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»Normal - abnormal
- radikal«
Ein Jugendgottesdienst in Allmannsweier
Übersicht:
Musikalisches Vorspiel: »Fromme Leute«
Begrüssung
Lied: »Kommt atmet auf, ihr sollt leben«
Anmoderation Psalm
Psalm
Lied: »Ins Wasser fällt ein Stein«
Gebet
Lied: »Jesus, zu dir kann ich so kommen
wie ich bin«
Vorwort zur Predigt
Dialogpredigt: Röm 12, 9-21
Lied »Seid fröhlich in der Hoffnung«
Aktion: Radieschen essen
Lied: »Viele kleine Leute«
Fürbitte
Vaterunser
Lied: »Geh unter der Gnade«
Segen
Nachspiel
Stehkaffee
Vorbereitung:
Radieschen für die Teilnehmer der Aktion werden verzehrfertig
gemacht.
Ablauf:
Musikalisches Vorspiel: »Fromme Leute«
(auf: »Fromme Leute« von Duo Camillo)
Begrüssung:
Herzlich willkommen heute morgen hier in unserer Kirche! Heute ist
wieder ein Jugendsonntag. Das Thema heißt diesmal: »normal
- abnormal - radikal: Wie lebt ein Christ?« Mit dem Lied vom
Duo Camillo, was wir gerade gehört haben, sind wir schon bestens
auf das Thema eingestimmt worden. Einmal im Monat am Jugendsonntag
feiern wir hier in Allmannsweier einen Gottesdienst, der aus dem
Rahmen fällt. Eingeladen sind alle, die Freude an einem etwas
anderen Gottesdienst haben, nicht nur Jugendliche. Aber auch wenn
die Form etwas anders ist als sonst - das, um was es hier geht,
ist doch das Gleiche wie jeden Sonntag: Wir wollen mit Gott in Kontakt
kommen. Wir wollen was von Gott hören und wir wollen auf diese
Weise Kraft tanken für den Alltag, einen Moment zur Ruhe kommen
und durchatmen. Wir freuen uns, dass auch diesmal die Band wieder
mit dabei ist und für uns Musik macht.
Lied: »Kommt atmet auf, ihr sollt leben«
(aus: Feiert Jesus, Hänssler Verlag, Stuttgart)
Anmoderation Psalm:
Wie lebt ein Christ? Was erwartet Gott von uns? Nicht erst die Christen,
sondern lange vorher haben sich die Juden schon Gedanken darüber
gemacht: Wie soll ein Mensch nach Gottes Willen leben? Im alten
Testament kann man viel davon lesen, zum Beispiel - auch heutzutage
noch ganz aktuell - die 10 Gebote. Aber auch in den Psalmen finden
sich solche Überlegungen: Wie lebt ein gläubiger Mensch?
Auch der Psalm, den wir jetzt miteinander beten, gibt in aller Kürze
eine Antwort. Wir sprechen abwechselnd. Ich beginne und Ihr antwortet
mit den eingerückten Versen.
Psalm
Lied: »Ins Wasser fällt ein Stein«
Gebet:
Wir sind heute morgen in die Kirche gekommen. Wir möchten gern
mit Gott in Kontakt sein. Jesus hat ja mal gesagt: »Wo zwei
oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter
ihnen«. Wir sind heute etwas mehr als zwei oder drei. Und
wenn wir jetzt miteinander zu Gott kommen und gemeinsam beten, dann
hat wahrscheinlich jeder ganz unterschiedliche Dinge auf dem Herzen.
Jeder von uns hat seine ganz eigenen Erlebnisse gemacht in der vergangenen
Woche, auch ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Gott, mit dem
Glauben, mit dem Beten. Deshalb ist es auch nicht ganz leicht, hier
vorne ein Gebet zu sprechen, wo Sie alle, Ihr alle innerlich mitsprechen
könnt. Deshalb stehen jetzt mehrere Leute hier vorne zum Beten.
Wir möchten euch einladen, im Stillen leise mitzubeten. Vielleicht
ist ja ein Gebet dabei, wo ihr sagen könnt: »Ja, das
passt zu mir, so ähnlich geht's mir auch.« Wir lassen
auch eine kurze Zeit der Stille nach den Gebeten, dann kann jeder
für sich selber zu Gott kommen, mit dem was persönlich
grade dran ist.
