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»Gewalt an der Schule«
Ein Jugendgottesdienst im evangelischen Gemeindehaus Weinsberg

Vorbemerkung:
Tatort Schule. Es geschieht im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof, im Gang, vor und nach der Schule: Gewalttätigkeiten zwischen Schülerinnen und Schülern. Welche Wege gibt es, der Gewalt zu begegnen? Welchen Weg zeigt uns Jesus? Danach fragen wir in diesem Gottesdienst.

Übersicht:

Lied: »Meine kleine Schwester«

Begrüssung und Einstimmung auf das Thema

Lied: »Blowing in the wind«

Gebet

Einführung zum Video

Video: Gewalt an der Schule

Lied: »Help«

Anspiel: Erpressung in der Schule

Lesung (Röm 12, 17-21)

Verkündigung

Textlesung: »Haltet ihm die andere Wange hin«

Lied: »So ist Versöhnung«

Fürbitten

Lied: »Wir haben Gottes Spuren festgestellt«

Ansagen

Segen
Vorbereitung:
Die Jugendlichen drehten zur Vorbereitung ein Video an ihrer Schule, mit Interviews zum Thema »Gewalt an der Schule«, in dem Schüler und Lehrer befragt wurden. Eine gestellte Gewaltszene diente als Aufhänger. Eine Band hat die Lieder begleitet.

Material:
Texte in Kopie für alle Mitwirkenden

Ablauf:

Lied: »Meine kleine Schwester« (Spectacoolär)

Begrüssung und Einstimmung auf das Thema:
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen und zur Ehre Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
»Sie ist meine Schwester und trägt ein Messer. Sie sagt, in der Schule sei so was besser. Meine kleine Schwester trägt ein Messer, in der Schule sei das besser, sagt sie. Und ihre Philosophie beruht auf Angst, Angst vor der Penne, Angst, die man nicht kennt, wenn man nicht selbst erlebt, was dort abgeht, Tag für Tag. Sie sagt: Nackte Gewalt, Bereitschaft, einen kalt zu machen, abzuladen, wenn man sich nicht mehr bewegt, erlegt. Sie hat Angst vor dem Tag, hat Angst vor der Nacht, meine kleine Schwester wurde fertiggemacht.
Meine kleine Schwester zahlt Schutzgeld an Erpresser, sie sagt, das sei besser als die Fresse vollzukriegen. Denn wer nicht spurt, muss büßen, schon mal gehört? Onkel Sam lässt grüßen. Also Kohle rausgetan und dann hilft man, denn sonst können die Jungs noch ganz anders auffahren ...« (Spectacoolär)

Stimmt es, dass im Bus an den Haaren von Kindern gezündelt wird? Wurde ein Jugendlicher von der Schule ausgeschlossen, weil er einem Mädchen in die Kopfhaut biss? Was hat es auf sich mit den täglichen Schlägereien auf dem Schulhof? Ist es nur Spaß oder wird oft aus den kleinen Neckereien blutiger Ernst? Gewalt an der Schule. Jeder kennt sie, jeder weiß davon, aber alle, oder die meisten, schweigen. Schüler und Lehrer sind oft selbst hilflos oder haben Angst, etwas zu sagen. Dabei kann Gewalt an der Schule ganz verschiedene Formen haben: es gibt körperliche Gewalt: Mitschüler verprügeln, Mädchen anrempeln, sich mit Mitschülern raufen. Es gibt aber auch andere Formen von Gewalt: Mitschüler im Unterricht ärgern, absichtlich das Schulgebäude beschädigen, andere Schüler hänseln oder sich über sie lustig machen, Lehrer oder Lehrerinnen provozieren, andere unter Druck setzen, rumbrüllen. Immer mehr Kinder und Jugendliche werden Opfer von Gewalttaten. Allein im letzten Jahr hat sich die Zahl der Körperverletzungen durch Kinder und Jugendliche fast vervierfacht. Wir haben SchülerInnen und LehrerInnen aus Weinsberg mit der Videokamera befragt, was sie von der Gewalt an unseren Schulen hier in Weinsberg wissen. Das Ergebnis seht ihr nachher als Video.

