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»Liturgische Morgenfeier
- Friedensgebet«
Ein Jugendgottesdienst in der Akademie Bad Boll
Übersicht:
Musik zum Ankommen
Votum
Lied: »Sonne der Gerechtigkeit«
Gebet im Wechsel
Zwischenmusik
Enthüllungen zu Matthäus 5, 39-41/Lied:
»Selig seid ihr«
Lied: »Dekadelied«
Segen
Ablauf:
Musik zum Ankommen
Votum
Lied: »Sonne der Gerechtigkeit«
Gebet im Wechsel
Gott, wir sehnen uns danach, dass du Recht schaffst in unserer Welt,
deren Ungerechtigkeit zum Himmel schreit.
Wir fühlen uns ohnmächtig gegenüber all dem Furchtbaren,
von dem wir hören.
Gott, wir ersehnen deine Gerechtigkeit und fürchten doch auch
dein Gericht.
Denn du läßt dich nicht täuschen durch die schönen
Fassaden, hinter denen wir uns verbergen.
Du lässt dich nicht beschwichtigen von der gängigen Rede,
wir könnten schließlich nichts tun.
Du weißt, was wir anderen Menschen schuldig bleiben und wie
viel Böses auch von uns ausgeht.
Barmherziger Gott, sei uns ein gnädiger Richter und hilf uns,
entschieden und tapfer zu werden im Tun deines Willens. Amen.
Zwischenmusik (Klavier, Geige)
Enthüllungen zu Matthäus 5, 39-41:
»Setzt dem Bösen keine Gewalt entgegen«
Sprecherin A: Setzt dem Bösen keine Gewalt entgegen, sondern
wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt...
3 Echos von Sprecherinnen B, C, D (fragend,
nachdenkend, verlachend): ...halte ihm auch die linke hin!
Sprecherin A: Setzt dem Bösen keine Gewalt
entgegen, sondern dem, der gegen dich den Richter anruft und dir
dein Untergewand nehmen will...
3 Echos von Sprecherinnen B, C, D (fragend,
nachdenkend, verlachend): ...lass ihm auch den Mantel!
Sprecherin A: Setzt dem Bösen keine Gewalt
entgegen, sondern wenn dich jemand zwingt, eine Meile mit ihm zu
gehen,
3 Echos von Sprecherinnen B, C, D (fragend,
nachdenkend, verlachend): ...so geh mit ihm zwei!
Sprecherinnen B, C, D (Echosatzhälften
mehrmals hintereinander, durcheinander - im Gehen sprechend)
Zwischenruf 1 (aus einer Bankreihe): Die andere
Wange hinhalten? Unrecht erdulden? - Unrecht aushalten und erleiden?
Zwischenruf 2 (aus einer Bankreihe): Oder: auf
Rache sinnen, Vergeltung planen - und mit gleicher Münze heimzahlen?
Sprecherin A: Setzt dem Bösen keine Gewalt
entgegen, vergeltet Gewalt nicht mit Gewalt, sondern wenn dich einer
auf die rechte Wange schlägt: Halte ihm auch die linke hin!
Sprecherin B: Stellt Euch vor, ihr versucht
jemanden - euch gegenüber - mit der rechten Hand auf die rechte
Wange zu treffen: Ihr könnt ihn nur mit dem Handrücken
treffen. Ein Schlag ins Gesicht mit dem Handrücken, das ist
bis heute eine Geste der Demütigung und der Verachtung! Die
Absicht bestand also nicht darin, körperlich zu verletzen.
Sie bestand darin zu demütigen und einen Unterlegenen an seinen
Platz zu verweisen. Wenn Jesus einem solchen Menschen rät,
die andere Wange hinzuhalten, dann heißt das soviel wie: Schlag
nicht zurück! Aber: Duck' dich auch nicht weg! Mach dich nicht
klein. Nimm die Demütigung nicht an, sondern stell' dich aufrecht
hin vor deinen Peiniger, so dass er dir ins Gesicht schauen muss,
wenn er ein zweites Mal zuschlagen will. Wenn er ein zweites Mal
zuschlagen will, dann soll er dich auf die linke Wange schlagen
- er müsste dich damit wie einen gleichwertigen Menschen behandeln.
Lied: »Selig seid Ihr«
Sprecherin A: Setzt dem Bösen keine Gewalt
entgegen, vergeltet Gewalt nicht mit Gewalt, sondern dem, der gegen
dich den Richter anruft und dir dein Untergewand nehmen will: Lass
ihm auch den Mantel!