Gott, ich möchte gern an dich glauben und
ich glaube auch an dich - mal mehr, mal weniger. Auf alle Fälle
bin ich froh, dass es dich gibt und dass ich immer mit dir reden
kann, wie mit einem Kumpel oder mit einer guten Freundin. Aber ich
weiß nicht, was passiert, wenn ich mich tiefer auf dich einlasse:
Was wird dann aus mir? Muss ich dann immer brav sein? Ordentlich
und anständig, so wie meine Eltern es gerne hätten? Muss
ich dann so werden wie der Gottfried aus meiner Klasse? Muss ich
dann immer Halleluja singen und freundlich lächeln? Gott, ich
möchte gern mehr mit dir erleben, aber ich habe Angst, dass
ich mich dann verändern muss. Bitte, zeig mir einen Weg, den
ich gehen kann mit dir, einen Weg, der zu mir passt.
Herr Jesus Christus, ich sehne mich nach Veränderung
in meinem Leben. Manchmal kommt mir alles so sinnlos vor und ich
denke, es muss doch noch was anderes geben, was das Leben lebenswert
macht. Denn das Leben ist doch zu kurz, um es einfach zu verplempern.
Jesus, ich möchte gern immer mehr so sein wie du. Ich möchte
jeden Tag und jede Stunde den Kontakt mit Gott, meinem himmlischen
Vater spüren. Ich möchte stärker glauben, mehr lieben
können. Ich möchte eindeutiger leben als Christ und entschieden
dir nachfolgen. Herr Jesus Christus, ich bitte dich: Gebrauche mich,
um auf der Welt dein Ziel zu erreichen. Sende mich, wohin du willst,
ich will mit dir gehen. Lass mich so leben, wie es dir gefällt.
Lieber Gott, also ich weiß gar nicht,
ob es dich überhaupt gibt. Gebetet habe ich auch schon lange
nicht mehr - na ja, manchmal aus Versehen, schaden kann's ja nie.
Aber ich habe so viele Zweifel: Hast du wirklich die Welt gemacht?
Warum gibt es so viel Schlechtes und Böses? Auch die Christen
sind ja nicht viel besser als andere. Wenn ich mich hier so umschaue,
das sind doch alles keine Engel. Lieber Gott, ich möchte meinen
Verstand nicht an der Kirchentür abgeben müssen! Bitte
Gott, wenn es dich gibt, dann hilf mir, an dich zu glauben. Zeige
mir irgendwie, dass du erfahrbar bist. Vielleicht heute, wo ich
schon mal in der Kirche bin.
Lied: »Jesus, zu dir kann ich so kommen
wie ich bin« (aus: Feiert Jesus, Hänssler-Verlag, Stuttgart)
Vorwort zur Predigt:
Liebe Gemeinde, ihr seht es: Wir sind wieder zu zweit auf der Empore.
Heute wird also die beliebte Reihe »Bettgespräche im
Pfarrhaus« fortgesetzt. Sie haben ja hier in Allmannsweier
zwei Pfarrer, die zusammen eigentlich nur ein Pfarrer sind. Und
diese beiden Kollegen sind dann auch noch miteinander verheiratet.
Da kommt es schon mal vor, dass über die Arbeit auch noch am
Feierabend geredet wird. Denn dann ist Ruhe im Haus und die Kinder
sind im Bett. Heute habt Ihr also wieder die Gelegenheit, zu lauschen
bei einem Gespräch, was so oder so ähnlich zu nächtlicher
Stunde im Pfarrhaus stattgefunden haben könnte. Vielleicht
ist es auch eine Zusammenfassung von verschiedenen Gesprächen
zum Thema: »Normal, abnormal, radikal: Wie lebt ein Christ?«
Dialogpredigt Röm 12, 9-21:
Axel: Und, wie isch's? Bisch heut vorwärts
komme mit deiner Predigt?
Renate: Ach, das Telefon hat ständig geklingelt.
Und außerdem ist es so'n schwieriger Predigttext!
Axel: Wieso, was für ein schwieriger Text?
Um was geht's denn?
Renate: Naja, so was Moralisches halt. Lauter
Ermahnungen. Aus'm Römerbrief, 12. Kapitel.
