehend aus myriadenfachen kleinen Luftbläschen?
Und selbst die Sonne und das Meer, selbst das Spiel der Wellen wird
»bald« nicht mehr sein, sobald man die menschlichen
Maßstäbe des Raumes und der Zeit zugunsten der Wahrheit
verlässt. Wie lange sind 5 Milliarden Jahre »wirklich«
in der Geschichte des Kosmos? Und wann beginnt das »Zeit«-Maß
der Ewigkeit?
EUGEN DREWERMANN
Eigentlich wissen wir alle, dass wir hier auf
der Erde nicht zu Hause sind, nicht ganz zu Hause sind.
HEINRICH BÖLL
Sehnsucht wird nicht nur gestillt, sie entsteht
auch neu da, wo eine Liebe gelingt; wo das Leben glückt und
wo ich seine Schönheit wahrnehme. Man lernt weinen am Schmerz
und am Reichtum des Lebens. Auch die Schönheit weist über
sich hinaus auf den Grund aller Schönheit. Auch das Glück
macht unbescheiden und hungrig.
FULBERT STEFFENSKY
Die unter Dreißigjährigen suchen
ihren Lebenssinn eher im Glück; die über Dreißigjährigen
suchen das Glück eher in einem sinnvollen Leben.
Kommentar aus Allensbach (Meinungsforschungsinstitut)
Welches ist der Sinn unseres Lebens? Eine Antwort
auf diese Frage wissen heißt religiös sein.
ALBERT EINSTEIN
Ein Drittel der Schulkinder bekommt zu Hause Pillen gegen Angst,
Streß und Konzentrationsschwäche. Mal ganz abgesehen
von der Wirksamkeit - es wäre doch viel besser, wenn diese
Eltern sich gegen den Druck in der Schule auflehnen würden.
Da dient die Medizin nur zum Unterdrücken und Anpassen.
EIKE CHRISTIAN HIRSCH
Alle Menschen sind sterblich: aber für
jeden Menschen ist sein Tod ein Unfall und, selbst wenn er sich
seiner bewusst ist und sich mit ihm abfindet, ein unverschuldeter
Gewaltakt.
SIMONE DE BEAUVOIR
Der Tod nimmt nicht nur, er schenkt und gibt
Sinn. Diese positive Seite wird heute meist nicht gesehen. Ihre
Sicht wird aber klar, wenn wir der Erfahrung des Todes die utopische
Fiktion und Konstruktion des todlosen Lebens gegenüberstellen:
Alles könnte in einer todlosen Endlosigkeit verschoben, aufgeschoben,
ein anderes Mal getan werden; alles Versäumte könnte nachgeholt,
wiederholt werden, nichts wäre notwendig, alles beliebig.
MAX MÜLLER
Den Tod sollte man als Schlußpunkt hinnehmen,
auch wenn er sich später als etwas anderes erweisen sollte:
als ein Doppelpunkt.
EIKE CHRISTIAN HIRSCH
Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt,
den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr
dürsten. (Joh 6, 35)
Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt,
der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht
des Lebens haben. (Joh 8, 12)
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer
an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da
lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. (Joh 11, 25)
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh 14, 6)
Kontakt:
Andreas Jörs
Wallensteinstraße 32
30459 Hannover
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