Sprecherin C: Vor Gericht will hier ein Gläubiger
ausstehende Schulden eintreiben. Sein Schuldner besitzt nur noch
sein Unterkleid und seinen Mantel. Die Ärmsten der Armen hatten
nichts anderes als ihren Mantel, um ihn einem Prozessgegner als
Pfand für ihre Schuld zu lassen. Im zweiten Buch Mose heißt
es darum: wenn einem Armen sogar der Mantel als letztes Pfand genommen
wird, so muss ihm der Mantel am Abend zurückgegeben werden.
Sonst hat er ja nichts, mit dem er sich zudecken kann.
Lass ihm auch den Mantel! - Stellen wir uns
das Ergebnis vor: Da stehen zwei vor Gericht. Der eine hält
nun Mantel und Untergewand in den Händen. Der andere steht
da: splitternackt. - Er steht da, als wollte er sagen: Jetzt hast
du alles, bis auf mein nacktes Leben. Und alle können es sehen!
Mit einem Schlag fällt ein Licht auf die herrschenden Verhältnisse,
in denen Menschen bis auf die Haut ausgezogen werden. Und was nicht
weniger wichtig ist: Der Gläubiger hat ganz anschaulich vor
Augen, welche Auswirkungen sein Handeln hat. Er bekommt die Möglichkeit,
über sein Handeln nachzudenken.
Lied: »Selig seid Ihr«
Sprecherin A: Setzt dem Bösen keine Gewalt
entgegen, vergeltet Gewalt nicht mit Gewalt, sondern wenn dich jemand
zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, so geh mit ihm zwei!
Sprecherin D: Ein römischer Hilfssoldat
in Judäa hatte das Recht, von einem Zivilisten zu fordern,
dass er ihm sein Gepäck eine Meile weit trägt. Aber der
Soldat durfte dieses Privileg nicht überstrapazieren: Wer jemanden
für mehr als eine Meile in diesen Zwangsdienst presste, konnte
Schwierigkeiten mit den Militärgesetzen bekommen. Über
das Angebot einer zweiten Meile wäre der Soldat ganz sicher
überrascht. Einer von denjenigen, die ihn doch als Besatzer
hassen mussten, bietet ganz unerwartet an, noch eine zweite Meile
mit ihm zu gehen. Er wird nachdenken: Welche Schwierigkeiten könnten
ihm daraus entstehen, dass ihm jemand für eine zweite Meile
sein Gepäck trägt. Vor die Militärbehörde will
er nicht zitiert werden. So muss der Soldat den Träger wiederum
bitten, ihm doch schnell sein Gepäck zurückzugeben.
Sprecherin A: Wege mit Phantasie und ohne Gewalt
- das ist es, was Jesus uns hier aufzeigt: Mich in einer Lage der
Unterlegenheit weder selbst aufgeben noch in blinder Wut zurückschlagen.
Ich kann zu meiner Würde zurückfinden und selbst in die
Situation eingreifen - überraschend, unerwartet und verblüffend.
Zwischenlied: »Selig seid ihr, wenn ihr
einfach lebt«
Lied: »Dekadelied« (Fritz Baltruweit)
Segen:
Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.
Amen.
Anmerkungen:
Dass die drei unerhörten Forderungen Jesu in Matthäus
5 in unserer gegenwärtigen politischen Situation Relevanz haben,
sollte durch diese Sprechinszenierung im Raum zum Ausdruck kommen.
Für das Vorbereitungsteam war es wichtig, die Sprechinszenierung
schon vorher im Raum durchzuspielen. Dabei konnten die Beteiligten
üben, mit der eigenen Stimme verschiedene Ausdrucksformen hervorzuspielen,
die verschiedenen Orte im Raum mit Sprache zu füllen. Die Stimmen
kamen von hinten, von der Seite und von vorne. Worte füllten
so auf andere Weise den Raum und trafen aufeinander. Bei der Liturgie
war jede(r) im Raum umgeben von diesen Worten und setzte sich mit
diesen Worten auseinander.
Diese Auslegung dieser Matthäus-Perikope
wurde am pointiertesten von Walter Wink herausgearbeitet, ausführlich
nachzulesen in seinem Buch »Angesichts des Feindes. Der dritte
Weg Jesu in Südafrika und anderswo«.
Autorinnen: Heike Basien, Stuttgart, Petra Dais,
Stuttgart, Dorothee Ernst, Esslingen, Esther Manz, Ravensburg
Kontakt:
Landesjugendpfarramt in Württemberg
Haeberlinstr. 1-3
70563 Stuttgart
petra.dais@ejwue.de
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