Axel: Ach des isch do, wo de Paulus sagt, dass
unser ganzes Lebe ein vernünftiger Gottesdienscht sei soll?!
Renate: Ne, das, was ein paar Verse später
kommt im Kapitel: dass man halt immer gut sein soll und gastfreundlich
und die Feinde lieben und so.
Axel: Gib mol d Bibl rüber. I les uns des
mol nomol laut vor. Welche Verse?
Renate: Ab Vers 9.
Renate gibt Axel die Bibel. Axel liest vor:
Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten
an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer
komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in
dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.
Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich
im Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft.
Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. [...] Seid
eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern
haltet euch herunter zu den Geringen. Haltet euch nicht selbst für
klug. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes
bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an
euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch
nicht selbst, meine Lieben. [...] Vielmehr, wenn deinen Feind hungert,
gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. [...] Lass
dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde
das Böse mit Gutem.
Axel: Ja und, hasch do jetzt Probleme damit?
Des isch doch okay.
Renate: Ja, aber so moralisch halt. Wer schafft
denn das schon? Das ist doch abnormal. Das schafft doch kein normaler
Mensch.
Axel: Na dodrum geht's jo erscht mol no gar
net: ob ma des jetzt schafft oder net.
Renate: Na, um was geht's dann?
Axel: Ha, wenn d bloß des predige willsch,
was d Leut schaffet. Dann derfsch bald nix mehr sage! - Immerhin
hat doch Jesus au selber solche Sache gsagt. Zum Beispiel in der
Bergpredigt: dass ma sein Feinde liebe soll, dass ma net zrückschlage
soll, wenn oin jemand haut, sondern au no de anare Backe nohebe.
- Oder dass ma scho en Ehebrecher isch, wenn ma ere annere Frau
bloß nochguckt. Also, ich find, des was d Leut schaffet, kannsch
net zum Maßstab mache. Du musch des predige, was gsagt ghört
von Gott her.
Renate: Ja und dann sag ich denen auf der Kanzel,
was gesagt gehört und wie Gott sich das vorstellt mit unserm
Leben. Und dann bilde ich mir ein, dass davon die Welt besser wird.
Oder wie?
Axel: Naja, vielleicht net glei die ganz Welt.
Aber vielleicht kommt de oinde oder die ana doch ins Nochdenke und
voennert sich hier oder dort. - Wenn d aber erscht gar nix sagsch,
dann passiert au nix.
Renate: Ich will ja nicht gar nichts sagen.
Aber es fällt mir halt schwer, den Mund da so voll zu nehmen!
So wie der Paulus da: Das Böse mit Gutem überwinden, beharrlich
beten und immer einen starken Glauben haben, zu allen Leuten freundlich
sein und so. Ich denke, wenn man so große Parolen von Feindesliebe
und Frieden und Gastfreundschaft verkündet, dann denken alle:
Ja, klingt gut. Bin ich auch dafür. Sollen mal die andern damit
anfangen. Und dann passiert gar nichts, außer dass man schöne
Reden schwingt. Oder die Leute denken: Das schaffe ich ja eh nie!
Dann sind sie frustriert und fühlen sich schlecht. Und es passiert
wieder nichts. Und die Welt wird kein bisschen besser davon.
Axel: Ja, schon klar. Und als Prediger kommt
ja immer noch die Angscht dazu, dass ma vor allem selber an dem
gmesse wird, was ma do uff de Kanzl gsagt hat.
Renate: Nicht bloß als Prediger. Alle
Christen. Das ist doch die klassische Steilvorlage für alle,
die an der Kirche herummeckern wollen: »Da guck hin. Die Christen
haben so hohe moralische Maßstäbe, aber selber halten
sie sich nicht dran.«
Axel: Ja, aber du kannsch trotzdem uff die Maßstäb
net vozichte und so do, als ob's die gar net gäb. Au wenn des
en hoher Ospruch isch. Es steht halt so in der Bibel. Un es sin
jo au gar net deine Forderunge, die du do predigsch. Du nimmsch
jo net selber de Mund so voll. Es sin doch die Forderunge und de
Wille von Jesus, die du nur weitersagsch. - Und an dem, was er von
uns will, solltet mir uns als Chrischte jo scho messe: am beschte
net gegeseitig, sondern jeder sich selber. - Oder sage mer besser:
Mir solltet uns am Wille von Jesus orientiere. Un deshalb müsset
mir ebe au predige, was Jesus will.