Und wir - und ich - und du? Wie verhalten wir uns, wenn wir der Gewalt begegnen? Halten wir auch den Mund und schlagen einfach zurück? Machen wir mit in diesem Kreislauf der Gewalt? Wie du mir, so ich dir? Was sagt die Bibel, was sagt Jesus zur Gewalt? Gibt es Alternativen zur Gewalt? Wie sollen wir uns als Christen dazu verhalten? Unser erstes Lied stellt ähnliche Fragen: Wie oft müssen Menschen Gewalt erleben oder ausüben, bis sie zur Einsicht kommen.

Lied: »Blowing in the wind«

Gebet

Einführung zum Video:
Für diesen Gottesdienst wurde ein Video gedreht, in dem SchülerInnen und LehrerInnen in der Schule und auf dem Schulhof zu dem Thema »Gewalt an der Schule« interviewt wurden. Das Video wurde mit jugendgemäßer Musik unterlegt und mit Zwischeneinblendungen versehen.

Video: Gewalt an der Schule

Lied: »Help« (Beatles)

Anspiel: Erpressung in der Schule
Patrizia kommt auf die Bühne und läuft herum.
Sprecher: Das ist Patrizia. Sie geht in die 7. Klasse.
Marco und Stefan kommen auf die Bühne und laufen herum.
Sprecher: Das sind Marco und Stefan. Sie gehen in die 9. Klasse. Sie sind ständig in Geldnot, weil sie teure Hobbys haben. Ihr Geld reicht nie aus. Deshalb besorgen sie sich Geld auf einfache und schnelle Weise, in dem sie andere, schwächere Schüler und Schülerinnen erpressen.

Szene 1: Marco und Stefan erpressen Patrizia.
Sprecher: Am nächsten Tag nach der Schule - die gleiche Szene.
Szene 2: Marco und Stefan erpressen Patrizia.
Sprecher: So geht es weiter, jeden Tag - wie lange noch? Wer sagt HALT? Wer macht dem ein Ende? Alle wissen es, alle sehen es, aber keiner redet.

Lesung (Röm 12, 17-21):
»Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze heim. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Soweit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden. Nehmt keine Rache, holt euch nicht selbst euer Recht, sondern überlasst das Gericht Gott. Er sagt ja in den Heiligen Schriften: Ich bin der Rächer, ich habe mir das Gericht vorbehalten, ich selbst werde vergelten. Handelt vielmehr nach dem Wort: Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Dann wird es ihm bald leid tun, dein Feind zu sein. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde es durch das Gute.«

Verkündigung:
Das Böse überwinden - Theorie und Praxis?!
Ihr Christen seid doch totale Träumer. So kann man doch in unserer Zeit keinen Tag überleben. Die hauen euch kurz und klein, wenn ihr so was umsetzen wollt, was ihr da aus eurer Bibel herauslest. Der Gewalt kann man doch nur mit Gegengewalt beikommen. Faust auf Faust, das ist das Gesetz der Straße, da kann man mit eurem Reden vom Frieden überhaupt nichts ausrichten. Seht das doch endlich ein! So reden viele, auch viele Jugendliche, wenn sie hören, was die Bibel zum Thema Gewalt sagt: »Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze heim. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Soweit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden.« Macht nicht mit in diesem Kreislauf von Schlagen und Geschlagenwerden. Gewiß, nicht alle sogenannten Schlägereien in der Schule, auf dem Pausenhof, die ihr erlebt, sind ernste Sachen. Viele, vor allem jüngere Schüler, müssen sich auf diese Weise austoben. Doch die Fälle, bei denen es ernst ist und ernst wird, nehmen zu. Was tun, wenn ich mit Gewalt in Berührung komme? Einfach mitmachen, weil es eben anders nicht geht? Jesus sagt sogar: Wenn dein Feind dich auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin. Was meint er damit? Sollen die Christen sich vielleicht einfach zusammenschlagen lassen? Wir hören einen Text, der versucht, Antwort zu geben.

Textlesung: »Haltet ihm die andere Wange hin« (Walter Toman)
»Dir schlägt dein Bruder in dein Gesicht. Was tust du dann? Du weißt, was die Bibel sagt. Halt ihm die andere Wange hin! Das sagt die Bibel. Und wahrlich, wenn du es tust, dann ist es gut. Dann haut dir dein Bruder eine zweite herunter, von der anderen Seite, und wenn du benommen bist davon, dann lachen die andern aus ganzem Herzen.

