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»Kann Glaube dauerhaft
bestehen?«
Ein Jugendgottesdienst in Plüderhausen bei Schorndorf
Übersicht:
Vorspiel
Begrüssung
Lied
Textspaziergang mit Instrumentalmusik
Lieder
Plakatvorstellung
Klärung/Lesung (Mt 14, 22-33)
Lied: »Aus Gottes guten Händen«
Gebet unter Aufnahme der drei Ampelstatements
mit Vaterunser
Bekenntnis unter Zweiflern
Segen
Schlusslied
Vorbereitung:
Textkartons mit insgesamt 20 Statements zur Frage: Was fällt
dir zum Thema »Glauben können« ein? werden im Vorfeld
erstellt. Dazu können günstigerweise Jugendliche in der
Schule gebeten werden, gerade auch solche, die in der Kirche bisher
keinen Ort für sich entdeckt haben. Der Vorbereitungskreis
ergänzt die Statements durch eigene Aussagen. Dabei (dies deutlich
auszusprechen ist wichtig) kommt es nicht unbedingt auf die eigene
Haltung an, sondern vielmehr darauf, verschiedene Positionen auch
fremder Menschen zu formulieren. Die Statements werden im Raum verteilt
aufgehängt. Klebepunkte: Je Gottesdienstbesucher wird ein Streifen
mit drei Selbstklebepunkten, in den Farben gelb/rot/grün bereitgelegt.
Diese Streifen werden beim Betreten der Kirche ausgehändigt.
Ablauf:
Vorspiel
Begrüssung:
Im Namen Gottes des Vaters, der uns das Leben schenkt, im Namen
Jesu Christi, der uns herausfordert, das wahre Leben zu suchen,
im Namen des Heiligen Geistes, der uns den Glauben an das wahre
Leben schenkt. Amen.
Wer's glaubt, wird selig! Aber wie kann ich glauben? Will ich glauben?
Kann man das überhaupt: glauben? Oder: Läuft nicht jede
und jeder Gefahr, den gerade mal entdeckten Glauben wieder zu verlieren?
Ich begrüße euch im Namen unseres Vorbereitungsteams
zu diesem Gottesdienst, in dem wir Raum für unsere Fragen finden,
in dem wir unsere vorläufigen, eigenen Antworten miteinander
teilen können, in dem wir unserer vielleicht ganz zaghaften
Hoffnung auf der Spur bleiben wollen.
Lied
Textspaziergang mit Instrumentalmusik
Die Besucher/innen wandeln still durch die Kirche und lesen die
Statements zum Thema »Glauben können«. Erst wenn
alle Statements gelesen sind, dürfen sie punkten:
- rot, Ablehnung: »Nein, dieser Aussage stimme ich nicht zu!«
- grün, Zustimmung: »Na klar!«
- gelb, Unentschieden: »Weiß nicht.«
Lieder
Zeitgleich werten drei Mitglieder des Teams die Plakate aus und
nehmen die in den jeweiligen Farben meistgepunkteten Plakate ab.
Plakatvorstellung
In die jeweilige Farbe gekleidet präsentieren die drei Teammitglieder
die Plakate mit den meisten Punkten.
Klärung:
Gespräch im Innern einer Person: Der suchende Mensch, sein
Zweifel und seine Hoffnung sind Rollen, die von Einzelpersonen übernommen
werden müssen. Der suchende Mensch steht im Vordergrund. Die
beiden Positionen »Zweifel« und »Hoffnung«
sind aus dem Hintergrund hörbar.
Der Mensch auf der Suche: Die Sache mit dem
Glauben läßt mich nicht los. Wie gern wäre ich mir
meiner Sache sicher! Wie gern würde ich mich felsenfest auf
Gott verlassen, ganz gleich, was die Anderen sagen, ganz gleich,
was mit mir passiert oder was um mich herum geschieht.
Zweifel: Felsenfesten Glauben gibt es nicht:
Hast du auch nur einmal richtig erlebt, dass Gott für dich
da ist? Deinen Gott, den gibt es vielleicht gar nicht.
Der Mensch auf der Suche: Wer spricht da?
Zweifel: Ich bins, dein Zweifel. Hast du deinen
Gott schon mal irgendwo gesehen?