Renate: Ja, aber wenn man des so hoch hängt,
hilft es niemanden. Und alles auf einmal ist eh zuviel. Das muss
man irgendwie mundgerecht zerlegen. Da muss man klein anfangen.
Da muss man irgendwie Beispiele finden, wo auch Otto Normalverbraucher
mitkommt. Und schon das ist gar nicht so leicht. Irgendwie muss
man den Leuten Mut machen, mit kleinen Schritten anzufangen. So
wie Kinder laufen lernen.
Axel: Ja okay. Klar. Kloine Schrittle. Aber
in die richtig Richtung! - Und damit d Richtung stimmt, derf is
große Ziel nicht aus den Augen voliere. Wenn e Kind nie seh
tät, dass ma au ufrecht laufen kann, dann tät's vielleicht
immer bloß krabble. Des motiviert oin doch auch, wen ma sieht,
wie's mol were soll. Also ich find, ma muß au wenn's ums christliche
Leben geht, des große Ziel im Blick ho. Ma braucht so e große
Vision. Die motiviert oin doch erscht so recht zu dene kloine Schrittle.
- Wer hat scho Luscht für so »ein bisschen Frieden«
de kloine Finger z rühren. Da gibt`s doch au so en Satz: Wenn
du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Leute zusammen, die
Holz suchen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem Meer.
Renate: Ja, der steht aber nicht in der Bibel.
Das ist von dem, der den »kleinen Prinzen« geschrieben
hat. Glaube ich.
Axel: Aber, s isch trotzdem was dro an dem Spruch.
Renate: Also du meinst, man braucht so steile
Sätze als Zielvorgabe oder als Motivation.
Axel: Ja, und du moinsch, damit Otto Normalverbraucher
net ufgibt, sollt ma net die große Visione in de Raum stelle,
sondern Sache predige, die für alle machbar sin.
Renate: Ja. Ha, wahrscheinlich braucht man am
Ende beides. - Dann bist du eben für die großen Visionen
zuständig und ich für die kleinen Schritte. Aber mich
beschäftigt noch was anderes, wenn ich über meinen Predigttext
nachdenke. Mehr so allgemein, wenn's um christlichen Lebenswandel
geht: Wie normal darf man eigentlich als Christ sein? - Wenn man
sich an das alles halten will, was in der Bibel steht, wird man
da nicht völlig anders als alle anderen - irgendwie abnormal?
Axel: Naja, sicher! - Wer des beherzigt, was
de Paulus do sagt und was Jesus gsagt hat, und wer sich danoch richtet,
der wird scho irgendwie aus em Rohme falle. Der wird scho irgendwie
anasch were als des, was bei uns so als normal gilt.
Renate: Naja, ich denk jetzt halt an so Sachen,
was auch so die typischen Vorurteile über die Christen sind:
dass Christen kein normales Buch mehr lesen, sondern bloß
noch Bibel und fromme Sprüche im Kopf haben. Dass sie vor lauter
Beten für normale Sachen schon fast nimmer ansprechbar sind,
für Fußball oder andre Hobbies zum Beispiel. Dass sie
keine Heavy-Metal-Musik hören dürfen, sondern nur noch
Halleluja singen...
Axel: Jaja, un dass se immer leicht entrückt
und mit verklärtem Gsichtsausdruck durch die Gegend laufet
als Chrischte. Un dass sie in der Disco nix zum suchen hen, un dass
se erscht ab dreißig eine feste Freundin ho derft, die ab
und zu sogar unterm selben Dach übernachtet. - I weiß
scho, was d moinsch.
Renate: Als ich in Schottland studiert habe,
bin ich dort in eine ziemlich extreme Gemeinde gegangen. Und da
war mal eine Diakonin oder so was, die hat ausführlich darüber
gepredigt, wie sie alle ihre Kassetten mit Popmusik verbrannt hat.