Dein Bruder aber, der führt ihr Gelächter wie eine Geiß. Bis hierher ist alles gut. Jetzt aber kannst du zweierlei Wege gehen. Einmal kannst du erröten, wenn alle Augen der andern dich verspotten und wenn ihr Gelächter zusammenschlägt über dir. Wenn das geschieht, dann war alles umsonst. Dann winde dich nur in deiner Verlegenheit! Dann warst du noch nicht tapfer und klug genug für dieses Bravourstück Christi.

Der andere Weg ist der: Du hast gemerkt, ganz heimlich, dass der zweite Schlag schon schwächer war als der erste. Und wenn er es nicht war, dann rede dir's ein. Jedenfalls halt ihm wieder die erste hin, die erste Wange, und wenn du nur richtig lächelst dabei, ganz ohne Zorn, ganz gütig, dann wird der folgende Schlag, der Schlag auf die erste Wange, wieder ein wenig unsicherer sein. Nur wenn das nicht ist, wenn der dritte Schlag schon wieder besser sitzt als der zweite und erste und wenn die Zuschauer herzhafter lachen als früher und wenn dein Bruder dich weiter schlagen wird wie ein Hündlein, dann leg ihn hin, deinen Bruder, mit einem Schlag auf das Kinn. Dann warst du nicht in der rechten Arena für dieses Bravourstück Christi. Und lächeln musst du, wenn du den Kinnhaken gibst, ganz gütig lächeln musst du dabei, ganz ohne Zorn. Nachher kannst du ihm aufhelfen, deinem Bruder.

In mancher Arena muss der Christ ein Stierkämpfer sein, muss zeigen, dass er auch das kann. Sonst wird er von keinem verstanden bei seinem Bravourstück. Damit es die andern verstehen: dazu tut er's aber.« Vielleicht wart auch ihr so überrascht wie ich von diesem Schluss des Textes. Lächeln musst du, wenn du den Kinnhaken gibst, ganz gütig lächeln, ganz ohne Zorn. Nachher kannst du ihm aufhelfen, deinem Bruder.
Nein, einfach zusammenschlagen lassen, das sollen sich Christen nicht, das meint Jesus bestimmt nicht. Aber sie sollen anders mit Gewalt umgehen, versuchen sie zu überwinden, sie besiegen mit einem anderen Verhalten als dem, das man in dieser Situation von ihnen erwarten würde. Das setzt voraus, dass ich mich als Christ zunächst selbst frage: Wo werde ich gewalttätig? Wo haue ich selbst einfach drauf los. Erst dann beschäftige ich mich mit der Gewalt der anderen. Was kann das alles nun heißen für euch und euren Schulalltag? Für den Umgang mit der Gewalt zwischen euch Schülerinnen und Schülern?

Ich gebe zuerst zu, dass ich selbst Fehler mache und manchmal zur Gewalt greife, wenn ich keinen anderen Ausweg sehe. Ich suche nicht alle Fehler bei den anderen. Ich achte darauf, wie ich über andere rede. Ich vermeide es, sie mit Worten oder Bemerkungen herabzusetzen oder zu beleidigen. Ich verzichte auch einmal auf mein gutes Recht. Ich bin bereit, auch dem anderen einmal den Vortritt zu lassen. Ich stehe zu meiner Meinung und fresse nicht alles in mich hinein - auch dann, wenn es unbequem für mich wird. Ich schweige nicht zur Gewalt. Wenn andere unter Gewalt zu leiden haben, unter Schlägen oder Erpressung, dann versuche ich, soweit ich kann, davon zu reden. Mit Mitschülern, Lehrern, Eltern. Ich tue das, auch wenn ich dabei selbst unter Druck geraten kann. Ich versuche der erste zu sein, der seine Hand zur Versöhnung ausstreckt. Ich fange niemals mit der Gewalt an. Wir Christen sollen die Ersten sein, die ihre Hand zur Versöhnung ausstrecken.«

Lied: »So ist Versöhnung«

Fürbitten

Lied: »Wir haben Gottes Spuren festgestellt«

Ansagen

Segen


Anmerkungen:
Zielgruppe sind Jugendliche aller Konfessionen von ca. 14-25 Jahren. Die musikalische Untermalung durch eine Band ist sehr wichtig. Der Videofilm wird von einer Projektgruppe erstellt.

Kontakt:
Pfr. Thomas Binder
Finkenweg 12
78564 Wehingen
Telefon 07426/7186
pfarramt@wehingen-evangelisch.de


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