Hoffnung: Lass dir von dem nichts einreden;
der will dich nur verunsichern!
Der Mensch auf der Suche: Wer ist denn das?
Hoffnung: Ich bin deine Hoffnung! Du brauchst
doch auch etwas, woran du dich festhalten kannst. Ich will dir Mut
machen. Worauf willst du dich sonst verlassen, wenn nicht auf deinen
Glauben, auf deinen Gott?
Der Mensch auf der Suche: Manchmal gelingt mir
das auch. Dann hoffe ich ganz fest, dass Gott mich hält, auch
wenn ich den Boden unter den Füßen verliere. Ja, vielleicht
ist es sogar einfacher, Gottes Nähe zu spüren, wenn es
mir nicht so gut geht... Aber dann, im Alltag, da verliere ich meinen
Glauben aus den Augen; wie weggeblasen ist dann alles, was mir vorher
noch so wichtig war. Ich hab oft das Gefühl, dass ich überhaupt
nicht an Gott glaube. Warum nur will Gott, dass ich an ihn glaube,
wo es mir doch so schwerfällt!
Zweifel: Da siehst du es: Dein Gott verlangt
etwas Unmögliches von dir! Den Menschen musst du mir erst mal
zeigen, der von sich sagen kann, dass er ganz und gar auf Gott vertraut.
Du kannst es also gleich bleiben lassen.
Hoffnung: Oh doch, es gibt freilich Menschen,
die sich ganz und gar auf Gott verlassen. Denk doch nur an die Frauen
und Männer in der Bibel: Abraham zum Beispiel oder Maria aus
Magdala oder den Apostel Paulus. Auch Martin Luther oder Martin
Luther King fallen mir auf Anhieb ein. Sicher gibt es noch viele,
nur sind ihre Namen nicht so bekannt geworden. Die hatten alle viel
mit sich und mit ihren Mitmenschen zu kämpfen, und trotzdem
war ihr Glaube unerschütterlich.
Zweifel: Na, da wäre ich mir nicht so sicher:
Auch die, die du jetzt aufgezählt hast, waren immer wieder
am Zweifeln. Außerdem sind das ja alles sozusagen Heilige.
Die waren ja noch viel näher dran an Gott als wir heutzutage.
Von denen wird man ja wohl noch einen festen Glauben erwarten dürfen
- meinetwegen von denen, aber von dir? Du hast dich doch innerlich
von Gott verabschiedet.
Der Mensch auf der Suche: Ich will ja auch gar
kein Heiliger sein, ich bin alles andere als ein Heiliger. Aber
ist es denn zuviel verlangt, ein ganz normaler Christ zu sein? Ich
will auch nicht fromm werden wie Abraham oder so ein Glaubensheld
wie Petrus. Ich will doch nur wissen, ob es möglich ist, im
ganzen Leben auf Gott zu vertrauen. Im Alltag wie in extrem schwierigen
Lebenssituationen. Ich denke einfach, mit so einem Glauben könnte
ich mit meinem Leben besser fertig werden. Gerade, wenn es nicht
so gut läuft, wenn ich mir wie ein Versager vorkomme. Oder
wenn ich traurig bin oder mich völlig verlassen fühle.
Man braucht doch was, woran man sich festhalten kann!
Hoffnung: Du hast gerade Petrus erwähnt...
Zweifel: Der und ein Glaubensheld. Dass ich
nicht lache. Als es drauf ankam, in der Nacht vor dem Todesurteil
gegen Jesus, da hatte dein Petrus die Hosen gestrichen voll.
Der Mensch auf der Suche: Mir ist der Name auch
nur so rausgerutscht. Immerhin ist er so was wie ein Vorbild für
viele Christen.
Hoffnung: Gerade weil dieser Petrus ein Mensch
voller Zweifel und Unsicherheit war, könnte er für dich
interessant sein. Es gibt da so eine Geschichte, die du dir in Erinnerung
rufen solltest. Hör nur mal genau hin!
Lesung (Mt 14, 22-33):
»Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu
steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen
ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein
auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und
das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die
Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache
kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger
sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!,
und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und
sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht! Petrus
aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir,
zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus
stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.
Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken
und schrie: Herr, hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand
aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum
hast du gezweifelt? Und sie traten in das Boot und der Wind legte
sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen:
Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!«
Zweifel: Willst du jetzt auch übers kalte
Wasser gehen? Wie kommt dein Petrus nur auf so eine komische Idee?
Du wirst dieser Geschichte doch nicht etwa Glauben schenken?
Der Mensch auf der Suche: Ich hatte schon immer
meine Probleme gerade mit dieser Wundergeschichte: dieser Seespaziergang
bringt doch niemandem etwas. Aber dem Petrus stand ja auch im Boot
das Wasser bis zum Hals. Ich denke mir, der hatte nichts zu verlieren;
sein Ausstieg war sicher keine Mutprobe, sondern eher eine Flucht
vor dem sicheren Untergang. Den Jüngern im Boot hatte das letzte
Stündlein geschlagen. Ihr Leben war keinen Pfifferling mehr
wert. Und ihr Jesus war nicht mal bei ihnen. In einer Mischung aus
Mut und Verzweiflung sucht er Jesu Nähe, er fasst sich ein
Herz und wagt den Schritt in ein neues Leben, das selbst Naturgesetze
durchbricht. Ich würde auch manchmal gern ausbrechen und etwas
machen, das ich für völlig unmöglich halte.
Hoffnung: Mit Jesus ist Gott dem Petrus so nah,
dass ihm dieser Ausweg überhaupt erst in den Sinn kommt! Vielleicht
spürt er in seiner Verzweiflung Gottes Kraft?
Zweifel: Am Ende steht er aber doch wieder da
wie ein begossener Pudel: »Du hast zu wenig Vertrauen«,
muss er sich vorwerfen lassen. Ich sage es ja: dein Gott verlangt
Unmögliches von dir.
Hoffnung: Immerhin streckt Jesus ihm seine Hand
entgegen, bevor er untergeht, und holt ihn heraus aus seiner Verzweiflung.
Also kommt es am Schluss auf seinen oder auf deinen Glauben gar
nicht so an! Hauptsache Gott ist in deiner Nähe.
Zweifel: Aber ganz am Schluss erwartet er doch
dein Bekenntnis, wie bei denen im Boot. Glaubst du denn an Gottes
Sohn?
Hoffnung: Lass dich nicht irre machen. Das Schönste
an diesem Schluss ist doch: Alle, auch die größten Zweifler,
auch die, die kritisch denken und die nicht mit Wundern rechnen,
alle sind ganze Christen!
Der Mensch auf der Suche: Ach, streitet ihr
ruhig weiter. Für mich ist schon wichtig, dass ich auch dann
ein richtiger Christ sein kann, wenn ich gerade nicht dran glauben
kann, dass Gott in mein Leben eingreift. Hauptsache, Gott ist für
mich da. Diese Geschichte mit dem kalten Wasser, die erinnert mich
an die Taufe. Die kleinen Kinder, die wir taufen, spüren ja
auch nur das kalte Wasser, obwohl Gott ihnen sagt: »Ich bin
für dich da, dein ganzes Leben lang.« Vielleicht hilft
es mir, wenn ich ab und zu, über meine eigene Unsicherheit
hinweg, Gott um mehr Vertrauen bitte.
Lied: »Aus Gottes guten Händen«
Gebet unter Aufnahme der drei Ampelstatements
mit Vaterunser
Bekenntnis unter Zweiflern
Aus den Statements und deren Gewichtung durch die Mitfeiernden heraus
spontan eine Reihe von Glaubens-, Unsicherheits- und Zweifelsaussagen
formulieren.
Segen:
So segne dich dein Gott, mit all deinen Fragen.
Gott schütze dich vor der Hoffungslosigkeit, auch wenn dir
Zweifel am Grund deiner Hoffnung kommen.
Gott zeige dir liebevoll seine Nähe, auch wenn du meinst, ihn
aus den Augen zu verlieren.
Gott gehe dir nach auf all deinen Wegen und schenke dir und der
ganzen Welt Frieden. Amen.
Schlusslied
Kontakt:
Schülerinnen- und Schülerpfarrer Steffen Kaltenbach
Haeberlinstr. 1-3, 70563 Stuttgart, lakisa@ejwue.de
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