Weil die nicht heilig waren, sondern weltlich. Da war sie dann ganz
erleichtert, weil sie diese Sünden jetzt endgültig hinter
sich hat. Und dann hat sie erzählt, wie sie nach vielen Monaten
doch tatsächlich im Handschuhfach von ihrem Auto noch eine
Kassette mit Rick Astley drauf gefunden hat. Rick Astley das war
damals so ein Schnulzie, so ähnlich wie vielleicht heute die
Backstreet Boys. Also wirklich ganz was softes. Und dann hat sie
die Kassette schnell aus dem Fenster geschmissen. Hinterher hat
sie ein schlechtes Gewissen gehabt, weil sie gedacht hat: Wenn jetzt
jemand die Kassette findet, wird der womöglich in Versuchung
geführt. Naja, und sie hat uns dann natürlich gesagt,
dass wir das alle genauso machen sollen. Was wir mit Mozart und
Beethoven machen sollen, hat sie nicht gesagt...
Axel: Haja, s gibt sicher chrischtliche Kreise,
wo für Chrischte Regle uffgschtellt wern, die im e schlechte
Sinn abnormal sin. - Wo dann bloß no voschrobene Type rauskommet,
mit dene mir wahrscheinlich au net viel ofange kenndet. - Wobei
ma scho genau nogugge muss: Manches von dem, was mir do vorhin so
uffzehlt hen, isch jo net von vornerei bloß blöd und
abartig. - So manches kann oin im Glaube scho au zum Nochdenke bringe,
oder in ne bestimmte Situation oifach wichtig were. - Wenn ma zum
Beispiel merkt, dass ma durch bestimmte Musik schlecht druffkommt.
Oder wenn ma merkt, dass ma fürs Bete halt grad mehr Zeit braucht
und dass es oim wichtiger isch als a Hobby. - Und s isch sicher
au koin Fehler, wenn ma Gott zutraut, dass er sich au in Sache Liebe
auskennt un weiß, was s Beschte für uns isch. - Warum
soll ma net au drum bete, dass ma d Frau fürs Lebe findt, oder
de Mann fürs Lebe ohne lang rumzuprobiere. - Und warum soll
ma mit de entscheidende Sache net warte, bis ma sicher isch, dass
ma die Richtig gfunde hat. Oder warum soll man koi glücklichs
Gsicht mache, wenn's oim grad gut geht als Christ?
Renate: Ja, schon. Aber man kann das doch nicht
so allgemein sagen, dass jeder Christ genau so werden muss und das
genau so machen muss. Wenn des einer für sich selber so merkt,
okay. Aber man kann sich doch nicht hinstellen und sagen: Genau
so und nicht anders ist ein ordentlicher Christ! - Und nur die,
die es genau so machen wie ich, sind echte Christen. - Die Ausgrenzerei
kann ich nicht leiden.
Axel: Des heißt also, es müsset net
alle Chrischte uff die gleich Art abnormal sei.
Renate: Aber du würdest schon sagen, dass jeder Christ irgendwas
an sich haben sollte, wo er sich von den normalen Leuten unterscheidet.
Axel: Noi, i möcht net sagen, dass des
zu me Christ unbedingt dazughört, dass er abnormal lebt. -
I glaub scho, dass ma au ganz normal und unuffällig lebe kann
als Chrischt. Aber ich glaub, dass es normalerweise bei me Chrischt
einfach ganz automatisch so komme wird, dass er irgendwo sozusagen
»abnormal« wird, wenn er des, was in de Bibel steht,
ernscht nimmt. Dass ma sich halt an irgendme Punkt von de große
Masse underscheidet und anasch lebt. Sei's, dass ma regelmäßig
betet oder in d Kirch geht, des fällt ja heut au scho uff.
Sei's, dass ma aus Glaubensgründe de Kriegsdienscht verweigert.
Sei's dass ma mehr spendet als anare Leut. Oder sei's, dass ma echt
vosucht, s Böse mit em Gute zu überwinde, zum Beispiel
dass ma ebe net fies reagiert, wenn oim jemand blöd kommt.
Renate: Ja, und an welchem Punkt sind wir dann
abnormal?
Axel: Mir sin doch Pfarrer. - Langt des net?
Renate: Doch, das ist schon ziemlich abnormal.
Axel: Un übrigens: S steht jo bei weidem
net alles, was so landauf landab als chrischtlich gilt, in der Bibel.
Zum Beispiel steht nirgends, dass en Chrischt net in e Disco derf.
Oder dass er e bestimmte Frisur ho muß. Oder net Karde spiele
derf. Oder koi Heavy-Metal-Musik höre derf.
Renate: S gibt ja immerhin außerdem auch
noch »Snubnose«.
Axel: Ja, aber des isch koi Heavy Metal, des
isch Punk. Aber des isch jo au egal jetzt. Um so abgefahrene Sachen
geht's jo in deim Predigttext überhaupt net. Un außerdem
glaub i, dass des alles gar net so entscheidend isch. I glaub: Ma
erkennt en Christ net dodro, wie normal oder abnormal er isch, ob
er des und des tut oder des un des läßt. S Wichtigschte
an eme Chrischt, des kann ma doch von auße gar net so ohne
weiteres seh. S Wichtigschte isch doch sei Votraue: dass er in seim
Lebe radikal uff Gott vertraut. S geht net drum, ob en chrischtlicher
Lebenswandel normal oder abnormal isch: Radikal muß er sei.
Renate: Radikal? Das klingt ja noch schlimmer
als abnormal.
Axel: Noi, i moin »radikal« jetzt
in seim eigentliche Sinn. Du mit deim Latein-Leischtungskurs müschtsch
jo eigentlich wisse, was des Wort bedeutet!
Renate: »Radikal«, das kommt von
»radix«, die Wurzel. So wie Radieschen, das ist eigentlich
ein Würzelchen.
Axel: Dann müßts also eigentlich
Radixchen heiße.
Renate: Haja, und die Bayern, die sagen ja auch
zum Rettich Radi. - Aber was haben Radieschen mit dem christlichen
Lebenswandel zu tun?
Axel: Naja, i moin halt. Enscheidend isch, dass
en Chrischt radikal uf Gott vodraut. Dass er do seine Wurzle hat,
im Vertraue uf Gott. - D Wurzel isch jo des Teil an ere Pflanz,
was ere Halt gibt. Un so soll de Glaube eme Chrischt Halt gebe -
egal ob er jetzt mehr oder weniger normal isch.
Renate: Oder mehr oder weniger abnormal. - Also
du meinst, wenn du sagst, ein Christ muß radikal sein, dass
er fest in seinem Glauben verwurzelt sein muss. Dass das das Wichtigste
ist.
Axel: Ja, dass er weiß, bei wem er Halt
findet, nämlich bei Gott. Und dass er weiß, wo er Nahrung
und Kraft herkriegt für sei Leben, nämlich auch bei Gott.
Un ob des Lebe dann normal isch oder abnormal, des isch net so wichtig.
Renate: Also dann wäre für 'n Christ
Gott sozusagen der gute Boden und das Gottvertrauen die Wurzel,
wenn man sich des mal als Bild vorstellt. Und die Pflanze, die draus
wächst, das wäre das christliche Leben.
Axel: Ja, die Pflanz, des bin ich mit meim Lebe.
Und wenn ich sag dass en Chrischt radikal lebe soll, dann moin i
demit, dass es druf okommt, wo er seine Wurzle nostreckt, nämlich
zu Gott. Dass er bei Jesus Halt und Kraft für sei Leben sucht
und sonscht nirgends. Un wenn des mit de Wurzl stimmt, dann muss
ma sich um alles anare koine Sorge me mache. Dann wird des au alles
richtig.
Renate: Okay. Dann kann man also sagen: Es ist
nicht entscheidend, ob ein Christ ganz normal lebt oder irgendwie
abnormal, Hauptsache er lebt radikal in seinem Vertrauen auf Gott.
Axel: Ja. Normal oder abnormal, des isch doch
letschtlich ganz egal. Hauptsach isch: radikal.
Renate: Und wenn ich jetzt nochmal an meinen
Predigttext denke, was soll ich dann am Sonntag sagen?
Axel: Ha, dass des alles, was de Paulus do schreibt,
uns die Richtung zeigt, in die s geh soll. Dass des zwar große
Worte sin. Aber die braucht ma au als große Vision, wie Gott
sich s chrischtliche Lebe vorstellt un wünscht.
Renate: Und dass man in kleinen Schritten drauf zugehen darf. Man
muss nicht gleich der große Hero sein.
Axel: Ja, des kannsch au no sage. Aber s Wichtigschte
isch net, wieviele Schrittle dass ma schafft und was ma genau umsetzt,
sondern s Wichtgste isch, dass ma seine Wurzle in de richtigen Boden
streckt. Dass ma de Halt für sei Lebe bei Gott sucht. Dass
ma sich und sei Lebe Gott overtraut.
Renate: Ganz radikal.
Axel: Ja. Und jetzt schlofe mer.
Renate: Ganz radikal.
Axel: Wie immer. Gut Nacht.
Renate: Schlaf gut.
Axel: Au, i glaub de Anton schreit.
Lied: »Seid fröhlich in der Hoffnung«
(aus: Feiert Jesus, Hänssler Verlag, Stuttgart)
Aktion: Radieschen essen
Üblicherweise gibt es am Jugendsonntag nach der Predigt irgendeine
Aktion, an der sich alle beteiligen können und die einen Gedanken
aus der Predigt aufgreift. Heute gibt es wieder mal etwas zu essen.
Dreimal dürft ihr raten... Es gibt Radieschen. Weil die uns
daran erinnern, dass ein Christ radikal leben soll. Dass wir uns
bei Gott einwurzeln sollen, so wie ein Radieschen sich in den Boden
einwurzelt. Und ganz nebenbei habt ihr heute ein lateinisches Wort
gelernt. Radix, die Wurzel. Also kommt nach vorne, holt euch ein
Radieschen - es gibt sogar Salz dazu - und lasst euch vom Radieschen
dran erinnern, dass ein Christ radikal auf Gott vertraut.
Lied: »Viele kleine Leute« (Liederbuch
für die Jugend: Quell Verlag, Stuttgart)
Fürbitte:
Lasst uns beten, für andere und für uns selber:
Herr Jesus Christus, wir bitten dich für
alle Christen, die in ihrem Leben unter einem großen Druck
stehen, immer alles richtig machen zu müssen. Die sich plagen
mit den Forderungen, die andere in deinem Namen an sie stellen.
Die sich ihre Schuld viel weniger vergeben können, als du sie
ihnen vergibst. Schenke ihnen die wunderbare Freiheit der Kinder
Gottes und zeig ihnen, dass sie sich Gottes Liebe nicht verdienen
müssen. Gib ihnen ein radikales Vertrauen auf dich, denn du
hast durch deinen Tod alle unsere Sünden getilgt.
Freundlicher Gott, wir bitten dich für
alle Menschen, die durch das Verhalten deiner Christen von dir abgeschreckt
werden, dass sie nicht aufgeben, dich zu suchen und nach dir zu
fragen. Lass alle, die dich suchen, tiefer sehen, als nur auf den
Lebenswandel von denen, die sich Christen nennen. Zeig ihnen deine
Liebe, die größer ist als alles, was wir uns vorstellen
können. Zerstöre du alle Vorurteile, die einen Menschen
von dir abhalten können und wenn es nötig ist, dann schenke
du Glauben nicht wegen, sondern trotz deiner Kirche und ihrer Christen.
Barmherziger Gott, wir bitten dich für
solche Christen, die sich immer ganz sicher sind, was dein Wille
ist in jeder Situation und die schnell dabei sind, andere abzuurteilen,
die ihre Meinung nicht teilen. Schenke ihnen ein weites Herz, dass
sie auch solche Menschen als Christen anerkennen können, die
anders leben als sie selber. Hilf ihnen, sich zu freuen an dem,
was gut ist im Leben von anderen, und mache sie bereit, auch von
anderen zu lernen.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich für
alle Menschen hier in deiner Gemeinde in Allmannsweier, dass sie
sich fest bei dir einwurzeln, dass sie bei dir einen festen Halt
und einen tragenden Grund für ihr Leben finden, dass du Kraftquelle
und Nahrung für sie sein kannst. Gib uns allen deinen heiligen
Geist, damit wir erkennen, was dein Wille für unser Leben ist.
Lass uns wachsen und gedeihen dir zur Ehre.
Vaterunser
Lied: »Geh unter der Gnade« (aus:
Feiert Jesus, Hänssler Verlag, Stuttgart)
Segen aronitisch
Nachspiel
Stehkaffee
Kontakt:
Renate und Axel Malter
Kirchplatz 4
77963 Schwanau
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